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Ferner wurden in dem Eingang zwei Trockenmauerblöcke(e Taf. I, Figur 1) festgestellt, auf wel- chen augenscheinlich die hölzernen Thorpfosten fundiert waren. Aus der Auseinanderstellung dieser Mauerblöcke konnte die Weite des Eingangs auf etwa 2 m bestimmt werden. Für die Thor- wangen, welche naturgemäss sehr steil sein mussten, war selbstredend eine Bekleidung erforderlich. Da hier Steine nicht vorgefunden wurden, so erscheint die Annahme einer Pfahlreihe zur Ab- steifung dieser Böschungen um so gerechtfertigter, als auch die Beschaffenheit des Erdreichs an dieser Stelle durch eine eigentümlich aschgraue Färbung und ein auffallend festes Gemisch von aschenartigen und erdigen Bestandteilen auf verwittertes Holzwerk hindeutete. Ragten diese Pfähle bis zu entsprechender Höhe über den Brustwehrkörper fort, und schlossen dieselben sich in geeigneter Weise an die auf letzterem entlang laufende Pallisadierung an, so war auf die leich- teste Art eine zweckentsprechende Flankierung des Einganges vor dem Thor erreicht.
Schliesslich erwähnen wir noch die Fundstücke, welche die Ausgrabungen ergaben und zwar:
1) Münzen:
a) ein As von Vespasian;
b) ein Doppelas von Domitian.(Gefunden 1856); c) ein Sesterz von Hadrian;
d) ein Doppelas von Antoninus Pius.
2) ein Brettspielstein aus Horn;
3) mehrere Töpferstempel auf Sigillatascherben(darunter MAIOR F. und TRANUS);
4) mehrere Graffite auf Gefässscherben(M. R. und TANINI);
5) ein eiserner Nagelbohrer, fast gleich den jetzt gebräuchlichen Zentrumbohrern;
6) ein eiserner Bügel, ähnlich den jetzigen Bügeln an Wassereimern;
7) eine runde Zierscheibe in Form und Grösse eines Taschenuhrdeckels; die konvexe Fläche derselben ist mit Mosaik von feinster Ausführung versehen und, bis auf eine unbedeutende Fehlstelle, ganz unbeschädigt.
Herr Dr. Wolff macht darauf aufmerksam¹), dass dieses Schmuckstück vollkommen ent- spreche der von Herrn Oberst v. Cohausen„Über römischen Schmelzschmuck“(Nass. Annalen XII, S. 211 ff.) auf Taf. XXII, Nr. 23 und † abgebildeten und als besonders wertvoll bezeich- neten Zierscheibe, nur dass unser Exemplar kunstvoller gearbeitet und besser erhalten sei als das im Berliner Museum befindliche. Die Mosaik bildet drei konzentrische Streifen, von denen der innerste rot ist, während in den beiden andern schachbrettartig grün und gelbe Trapeze mit weissen und roten Sternblümchen in blauen Feldern abwechseln.
4. Die Wachttürme.
Die ersten Spuren, welche das Vorhandensein von Wachttürmen auf dieser Limesstrecke an- deuteten, wurden erst vor wenigen Jahren in dem Forstrevier„Krummer-Tannenschlag“(Turm F) aufgefunden. Eine 1879 hier veranstaltete Nachgrabung verlief jedoch insofern ziemlich resultatlos, als dieselbe zwar zahlreiche Mauersteine, Mörtelbrocken und Gefässreste, aber keine Fundamente und somit keinen Anhalt für die Beurteilung des hier anzunehmenden Bauwerks ergab. Zwei Jahre später wurden bei einer Begehung dieser Strecke durch Herrn Oberst v. Cohausen, dem sich die Herren Dr. G. Wolff und Architekt v. Rössler anschlossen, zwar noch einige andere Stellen bezeichnet, welche die Existenz von Wachttürmen nahe legten, indes waren die betreffenden An-
¹) Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst II. 6.


