Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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Schritten haben und an die Kreuzungsstelle der Hessischen Ludwigsbahn gelangt sind(1. Taf. II), woselbst er in den Niederwald eintritt und diesen als breiter dammartiger Weg durchzieht.

Gleich nach dem Austritt aus dem Niederwald, an dem südlichen Rande des Torfbruches (2. Taf. ID), hört jede Spur des Walles auf. Erst an dem ziemlich steil abgeböschten nörd- lichen Rande dieses Sumpfes(3. Taf. II) beginnt der Wall von Neuem und zieht von hier aus, zunächst wiederum als Waldweg, bis über den Wachtturm D hinaus, demnächst als durchschnitt- lich 1,5 m hoher Damm bis zu dem Doppelbiergrabensumpf(4. Taf. II).

Von ganz besonderem Interesse ist bei diesem Abschnitt der Umstand, dass die an den Sümpfen gelegenen Enden desselben(3. und 4. Taf. II) mit deutlich erkennbaren flankenartigen Ansätzen versehen sind(Taf. II, Fig. 7), die aus je zwei nahezu rechtwinklig gebrochenen, etwa 20 m langen Linien bestehen.

Da auch an dem nördlichen Rande des Doppelbiergrabensumpfes(5. Taf. II) eine solche Flankenbildung vorhanden ist, welche sich von der vorigen nur durch mehr stumpfwinkelige An- schlüsse und grössere Längen der gebrochenen Linien unterscheidet, so entseht die Frage, welche Zwecke wohl diese eigentümlichen Abschlüsse des Pfahlgrabens zu erfüllen hatten. Zunächst ist in dieser Hinsicht jedenfalls auffällig, dass diese Flankenlinien fehlten an der Stelle, wo der Grenz- wall von Süden her an den Torfbruch herantritt(2. Taf. II), dagegen an allen denjenigen End- punkten desselben angesetzt waren, an welchen Wachttürme lagen(3. 4. 5. Taf. II). Es erscheint desshalb der Schluss gerechtfertigt, dass beide Anlagen im engsten Zusammenhang standen, und da die Türme in der Hauptsache zur Bewachung der benachbarten Pfahlgrabenstrecke dienten, so kann weiter gefolgert werden, dass auch die erwähnten Flanken hauptsächlich zur besseren Erreichung dieses Zweckes angelegt wurden. Und in der That ist einleuchtend, dass durch Zurückziehung des Pfahlgrabens, wie dieselbe hier an den genannten 3 Stellen vorliegt, die T'bersicht von den zuge- hörigen Türmen aus wesentlich erleichtert und namentlich eine bessere Beobachtung der betreffen- den Enden des Walles ermöglicht wurde. Ausserdem mögen wohl behufs Herstellung eines ge- sicherteren Abschlusses an diesen Stellen noch besondere künstliche Hindernisse angebracht worden sein, wie beispielsweise Verhaue oder tiefere Gräben, welche bis in die anstossenden Sümpfe ge- führt wurden.

Wie bereits oben erwähnt wurde, ist der Grenzwall, wie in dem Torfbruch, so auch in der ganzen Breite des Doppelbiergrabensumpfes unterbrochen gewesen. An dem nördlichen Rande des letzteren erblicken wir denselben wieder als mehr oder minder hohen, überall aber deutlich erkennbaren Wall, welcher in seinem weiteren Verlauf zunächst die Hanau-Niederrodenbacher Chaussee(7. Taf. II), dann die Frankfurt-Bebraer Eisenbahn(S. Taf. II) schneidet, bei Turm G ziemlich steil in das Uberschwemmungsgebiet der Kinzig hinabfällt(9. Taf. II) und schliesslich an der Lache endet. woselbst er zuletzt noch um ein Geringes ansteigt und ein besonders schönes Profil annimmt (10. Taf. II). In seiner weiteren Fortsetzung markiert sich der Zug des Pfahlgrabens alsdann nur noch durch eine auffällig breite flache Mulde den vormaligen Wallgraben welche die Nachbarwiesen durchzieht und, in einen toten Arm der Kinzig einmündend, hier diesen Fluss er- reicht(11. Taf. II). Dass der Wall in dem Gebiet zwischen der Lache und der Kinzig spurlos verschwunden ist, kann nicht auffallen, da das fast alljährlich die Nachbarwiesen überflutende Hoch- wasser denselben im Laufe der Jahrhunderte fortgespült und die Erde in dem in der Stromrichtung, d. h. westlich, gelegenen Terrain so gleichmässig verteilt hat, dass keine wahrnehmbare Erhöhung mehr übrig geblieben ist. Die Abtragung dieses Walles durch Menschenhand dürfte schon des- wegen ausgeschlossen sein, weil man in diesem Fall den gewonnenen Boden in erster Linie wohl. dazu verwendet hätte. den Wallgraben einzuebnen, was augenscheinlich nicht geschehen ist.