Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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heit zeigt. Konnte es sonach keinem Zweifel unterliegen, dass wir in diesen Bodenerhebungen künstliche Anschüttungen vor uns hatten, so lag nunmehr auch der Gedanke nahe, dass letztere Reste der vermuteten Militärstrasse seien, die also nicht unmittelbar hinter dem Pfahlgraben zu suchen war, sondern in den Verbindungslinien der Wachttürme, woselbst sie, wie diese ausser- halb der wirksamen Wurf- resp. Schussweite lag. Diese Annahme wurde zur Gewissheit, als auch auf dem mittleren und nördlichen Terrainabschnitt bis zum Turm G' hin, in stets nahezu gleichem Abstand vom Grenzwall, noch an vielen andern Stellen, so namentlich in den ForstrevierenRinn- tannen undLangewasser, gleiche Anschüttungen vorgefunden wurden und letztere sich ausser- dem als entsprechende Erhöhungen in den Rändern der Chausseegräben der Niederrodenbacher Strasse(7. Taf. II) markierten. Ganz besonders schön erhalten aber ist der Weg in dem Torf- stich und dem Doppelbiergrabensumpf, worauf wir sogleich wieder zurückkommen.

Durch diese Entdeckungen erhielten die jetzt auf dem Grenzwall, bezw. in seiner Nähe und Richtung hinziehenden Wege eine ganz besondere Bedeutung. Verlassen wir das Dorf Gross- krotzenburgan der Porten(12. Taf. II) der Porta principalis sinistra des Kastells und schreiten den Dammsweg entlang, so befinden wir uns auf der alten römischen Strasse, welche hier(12 13. Taf. II) genau die Richtung auf Turm A verfolgt. Erst etwa 100 m nördlich des Friedhofes(13. Taf. II) schwenkt der Weg allmählig nach Osten ab, um bei der Hessischen Lud- wigsbahn den Pfahlgraben zu gewinnen(1. Taf. II), auf dem er bis zum Torfstich(2. Taf. II) hinzieht. Man benutzte also hier, wie auch auf andern weiter nördlich gelegenen Strecken, zweck- mässig den höheren Grenzwall als Weg, nachdem die Römerstrasse in Verfall geraten und unpassier- bar geworden war. An dem Torfstich aber, wo der Pfahlgraben unterbrochen war, geht der moderne Weg wieder in die alte Strasse über(15. Taf. II) und wir passieren diesen Sumpf heute noch auf dem- selben Damm, den die Römer hier vor mehr als 17 Jahrhunderten schütteten. Mit einer scharfen Wendung nach Osten kehren wir alsdann wieder auf den Pfahlgraben(3. Taf. II) zurück. Auf letzterem gehen wir fasst ununterbrochen entlang bis zum Doppelbiergrabensumpf und zu unserem Erstaunen sehen wir, dass hier die Verhältnisse wiederkehren, wie wir sie bei dem Torfstich vor- fanden. Doch nein, etwa 200 m(1617. Taf. II) sind wir auf der alten Militärstrasse vorge- gangen und kaum haben wir den Sumpf zu ½ seiner Ausdehnung passiert, als der Weg sich plötzlich mit scharfer Biegung ostwärts wendet(17. Taf. II) und die Richtung nach der Ober- försterei Wolfgang einschlägt. Dorthin konnte der Römerweg nicht führen, wir lassen uns des- halb nicht irre leiten und versuchen, trotz Dickicht und Sumpf, in der ursprünglichen nördlichen Richtung vorzudringen. Wären wir nicht im Hochsommer, unser Unternehmen wäre wohl schon nach wenigen Schritten gescheitert, denn für gewöhnlich ist der Sumpf hier grundlos. Mühsam arbeiten wir uns durch Schilf und Gestrüpp hindurch, und vorsichtig untersuchen wir bei jedem neuen Schritt, ob die Grasdecke uns noch tragen wird. Schauerliche Einöde rings umher wie mag es hier erst ausgesehen haben zu der Zeit, als römische Soldaten den Grenzwall abpatrouil- lierten? Wahrlich, wir können uns in einer solchen Umgebung nicht wundern, wenn diese an ihre sonnige Heimat gewöhnten Krieger nicht müde wurden, von der Unwirtlichkeit Germaniens, von schrecklichen Sümpfen und von Wäldern voll scheusslicher Finsternis zu erzählen.

Doch bald wird unsere Mühe reichlich belohnt; wir fühlen wieder festen Boden unter den Füssen und sehen, dass unsere Vermutung richtig war, denn deutlich zeigt sich von Neuem der alte Römerweg(18. Taf. II) und zwar so schön erhalten, wie kaum an einer an- dern Stelle. Ständen wir nicht auf bewaldeten Boden, wir wähnten uns stellenweise auf dem