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Theile besprochene Wolkenweltbaum ¹), der in den indogermanischen und semitischen Mythen als der Weltträger, von dem physisches und geistiges Gedeihen ausgeht, ange- sehen wird. Eine besondere Beziehung hat er natürlich zur Wolkengöttin, wie er vom Wolkengotte Yggdrasil, Odin's Träger heisst.— Wenn er nun hier Laustanne genannt wird, wie in den westfälischen Sagen die Weltschlacht vam Läusebrink« stattfindet, so bezweifle ich nicht, dass Laus eine ältere und früh unverständlich gewordene Form von Laura oder von gleicher Bedeutung ist ²). Und das ergibt sich auch aus Folgendem.
Die Bismark'sche Laus.
Südlich von Bismark steht noch der Thurm einer Kirche; das ist die Stelle, wo ehemals die Stadt gestanden haben soll, bis sie im Kriege zerstört wurde und nun ihre jetzige Lage erhalten hat. Der Thurm aber führt weit und breit den Namen der Bis- mark'’schen Laus und wird erzählt, dass man früher zu dieser Kirche mit grossen Opfern- gewallfahrtet sei, und diese seien auch nöthig gewesen, da oben in der Spitze des Thurms eine grosse Laus an einer Kette gelegen, die täglich mehrere Pfund Fleisch ge- fressen.—(Kuhn und Schwarz, norddeutsche Sagen, n. 155.)
In zwei ausführlicheren und wirklich vollständigeren Berichten heisst es, dass das Thier in Gestalt einer Laus, so gross als eine Taube, goldblitzend, in goldener Spange und an goldener Kette aufgehängt gewesen sei, auch die Trümmer der Kirche die„gol- dene oder verwünschte Laus“ genannt würden.—
Ohne Zweifel ist die Sage die Erinnerung an einen Cultus der hier in Taubenge- stalt verehrten Göttin, mit dem das Christenthum noch lange zu kämpfen hatte. Auf die Wolkengöttin führen ausser der Taubengestalt, dem Goldschmuck und dem Beiwort „verwünscht⸗« besonders das Aufhängen an einer Kette. Denn wie Schwartz an vielen
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¹) In Indien heisst er Kalpadruma. Diess wird zwar gewöhnlich»Wunschbaum« übertetzt, und das ist er auch, da er alle Wünsche gewähren soll. Das Wort bedeutet aber eigentlich Weltbaum, und zwar insofern Bestehen und Vergehen dieser Welt an ihn geknüpft ist. Denn kalpa ist ausser seiner ersten Be- deutung»Gesetz« gewöhnlich 1) ein Tag und eine Nacht Brahma's als Dauer der Welt; 2) Vernichtung der Welt, und 3) auch für sich dieser Baum. Das eine Wort drückt also aus, was bei den Semiten die beiden es hachaffim, Lebensbaum, und sidrath almunthahaf, Lotusbaum des Endes,(im Koran, Sure 53) be- zeichnen.— Und wenn der Baum indisch auch vivekakalpalati. Erkenntnissweltbaum, genannt wird, so war bei den Indern der eine Baum, wie im germanischen Norden, Sympol des physischen und geistigen Lebens, während bei den Semiten und Persern ein Baum des Lebens und einer der Erkenntniss vorkommt. Vg. Bohlen ad Bhartrihar. p. 173. 4
²2) Laura kommt von der indogermanischen Wurzel ruk, im Sanscrit und Zend rutsch, europäisch luk, leuchten—(womit das aus Benfey im ersten Theile Angeführte berichtigt ist); Laus kann, wenn es nicht zur Wurzel gehört, die ältere Form sein, ich glaube aber eher, dass es von der erweiterten und grade germanisch häufigen Wurzel, ruhs, luhs, kommt.— Vg. Fick, Wörterb. der indogerm. Sprachen.
S0, aus dem Götter- oder dem, z. B. in Förstemann's Namenbuch vorkommenden, Personennamen Lauso erklären sich dann eine Menge Orts- und Personennamen, die bisher völlig unverständlich waren.


