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Fundamente eines runden Bauwerks ausgebrochen, welche die Tradition als Reste einer Ziegelei vezeichnete.¹) Die Stelle musste in der Fortsetzung der Limeslinie oder gar ausserhalb derselben liegen, in beiden Fällen eine auffällige Erscheinung, wenn das Gebäude, wie Duncker annahm, römischen Ursprungs war.*) Die Bestellung des Feldes hatte im Jahre 1881 eine Untersuchung unmöglich gemacht. Als uns im Winter 1883/84 Ausgrabungen gestattet wurden, stiessen wir sehr pald an der bezeichneten Stelle*) auf Mauern und grosse Massen von Ziegelsteinen die z. T. den Stempel der Cohors IIII. Vindelicorum trugen, und vermischt mit Sigillata- und anderen römischen Thonscherben, Eisen- und Bronzeresten auf einer Schotterung etwa 70 cm unter der Oberfläche lagen. Das Ganze lässt sich leicht als ein chaussierter Hof erkennen, an dessen östlichem Ende das erwähnte Bauwerk lag. Dass dieses aber in Wirklichkeit ein römischer Brennofen war, konnte nach der Aufdeckung der noch vorhandenen Mauern und ihrer Vergleichung mit den an anderen Orten ausgegrabenen römischen Ziegel- und Töpferöfen nicht zweifelhaft sein. Wir behalten die genaue Beschreibung der Reste einem besonderen Excurs vor, in dem auch der später bei Marköbel aufgedeckte Brennofen behan- delt werden wird, und heben hier nur die Punkte hervor, die für die Ergänzung der Topographie des römischen Grosskrotzenburg von Bedeutung sind.
Was früher wahrscheinlich gewesen war, das wurde jetzt unzweifelhaft: der Ziegelofen lag ausserhalb der ideelen Verlängerung der Limeslinie, eine Thatsache, welche die Annahme nötig zu machen schien, dass der Pfahlgraben kurz vor seinem Ende ein Knie gebildet habe, um vor dem Kastell den Fluss zu erreichen. Es wurden daher, da von dem Walle selbst auf dem seit vielen Jahrhunderten eingeackerten und bearbeiteten Felde keine Spur mehr zu erkennen war, um viel- leicht von seinem ausgefüllten Graben ein Profil zu gewinnen, lange Versuchsgräben nach Osten gezogen, welche zunächst auf die Trümmer zweier anderer Ziegelöfen, die aber weit mehr als der erste zerstört waren, führten. Sie schienen gleiche Gestalt und Grösse wie der zuerst auf- gedeckte zu haben und lagen mit demselben in einer nach NO., direkt gegen die im Oberwalde zwischen Kahl und Grosskrotzenburg gelegenen alten Thongruben gerichteten Linie, offenbar an einem Wege, der hier vorüber, den Grenzwall durchschneidend, zu den letzteren geführt hatte.
Die Annahme nämlich, dass die Ziegelei hinter dem Limes gelegen habe, wurde dadurch be- stätigt, dass dicht an dem östlichsten der 6fen der durch Bauschutt ausgefüllte Graben des Grenz- walls von den Versuchsgräben durchschnitten wurde.¹) Fünf Einschnitte liessen ihn auf eine Strecke von 100 m stets mit demselben Profil erkennen, welches wir auch bei Durchschnitten durch den gut erhaltenen Pfahlgraben in der Bulau erhalten hatten. Je weiter sich die Einschnitte vom Kastell und den Ziegelöfen entfernten, desto undeutlicher wurde das Profil, da hier der Graben nicht mehr mit Bauschutt sondern mit dem dem gewachsenen Boden gleichartigen Ackergrund aus- gefüllt war.“) Doch genügten die gewonnenen Resultate, um zu beweisen, dass der Pfahlgraben ungefähr 500 m vom Kastell entfernt von seiner bisher 14 Kilometer weit eingehaltenen süd-nörd- lichen Richtung im stumpfen Winkel in eine mehr süd-südöstliche überging, um so nicht auf die Nordseite des Kastells zu treffen, sondern 10 m vor der Nord-Ostecke sich mit einer neuen Ab- schwenkung“) an den äusseren Kastellgraben anzuschliessen, wie ich es bereits im Jahre 1882 bei
¹) Vgl. Festschrift S. 10.
²) Vgl. Beiträge zur Erforschung des Pfahlgrabens S. 23.
*) Vgl. Tafel I, Fig. 3.
4) Vgl. Taf. I, Fig. 2.
³) Vgl. Korrespondenzblatt der Westd. Zeitschrift III, IV, 44. *) Taf. I, Fig. 3 zwischen den Punkten e und d.


