— 8—
des Lauerbergs) localisiert, der dem Rothenberge gegenüber gelegen, sich so als einer der Götterberge zeigt, die so häufig paarweise als Aufenthalt der beiden höchsten Götter vorkommen.— Die Erzählung lautct: 1 Zu Geisenheim in Kimpels Hofa) diente ein Mädchen beim Vieh, deren Bräutigam war in den Krieg gezogen und liess nichts mehr von sich sehen, noch hören. Darüber war sie in grosser Betrübniss, und als es gar zu lange wurde, sprach sie in der Ver- zweiflung:»Ach, wenn er nur noch einmal käme und mich mitnähme, wenn es auch in den Tod ginge!« Als sie nun eines Abends im Stalle sass und melkte und dabei bitter- lich weinte, kam er auf einem Schimmel an die Thür geritten, nahnm das Mädchen vor sich auf's Pferd und jagte fort durch die Nacht im Mondschein.— Da fragte er sie:
„Der Mond, der scheinet so helle, „Die Toten, die reiten so schnelle; „Feins Liebchen, graut dir?“ Ach nein, ich bin ja bei dir,“ antwortete sie und fürchtete sich nicht. Und so fragte er sie noch mehrmals, und sie
gab dieselbe Antwort.— So ritten sie weit, weit, immer fort, bis sie auf einen Kirchhof kamen voll offener Gräber, davon war eins des Reiters Grab, und darin versank er mit der Braut.— Sie ist aber lange nachher wieder nach Geisenheim gekommen.
Auf die Bedeutsamkeit des Soldaten und des Schimmels brauche ich wol nicht auf- merksam zu machen, dass aber das Mädchen beim Vieh dient und, während sie weinend milkt, geholt wird, werden wenigstens die verstehen, die wissen, dass in der indoger- manischen Mythe Melken der Kühe ein häufiges Bild des Regens ist; und dass Kuhn die ähnliche Bedeutung des Hirten in den Schatzsagen nachgewiesen hat.— Die Angabe von der Rückkunft des Mädchens nach Geisenheim zeigt, wie in dem Liede der Edda, dass nicht das Holen der Lebenden durch den Toten, sondern die schliessliche Wieder- belebung der wesentliche Inhalt des Mythus war, der in den übrigen deutschen Sagen von Lenore sehr verstümmelt ist.—
Lenore heisst englisch Eleanors) und gewöhnlich abgekürzt Ellen. Ich glaube da- her, dass auch im Deutschen das Volk mit der Form Lene nicht immer eine Abkürzung
¹) Ein Lorberg liegt im Siebengebirge unmittelbar über dem Margarethenkreuze, an dem diese Heilige den Drachen überwand— sie tritt häufig an die Stelle der vom Gewitterdrachen verfolgten Wolkenfrau— und im Argau gibt es eine bewaldete Berghöhe, die Löhren, auf deren entgegengesetzten Gipteln die Burgen Ober- und Unterlöhrach gelegen haben sollen. Die eine heisst auch die Rosenburg, von ihr trägt noch der dortige Wald den Namen Rosengarten. Die Rosengärten, z. B. der zu Worms, zu Meran auf Schloss Tirol und am Schlern bei Bozen sind aber, wie sich namentlich aus Alpenburg's Tiroler Sagen ergibt, Holda's Wolkengärten. Es zeigen sich also, scheint mir, auch hier die beiden Wolkengötter mit entsprechenden Na- men. Auch die Bergnamen Lorakopf und Lorena in Baiern haben wol eine solche Bedeutung.
²) Es ist das Schönborn'sche Gebäude, in dem Leibniz längere Zeit wohnte, als er mit dem berühm- ten Mainzer Erzbischof wegen Vereinigung der Confessionen berieth.
) Es wird in einem englischen Lexicon von Webster durch light erklärt, also ähnlich, wie ich Lora
verstehe.


