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Was das Profil des Pfahlgrabens betrifft, so wurden behufs Feststellung desselben an 2 besonders gut erhaltenen Stellen, und zwar in der Nähe der Wachttürme E und F(Taf. II, Figur 6 und 7) entsprechende Einschnitte hergestellt und die resultierenden Linien, die sich in dem hellen Sand- boden scharf markierten, mittelst eines Nivellier-Instruments genau aufgenommen(Taf. II, Figur 1 und 2). Beide Profile, deren wesentlichste Masse die beigefügten Zeichnungen ergeben, sind nahezu kongruent, auch ist noch zu erwähnen, dass der vor dem Wall liegende Spitzgraben in genau gleicher Form durch 5 Einschnitte(a, b, c, d, e, Taf. I, Figur 3) konstatiert werden konnte, welche in der Nähe des Kastells Grosskrotzenburg hergestellt wurden.
Leider wurden bei keinem dieser Einschnitte besondere Merkmale wahrgenommen, welche sichere Schlüsse auf die ursprüngliche Form des Pfahlgrabens zulassen. Bemerkenswert ist nur der Umstand, dass bei allen Profilen die innere Grabenböschung sich etwas steiler zeigte als die äussere und dass etwa 3 m vor der Grabensohle sich bis zu einer Tiefe von 90 cm in dem hellen Sand eine dunklere Stelle markierte, so etwa, als ob man in einen dort angelegten Graben bessere Erde hineingebracht hätte. Die vielfach vertretene Ansicht, dass vor dem Graben, also etwa da, wo sich dieser dunkler gefärbte Boden vorfand, Pallisaden gestanden hätten, ist wohl aus Zweck- mässigkeitsgründen zu verwerfen, da eine Pallisadenreihe an jener Stelle nicht nur nutzlos, son- dern offenbar schädlich gewesen wäre insofern, als sie geeignet war, den Feind zu decken und denselben somit zum Mindesten dem Auge des Verteidigers zu entziehen. Will man für den Pfahl- graben eine Pallisadierung gelten lassen, und eine solche dürfte unter Berücksichtigung des Zweckes des Grenzwalles wahrscheinlich sein, so ist dieselbe wohl an keiner andern Stelle als auf der Wallkrone— etwa in der auf Taf. II, Figur 1 angedeuteten Weise— anzunehmen.
Die erwähnte dunklere Erde diente vielleicht zur Anlage von Dornenhecken, welche bekannt- lich von den Römern vielfach für Verteidigungszwecke verwendet wurden, und die hier ganz am Platze gewesen wären; ausserdem spricht für diese Annahme auch der Umstand, dass noch heute gerade in der Nähe des Pfahlgrabens auffällig viel Dornengestrüpp vorhanden ist.
Ist nun aus den erwähnten Resultaten und der sonstigen Beschaffenheit der Wallreste mit, Sicherheit zu schliesgen, dass auf der ganzen Linie von Grosskrotzenburg bis zur Lache ein gleiches Profil des Pfahlgrabens vorhanden war, so müssen wir andererseits für denjenigen Teil unserer Strecke, welcher die Nachbarwiesen durchzog, andere Masse für Wall und Graben voraussetzen.
Wie nämlich weiter unten ausgeführt werden wird, ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Grenzwall an der letzterwähnten Stelle, abweichend von dem übrigen Teil desselben, nicht nur als Grenzsperre, sondern auch zur Kommunikation diente. Aus diesem Grunde musste derselbe, schon hinsichtlich der Wallbreite, besonders für diesen Zweck eingerichtet sein und da ferner das Niveau der Nachbarwiesen nur wenig das der Kinzig überhöht, so ergiebt sich, dass der Wall- graben ein nasser und vermutlich so tief und breit angelegt war, dass er zur besseren Sicherung des Verkehrs auch bei trockener Jahreszeit ein wirksames Hindernis bildete. Zu dieser Annahme veranlasst uns hauptsächlich auch die Thatsache, dass die obengenannte Mulde, welche den vor- maligen Wallgraben in den Nachbarwiesen kennzeichnet, wie bereits erwähnt, eine aussergewöhn- liche Breite zeigt, denn während dieselbe 6 bis 8 m misst, ist an den übrigen Stellen des Pfahl- grabens die entsprechende Einsenkung kaum 1,5 m breit(Taf. II, Figur 1 und 2). Freilich wird Gewissheit in dieser Richtung kaum jemals zu erlangen sein, auch nicht durch Herstellung eines Einschnittes, da das ursprüngliche Grabenprofil in dem weichen Wiesenboden längst verwischt sein dürfte.


