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Mai in der Mitte des vorigen Jahrhunderts) zu einer Zwergkönigin geholt, um ihr in Kindesnöthen beizustehen. Si e leistet diesen Dienst und erhält zum Lohn einen ⸗Schick- salsring« mit der Erklärung, dass, so lange er unvertheilt in ihrer Familie bleibe, das Glück nicht von derselben weichen würde. Zunächst sollte sie mit dem Ringe sich am Johannesabend nach den Silberberg bei Langenau begeben und die Stelle bemerken, wo ein Rabe und ein Habicht um eine tote Taube kämpften. Da würde sie das reichste Silberlager finden. Sie folgt der Weisung, und das so gefundene Silberbergwerk be- reicherte lange Zeit die Familie, bis bei einer Erbtheilung auch der Ring getheilt wird. Sofort verschwindet das Silber und mit ihm der Segen aus dem Hause.
3. Der verlorene Langenauer.
Ein Kind aus der Familie von Langenau ¹) kommt, unter die Lahn gezogen, in einen lichtstrahlenden Palast und wird von einer wunderbar schönen, vornehmen Frau, die sich seine Mutter nennt, auf's Freundlichste empfangen und zum Bleiben eingeladen. Es lässt sich aber trotz aller Herrlichkeit des Feenpalastes nicht dazu bewegen und wird entlas- sen. Es kommt sogleich nach Hause, es sind aber unterdessen 70 Jahre verflossen; und nur an der Jahreszahl eines Kreuzes, das der Alte am Halse trug, ward er von dem damaligen Besitzer von Langenau als der verlorene Grossoheim erkannt. Er wird von dem Hausgeistlichen, der das Alles aufgezeichnet hat, in der christlichen Religion unter- richtet und zeigt dabei eine besondere Verehrung für die Mutter Gottes, die er. aber immer mit jener freundlichen Dame verwechselt. Er lebte noch zwei Jahre. Dies geschah am Ende des 16. Jahrhunderts. ²)
In der Schlangenjungfrau, der Zwergkönigin, der freundlichen vornehmen Dame, die den von Aussen und Innen lichtstrahlenden Palast bewohnt, wird man sogleich Holda in ihrem himmlischen Lichtreich hinter den Wolken erkennen. In Schlangengestalt kommt sie auch sonst oft vor, so lange sie in der Gewalt des Gewitterdrachens, der Schlange ist. Der Wein, der den Befreier stärken soll, ist der Trank Indra's und Thor's, der ihnen Kraft zum Drachen- kampf gibt, der Regen; die Dreizahl der Trünke erklärt sich aus einem uralten indoger- manischen Gebrauch, Kuhn, Herabkunft des Feuers 155; der Pförtner ist der Himmels- wächter Heimdallr in der Edda oder der treue Eckhart, S. 210. 244; M. 92. ff. 168. 171; die Hunde sind Bilder des Sturms, K. W. I. 36. 142. ff. 347.
Wenn die Erlösung nicht gelingt, offenbar desswegen nicht, weil der Jüngling nicht den dritten Trunk gethan und dadurch den Muth bekommen hat trotz des Tobens der Jungfrau(des Gewitters) auszuharren, so heisst das: das Gewitter ist nicht zu Ende ge- kommen, weil es sich nicht ausgeregnet hat, der blaue Himmel mit den lichten Wolken
¹) Sie besass auch Hollenfels und führte häufig den Vornamen Hildeger.(filde ist ein Name Holda's.) ²) Die drei Sagen finden sich in schöner Ausführung im Rheinischen Antiquarius, Mittelrh. II, 3.


