Aufsatz 
Die Loreleisage II / von Adolf Seyberth
Entstehung
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berg' und 1339 einenGotzo dictus Lorlenberg nach. Der Name war also mittel- rheinisch, und so wird Mathias Merian wol recht behalten, wenn er in der topographia Palatinatus Rheni(1645) S. 11. 62 den Lurlenberg des Marners für die Lurlei hielt. Auf keinen Fall ist an den Bürglenberg zu denken.

Als ganz sicher steht also Folgendes fest: In einer wildschönen Gegend ¹) des engeren Rheinthales erhebt sich in der Nähe von gefährlichen Strudeln die Lorelei. Sie hat ein sehr starkes Echo, und an ihrem oberen Ende erkennt man deutlich das Bild eines Kopfes, den Kopf einer antiken Göttin, sagen die Einen, oder eines lorbergekrönten Imperators ²)(Napoleons), die Andern; das Volk nennt ihn nur den Schiffmannskopf. Unter dem Felsen liegt im Rhein der Nibelungenhort, auf ihm hat sich oft eine schöne Jung- frau gezeigt,wie ein Nebel oder ein Wölkchen, besonders in den Morgenstunden und mit starker, heller Stimme wunderbar schön gesungen ³), aber auch dadurch die Schiffer in's Verderben gelockt. Es finden sich auch Hölen in dem Stein, die Hansel- mannslöcher, darin wohnen die Hanselmänner, von welchen nach einigen das Echo kommen soll; den Eingang dazu nennt man das Lurloch.) An einer andern Stelle zeigt sich eine beckenähnliche Vertiefung, die dadurch entstanden ist, dass der Teufel, als er die Jungfrau verfolgte, sie mit solcher Gewalt an den PFelsen drückte, dass er nachgab, oder, wie Andere sagen, dadurch, dass der h. Georg, welcher die Jungfrau befreite, den

Teufel wider den Felsen warf. Auch die Spur von des Teufels Krallen kann man noch sehen. 5)

Der Gesang Lora's,(der Elbleich, die Musik des Wassers, der Winde und des Donners) ihr Verlocken in den Berg entspricht vollkommen dem in den Holdasagen, die Hanselmänner, die Zwerge sind das Volk Holda's, d. h. ebenfalls ursprünglich Personi- ficationen der Erscheinungen am Wolkenhimmel, sie kommen in den Berg, wie jene selbst. Hier aber führen sie ebenfalls darauf, dass Lora Holda ist. Denn sie wohnt bei ihnen, wie sonst diese. Ueber ähnliche Localitäten mit gleicher Benennung s. K. W. I, 313. 1, 63. 65. I, 165. Sie sind deutlich als Eingänge zur Unterwelt, welche aber erst aus dem Wolkenreiche in das Innere der Erde übertragen und daher zugleich, wie bei den Griechen, Elysium ist, zu erkennen. Wahrscheinlich hat man sich hier die Jungfrau, wie die Kore Persephone, hinabfahrend und hier den Hort hinabgesenkt gedacht. Und so

¹) Wie grossartig gerade hier ein Gewitter erscheint, ist gut geschildert in einer Reisebeschreibung aus dem vorigen Jahrhundert, Reise auf dem Rhein, 1789, p. 131.

²) Die Aehnlichkeit ist so gross, dass sie auf einem Oelbilde des Felsens, welches ich besitze, unver- kennbar ist.

³) Die bezeichneten Ausdrücke hat ein Mann aus dem Volke gebraucht. ) Und darin soll die Zauberin gewohnt haben. Waldbrühl, die Lurleisage 15.

³) Die Angabe von dem Kampf des heiligen Georg mit dem Teufel habe ich von mehreren Personen aus der Gegend.

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