Aufsatz 
Die Loreleisage II / von Adolf Seyberth
Entstehung
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Prinzessin IIse.

Auf dem IIsenstein lebte vor langen Jahren ein Ritter, der hatte eine wunderschöne Tochter, Namens IIse, die liebte der Ritter, der auf dem gegenüber liegenden Westerberg wohnte. Damals waren aber die beiden Berge noch nicht durch das dazwischen liegende Thal getrennt. Der Vater der Prinzessin IIse wollte nun aber eine Heirath zwischen den beiden nicht zugeben, und da sich dessenungeachtet beide fast täglich sahen, schlug er, der ein gewaltiger Riese war, die Felsen mitten durch, dass das Thal entstand. Da stürzte sich IIse verzweiflungsvoll hinab in den unten brausenden Fluss und gab ihm den Na- men, und seitdem erscheint sie nun oft in langem weissen Gewande mit breitem schwar- zen Hut, und man heisst sie nur schlechthin die Junfer. In früherer Zeit sah man sie jeden Morgen zu einem Steine bei der zweiten IIsenbrücke hinabsteigen, in dem war eine grosse Vertiefung, in welcher auch beim trockensten Wetter Wasser stand, und darin wusch sie sich. Jetzt ist der Stein aber fortgeschafft, und da erscheint sie denn auch nicht mehr im Thale. Zum letzten Male soll sie sich vor dreihundert Jahren und zwar an einem Himmelfahrtstage haben sehen lassen, darum hat man auch lange Zeit an die- sem Tage dort ein Fest gefeiert, zu dem die Leute weit und breit aus der ganzen Ge- gend zusammen gekommen sind, wobei denn zugleich ein Markt gehalten wurde. Es sind dabei zwei Musikchöre auf dem Ilsenstein und auf dem Westerberg, in dem der verzauberte Prinz sitzt, gezogen, die haben dort schöne Musik gemacht; jetzt aber ist das Fest mehr und mehr in Abnahme gekommen, und man musicirt nur noch an diesem Tage im Gasthofe zu den Forellen. Allgemein aber glaubt man, dass die Prinzessin an einem Himmelfahrtstage gen Himmel fahren werde, und poch vor wenigen Jahren haben die Bauern von Stunde zu Stunde derauf gewartet. Man hält auch in IIseburg den Himmelfahrtstag so heilig, dass man glaubt, wer an ihm etwas nähe oder flicke, der werde vom Blitz erschlagen.(K. N. 176 mit den Anmerkungen und K. W. I,. 306: II, 143.).

Nach Simrock, Rheinland 39, werden die kleineren, aus Tannendielen gezimmerten Schiffe, die man am Rheinfall zu Schaffhausen über Land vorbeiträgt und unterhalb wie- der auf den Strom setzt, Lauertannen genannt.

Schiff ist ein häufiges. Symbol der Wolke, bei Indogermanen und Semiten. M. 37. 38. 366. 466. So war der altgermanischen Ise oder Isis ¹) das Schiff heilig, welches man (liburna figura Tacit. German. c. 9) in ſestlichem Aufzuge über Wasser und Land führte; so fährt Holda mit den Kinderseelen in diesem Geburtsschiffe, aus dem die Kinder zur Erde kommen; so Nehalennia, Verena, Gertrud und Nicolaus(z. B. auf dem Kauber Stadtwappen); so kommt die heilige Ursula mit den Jungfrauen aus Engelland, dem Seelenlande in den Wolken ²) zu Schiff nach Köln; diess ist das Marien- und Muttergottes-,

¹) Dass Tacitus die Göttin mit einem deutschen Namen, dem er nur die römische Form gegeben, ge- nannt und nicht ctwa sie nur als dem Wesen nach mit der ägyptischen Isis identisch habe bezeichnen wol- len, und dass Ise gleich ist Holda, hat Simrock, Mythol. 230. 342. 387. 529. 390 gezeigt.

³) Dass nemlich nicht England gemeint ist, s. bei Simrock, Myth. 408 und M. 367.