— f—
Am Morgen ritt Helgi seines Weges.— Sigrun lebte nicht lange mehr vor Harm und Trauer. Es war Glauben im Alterthum, dass Helden wiedergeboren würden.— Von Helgi und Sigrun wird gesagt, dass sie wiedergeboren wären er hiess da Helgi Had- dingia-Held, aber sie Kara, Halfdan's Tochter, so wie gesungen ist in den Karaliedern, und war sie Walküre.«—
Nun ist aber Sigrun nicht bloss Walküre, sondern es wird ihr auch, abgesehen von den sonnigen, südlichen Zähren, welche die goldziere vergiesst, sonst in dem Liede die belebende Kraft zugeschrieben, es berührt sich Helgi so nahe mit Siegfried, der doch of- fenbar ein Gewittergott ist, dass, wenn man die häufige Beziehung der Wiederbelebung auf die Gewitterwesen bedenkt, sich namentlich aus der Darstellung Simrock's ergibt, dass die ursprüngliche Bedeutung des vorliegenden Mythus die Vorgänge am Gevwitter- wolkenhimmel bei der Wiederkehr des Frühlings sind, womit sich die Vorstellung von der Wiedergeburt der Menschen aus den Wolken verband, aus denen sie nach dem all- gemeinen indogermanischen Glauben stammen, in die sie zurückkehren, um verjüngt von Neuem geboren zu werden.— Was können die sonnigen, südlichen Zähren Anderes be- deuten, als den mit dem Südwinde kommenden warmen Regen der goldenen sonnenbe- schienenen Frühlingswolke? Ebenso gut kann diese den männlichen Frühlingsgott in's Leben zurückrufend gedacht werden, als er gewöhnlich die Wolkengöttin erweckend dar- gestellt wird. Im eddischen Mythus von Menglad wird die Ankunft des befreienden Frühlingsgottes durch die verschiedenen Winde angekündigt und vorbereitet; häufig bie- tet ja die weisse Frau selbst den Schlüssel, die Blume, den Trank des Regens, der die Kraft zum Befreiungswerk gibt, dem, der sie erlösen soll; am Meisten aber wird meine Auffassung durch folgende, auch aus andern Gründen merkwürdige Sage bestätigt:
Einst lebte ein mächtiger, der Zauberei kundiger König, Namens Woud, und seine Gemahlin Freid. Sie liess sich, um ihren Gatten zu fesseln, einen kunstreichen Hals- gürtel von Zwergen schmieden, der für jenen, so ihn trug, die Gewalt hatte, alle Herzen zu bezaubern. Doch musste sie ihn theuer erkaufen. Als dies Woud erfuhr, nahm er ihr heimlich bei Nacht das Geschmeide und verliess sie. Jahrelang eilte nun die Un- glückliche ihrem flüchtigen geliebten Gatten nach, und die Thränen, die sie Abends nach fruchtlosem Suchen weinte, wurden zu Perlen. Endlich, als die Zeit um war, fand sie ihn und zeigte ihm die Perlen, die sie um ihn geweint. Es varen ihrer gerad so viel, als Sternchen am Halsgeschmeide. Da wurde er erweicht, gab ihr den Schmuck zurück und nahm sie wieder auf.—(Bavaria, II, 1,235.)
Offenbar führen die Thränen der Frea— dass sie der Regen sind, brauche ich nicht zu sagen— die Vereinigung mit dem Gemahle herbei, wie oben, und es ist un- wesentlich, ob die Trennung durch den Willen des Geliebten oder durch den Tod ein- getreten war.—
Ich will kein Gewicht darauf legen, dass für Kara, als welche Sigrun wieder ge-
boren wird, sich die Lesart Lara findet, aber das scheint mir aus dem Beigebrachten
sich zu ergeben, dass in der deutschen Sage das Mädchen Lora geheissen hat, und es die Wolkengöttin gewesen ist. Bei uns ist die Sage zu Geisenheim und in der Nähe


