7
der Publikation der damals gewonnenen Resultate der Ausgrabungen als wahrscheinlich bezeichnet hatte.¹) In welcher Weise hier der Pfahlgraben seinen An- und Abschluss fand, das festzustellen war leider unmöglich, da das Dorf sich über die östliche Kastellflucht und ihre Gräben hinaus aus- gebreitet hat.
An einer Stelle in unmittelbarer Nähe des östlichen Ziegelofens hatte sich durch einen eigen- tümlich günstigen Umstand das Profil des Grabens ganz besonders deutlich erhalten. Dort war nämlich in denselben eine grösse Quantität des zur Herstellung der Ziegel verwendeten feinen Thons, von dem sich Brocken auch dicht an dem westlichen Ziegelofen neben den gebrannten Ziegeln gefunden hatten, hineingeworfen, der, vollkommen rein erhalten, sich sehr deutlich von dem gewachsenen Boden abhob. Dieser Umstand könnte nun dafür zu sprechen scheinen, dass die Ziegelöfen gar nicht römi- schen, sondern etwa mittelalterlichen Ursprungs wären; und wir dürften diesen Einwurf um so weniger unbeachtet lassen, da die Existenz einer vom Mainzer St. Petersstift in Erbpacht gegebenen Ziegelei in der Nähe von Grosskrotzenburg, die noch im vorigen Jahrhundert in Betrieb war, urkundlich feststeht.*) Für den römischen Ursprung spricht aber nun, abgesehen von der Lage der Ziegel- öfen hinter dem hier nach Osten abbiegenden Limes, der Umstand, dass sich in und neben den Trümmern der Ziegelei nur römische Ziegel- und Gefässreste fanden, von welchen letztere Zz. T. in Fragmenten von Sigillataschalen bestanden, erstere die Stempel der Cohors IIII Vindelicorum trugen.“) Überdies fanden sich unmitttelbar neben dem westlichsten Ofen, tief im Schutt und auf dem natürlichen Boden, mehrere zerdrückte römische Urnen und neben ihnen Bronzebeschläge von Kasten sowie der hübsche Bronzebeschlag der Spitze einer römischen Schwertscheide. Auch die zahlreichen eisernen Beschläge von hölzernen Ziegelformen, die sich in dem Ofen neben anderen bei der Fabrikation verwendeten Geräten fanden, entsprechen in der Grösse genau mehreren Arten der römischen Ziegelplatten die wir im Kastell und seiner Umgebung fanden. Überdies war der gepflasterte Raum neben den Ofen, offenbar der zu ihm gehörige Hof, bedeckt von Ziegelfragmenten und Gesimsstücken, die vollkommen den gestempelten Ziegeln und den sonst gefundenen römischen Ziegelfragmenten gleich waren. Jenseits des Pfahlgrabens dagegen hören alle römischen Funde so- fort auf. Es ist daher wohl keinem Zweifel unterworfen, dass unmittelbar am Kastell Gross- krotzenburg eine ausgedehnte Ziegelei der Cohors IIII Vindelicorum nachgewiesen ist, die absicht- lich so dicht am Limes angelegt war, weil die Thongruben, aus welchen sie ihr Material bezog, jenseits desselben im germanischen Gebiet, etwa 2000 Schritt von der Grenze entfernt lagen. Dass diese Thongruben längere Zeit sehr ausgiebig benutzt worden sind, zeigt ihre grosse Ausdehnung; dass aber diese Ausnutzung in einer frühen Periode stattgefunden hat, dafür spricht der Um- stand, dass sie jetzt, und wie aus den erwähnten Urkunden hervorgeht, seit sehr langer Zeit von Wald bedeckt sind.
¹) Festschrift S. 25. Auf der Karte, Tafel I, ist durch ein technisches Versehen, auf welches Ham meran in seiner Recension S. 191 mit Recht aufmerksam macht, der Pfahlgraben bis zu seinem Anschluss ans Kastell ein- getragen, während richtiger seine ideelle Fortsetzung durch eine punktierte Linie bezeichnet worden wäre. Ebenso be- ruht die Einzeichnung des ihm parallel von der Porta principalis sinistra nach N. führenden Weges auf einer Hypothese des Herrnvon Rössler. Die genaue Erforschung des Pfahlgrabens zwischen Rückingen und Grosskrotzenburg hat bewiesen, dass der hinter ihm und zwar ihm parallel laufende römische Weg von dem letzten Turm an in der Richtung des heutigen„Dammswegs“ zum Thore führte.
²) Vgl. Festschrift S. 11, n.*. In dem dort angeführten„Compendium Rerum praecipuarum et memorabi- lium“ findet sich eine„Lateraria“unter den Besitztümern des Petersstifts in der„Villa Cruciburgenis“ mit Angabe der auf sie bezüglichen Urkunden angeführt.
²) Und zwar in 6 Variationen, die z. T. den früher im Kastell gefundenen Stempeln entsprachen.


