Aufsatz 
Die Loreleisage II / von Adolf Seyberth
Entstehung
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von Magdalene oder Helene, sondern ebenso oft von Lenore ¹) gemeint hat. Dadurch würde ein in norddeutschen Sagen, die Kuhn bereits auf die Göttin bezogen hat, vor- kommender Name derselben erklärt, während er jenem unverständlich geblieben ist. Da diese Sagen eine nähere Verwandtschaft mit denen von der Lorelei haben, so führe ich sie zum Theil hier an.

Die Lenekensteine.

Hart am Wege, der von Dülseberg nach Markau führt, steht ein grosser Granitblock, welcher der Leneken- oder Brautstein heisst. Den Namen hat er daher erhalten, dass vor langen Jahren in dem Dorfe Dülseberg ein Mädchen Namens Lene wohnte, die von ihrer Mutter gezwungen wurde, einen Bauer aus Markau zu heirathen, den sie durchaus nicht mochte. Allein all ihr Flehen und Weinen half nichts, und sie ward, wie das Sitte ist, in den Brautstuhl gesetzt, und nun fuhr der Brautwagen unter dem Geleite ihrer Verwandten ab. Wie man nun aber in der Nähe von Bonese an die Makauer Grenze kam, und der Fuhrmann sie üblicher Weise fragte, ob sie auch noch Willens sei, weiter zu fahren, oder ob er umkehren solle, da sprang Lene schnell vom Wagen und ver- wünschte sich, dass sie lieber zum Steine werden, als nach Markau gehen wolle. Ihr Wunsch ward erhört, und augenblicklich war sie in den Stein verwandelt; an der dem Wege abgekehrten Seite sieht man noch einen breiten Streifen, das ist das Brautband.

Unweit von Danendorf steht auf einer kleinen Anhöhe ein anderer Granitblock, der ebenfalls den Namen Leneken- oder Brautstein führt und denselben einer gleichen Ur- sache verdanken soll.(Kuhn, märkische Sagen, 34.)

In ähnlichen Sagen von Brautsteinen(K. W. n. 32, c; K. N. 269) findet die Ver- wandlung während eines Gewitters statt, und statt derselben kommt in demselben Zu- sammenhang Versinken im Wasser vor. Daher bemerkt K. W. n. 32, c: da fast alle diese Sagen die Braut zur Ehe gezwungen werden lassen, dazu ferner der Untergang im Wasser kommt, der uns auf die Unterwelt zu weisen pflegt, so vermuthe ich in die- sen Sagen einen dem Raub der Persephone gleichen Mythus; die Verwünschung in Stein mag aus der Verwünschung in den Stein oder Berg hervorgegangen sein, und dazu mögen bei den alten Steindenkmalen gefeierte heilige Gebräuche weiteren Anlass ge-

geben haben ²). Zu Tetschen auf dem Markte steht ein Gebäude, welches jetzt die Gruft der Grafen

von Thun bildet. Dasselbe heisst Lorlei und soll errichtet worden sein zur Erinnerung, dass bei einer grossen Wasserfluth eine Heilige, die, von den Fluthen der Moldau bei Prag ergriffen, unversehrt von denselben fortgetragen ward, hier an s Land gestiegen sei. (Graesse, preussisches Sagenbuch, II, p. 128, Anm.).

¹) Die Verschiedenheit der Formen von Personennamen ist bei denen der Götter besonders gross. Fuik ist z. B. gleich Frea, Waul gleich Wodan. ¹) Die Aehnlichkeit von Lene und Levana, der römischen Kindergöttin, scheint mir nicht zufällig Wus man von der letzteren gewöhnlich sagt, beruht meines Wissens nur auf der[Autorität des Augustinus Ich glaube, dass das Wort eine Form von Lara, der römischen Holda, ist. 2