Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Katechetik im 16. Jahrhundert / von dem Gymnasiallehrer Dithmar
Entstehung
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formale Meisterschaft des Lehrers für die Zöglinge sehr vergänglichen Werthes ist. Ein verwässerter Auszug aus einem Collegienhefte über Dogmatik und Moral, wenn auch noch so fasslich und mundrecht für die Jugend zubereitet, ist wohl ein Pröbchen verirrter Schulmeisterei, aber noch lange kein Katechismus.

Der katechetische Unterricht ist rücksichtlich seines Ursprungs, seines Stoffs und Zwecks ein christlich kirchlicher und führt seinen Namen nur so lange mit Recht, als er sei- nes Verhältnisses zur Kirche in rechter Weise sich bewusst ist. Die christliche Kirche nemlich hat sich zur Erhaltung und Mittheilung ihrer Lehre von alter Zeit her zweierlei Art Schulen oder Institute gegründet. Die eine, höhere und engere, Art Schule hat es zu thun mil der Bildung künftiger Diener der Kirche und lehrt die Theologie, die andere, niedere und weitere, aber erstreckt sich auf alle, welche vollberechtigte Glieder der christ- lichen Gemeinde werden wollen und übergibt nur ein elementares Christenthum, nur die Hauptstücke, welche die Christen ohne Unterschied wissen, glauben und üben sollen. Der Schule von der letzthezeichneten Art fällt die Katechese anheim. Ihre Auf- gabe ist es, solche welche der christlichen Gemeinde von aussen zuwachsen oder von innen heranwachsen, für die vollberechtigte kirchliche Gemeinschaft reif zu machen. Daher nimmt sie ihren Stoff aus der Lehre und dem Leben der Kirche selbst. Nicht die ganze in der Kirche beschlossene Wahrheitsfülle, sondern nur ein kurzer und grober Auszug, nur der Kern und das Mark daraus ist der Stoff, welcher im katechetischen Unterrichte vorkommt. Die Katechese ist demnach der Vorhof zur Kirche, in welchem jeder den Eintritt in die Kirche Suchende vorher sich zu orientieren hat, bevor ihm die Pforte zum Heiligen geöffnet wird, sie ist in gewissem Sinne selbst Kirche, indem sie nicht nur kirchliche Lehre zu ihrem Gegenstand hat, sondern auch die Unmündigen zu immer höher steigender Be- theiligung an den kirchlichen Handlungen anleitet ¹). ISt ihr vorbereitender Unterricht soweit gediehen, dass die Unterrichteten von Seiten der Kirche für reif zum Eintritt in ihren Schoss erkannt werden, dann geht an diesen wenigstens, ihre Mission zu Ende, und der Fortbau auf den gelegten Grundlagen wird nun einer andern Function der Kirche (der Homilie) überlassen.

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1)Die RKatechese ist diejenige Thätigkeit der Kirche, durch welche sie die in ihr geborene und getaufte Jugend mittelst gemeinsamer Unterweisung in der kirchlichen Lehre und gemein- schaftliche Erziehung für das kirchliche Leben zur Gemeinde heranbildet. Palmer in seiner Ka- techetik S. 20.Es ist zu tadeln, sagte derselbe S. 36 u. 37:wenn immer nur vom Religions- unterricht und von der dadurch zu erzielenden subjectiven Gottseligkeit die Rede ist, und ver- gessen wird, dass die Jugend eine Gemeinde werden soll, dass sie in dasjenige, worin die Kirche ihr gemeinsames Leben darstellt, in die Aeusserungen und Functionen, die den ganzen Organismus des kirchlichen Lebens bilden, hineinwachsen und so die Religiosität des Einzelnen mit dem Ausdruck und der Gestalt der gemeinsamen Religiosität sich zusammenschliessen soll.