Hollei) und Hollenfels.“ 1.
Die Schlangenjungfrau in der Bäderlei.
Ein junger Mann aus Nassau findet Nachts an der Stelle der Bäderlei bei Ems ein hell erleuchtetes Schloss. Der Pförtner empfängt ihn freundlich mit zwei Humpen des köst- lichsten Weins und ladet ihn ein, ehe er den dritten leere, sich das Innere des Palastes anzusehen. Hier heisst ihn eine schöne Jungfrau, zur Hälfte in Schlangengestalt, will- kommen, scheucht die drohenden Hunde und beschenkt ihn mit mancherlei Münzen. Auf ihre Mittheilung, dass sie, eine königliche Prinzessin, von einem feindlichen Könige ver- zaubert und verbannt sei und nur durch drei Küsse eines reinen Jünglings erlöst wer- den könne, beginnt jener das Befreiungswerk, hat aber nicht den Muth, es durch den dritten Kuss zu vollenden, da die Jungfrau auf's Furchtbarste schreit und wüthet. So- fort verschwindet er und hat nie mehr den Weg zum Schlosse finden können.
2.
Die Frau von Marioth und die Zwergkönigin. Eine Frau von Marioth ³) wird unter die Lahn in einen prächtigen Palast(am 1.
¹) So heisst die dem Hofe Hollerich— Holdarucka in Urkunden— bei Nassau gegenüber liegende Felsenkuppe, die eine wahrhaft bezaubernde Aussicht bietet. Das Volk nennt sie deutlich Hüllei, woraus die Gebildeten»hohe Lei« gemacht haben. Der Name in Verbindung mit der Sage von einer Zauberin, die da gehaust und oft gewaltige Flammen habe leuchten lassen, führt auf Holda, die in den folgenden Sagen der Umgebung deutlich erscheint.—
²) Ist der ältere Name von Holenfels bei Diez.
³) Die Familie besass damals Langenau. 9.


