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der Katechismen sehr viele im Gebicte der christlichen Kirche,*) denn eine jede christliche oder christlich sich nennende Gemeinschaſt sorgte im Interesse der ihr einzuverleibenden Glieder für einen populären Text ihrer Lehre, welcher alsdann ihren Bekenntnisschriften einverleibt zu werden pflegte. Der Katechismus, d. i. die niedergeschriebene Form und Norm der kat. Unterweisung, das Handbüchlein für Lehrende und Lernende, enthält in einer dem christl. Heilsgange entsprechende Ordnung und in kurzem aber fasslichem Aus- druck die Hauptstücke der innerhalb einer kirchl. Gemeinschaft anerkannten Lehre ²2). Er ist ein sehr wichtiges Organ der kirchl. Lehrmittheilung. Einen solchen zu schreiben ist nicht Jedermanns Sache, denn ein Katechismus ist nicht ein Büchlein für Einzelne und Wenige, sondern für Millionen, nicht ein Werkchen für einige Monden oder Jahre sondern ein Denkmal für Jahrhunderte und Jahrtausende, dauernder als Erz und Marmor, und kann daher nur einen solchen Mann zum Verfasser haben, der in tiefer christlicher Erkenntnis, in Lehrgeschick und Gabe der sprachlichen Darstellung unter Zeitgenossen und Nachkommen die willig zuerkannte Stelle eines grossen Meisters einnimmt.
Die Forderung, dass überall ein von der Kirche ausgehender, von ihr autorisierter Katech. dem katech. Unterricht zu Grunde gelegt werden müsse, wird vieler Orten nicht in ihrer ganzen Strenge durchgeführt, denn die Kirche duldet nicht selten neben dem von ihr autorisierten Katechismus den Gebrauch anderer, wenn sie zweckmässig befunden worden (d. i. richtig und einfältig sind), privato nomine ³). Diese Praxis hat ihre gute Seite, indem so Gelegenheit zum Hervortreten neuer Katechismen neben dem alten gegeben wird, die entweder durch ihre Vergänglichkeit den Werth des ältern bestätigen, oder zu zweck- mässigen Abänderungen des letztern Winke geben..
1)„Weil aber vieler Ursachen halber schwerlich wird zu erlangen sein, dass nicht eine jeg- liche Kirche ihren eigenen Catechismus habe, so soll man auch deswegen nicht so sehr zanken, wenn anders die unterschiedene Art und Weise zu lehren uns alle zu dem einigen Christo führt, dessen Wahrheit uns alle mit einander verbinde, dass wir mit Christo ein Leib und ein Geist werden und die ganze Lehre vom Glauben einhelliglich bekennen.“ Calvin im Sendschreiben an die Kirchendiener zu Ostfriesland a. 1545.
2) Namen der Hauptstücke so wie des Katechism sind: Elemente(rτοπφννκ, Hebräer 5. 12.) Rudimente, Mark und Kern der christlichen Lehre; Wahrheitsmilch(1 Cor. 3, 2), Hauptartikel, leuftigste Punkte, Lehre vom Glauben(Liegnitz'sche Kirchenordnung, Richter I. S. 361), gemeine Fragstücke, einfältige Christenprobe, initia doctrinae, goldenes Kleinod, ey rνεααοι⁶ιον(Handbüchlein), Laienbibel, Laienfibel, Kinderbericht, Kinderlehre, Christliches Echo, Besechirmbüchlein, Büch- lein für die Laien und Kinder, hortulus animae, via vitae, kleines corpus doctrinae u. a.
3) Als Beispiel diene das hess. Casselsche Cons. Rescript vom 1. Mai 1777, an das geistliche Ministerium zu Cassel, die beim katechetischen Unterricht zum Grund zu legenden Lehrbücher betreffend, bei Ledderhose S. 658.


