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Wenn wir die Bestallungsurkunde des Salman Pletsch mit der von christlichen Arzten aus dieser Zeit, z. B. der des Hans, genannt Wolf, vom Jahre 1381 und der des Hermann von Worms vom Jahre 1393 vergleichen¹), so erkennen wir, daß sie sich inhaltlich völlig ent- sprechen. Nurist der Dienstvertrag mit den Christen ohne jede Zeit- angabe abgeschlossen. Daraus folgt aber keineswegs, daß damit ein Dienstverhältnis auf Lebensdauer gemeint ist, denn am Schluß des Briefes behält sich die Stadt jederzeit das Kündigungsrecht vor-). Beide Arzte erhalten ein geringeres Honorar als Pletsch, Hans Wolf nur 20 Gulden, Hermann von Worms 32 Gulden nebst den 6 Ellen Tuch. Die Eidesformel leisten sie in einer dem christlichen Glauben entsprechenden Form).
Wahrscheinlich ist auch Salman der jüdische Arzt, von dem sich Christen in der ärztlichen Kunst unterrichten ließen. Einen darauf bezüglichen Vertrag aus dem Jahre 1392, in dem Salman Pletsch schon praktizierte¹), haben uns die Gerichtsbücher er- halten?*). Danach sollte eine Kommission von Christen und J uden, „die sich uff ärtztie versteen“, die Höhe des Unterrichtshonorars festsetzen.
Was Salman Pletsch veranlaßt hatte, aus Frankfurt wegzu- ziehen), wissen wir nicht. Jedenfalls waren die Erfahrungen, die der Rat mit diesem Judenarzt gemacht hatte, von der Art, daß er Ende 1398 das Amt eines Stadtarztes wiederum einem Juden, dem bereits erwähnten Isaak, übertrug. Als halben Jahreslohn erhielt er 10 Guldenꝰ).
¹) Beide Verträge befinden sich im Frankfurter Archiv, Mittelgewölbe B 163, Nr. 3 u. 4.
²)„Auch mogen sie mir urlaub geben, wilche tzid sie wollen“, wie im Urkunden- buch S. 200.
³) Nämlich: sie haben in gudin truwen globit und darnach mit mynen uff ge- rachten fingern gein der sonnen zu den heiligen gesworn, stede, veste und unver- brochenlich zu haldene etc. Der Pletsche Dienstbrief wird vom Ritter Rudolf von Sachsenhausen gesiegelt, der Wolfsche von ihm selbst, der Hermannsche vom Richter (Polizeibeamten) Jakob Neuhaus.
4) Siehe die Klage des Stangenträgers gegen ihn in Gerichtsbuch 1392, im Urkunden- buch S. 780.
⁵) Ich gebe den Wortlaut dieser interessanten Entscheidung aus den Gerichts- büchern(Urkundenbuch S. 782) wieder:„Item presentibus quattuor(nämlich Schöffen) hant mit urtel gewiset, daz Longmus und der juddenartz sollen nemen cristen und judden, die sich uff artztie versten, und waz die dunckit, daz Longmus dem judden vor sine kunst und arbeid dun sulle, daz gotelich, redelich und bescheidenlich sy, daz sulle er ym geben und sollent beide daran ein gnugen han.“
⁶) 1395 war er noch in Frankfurt, das Bedebuch von diesem Jahre(siehe Urkunden- buch S. 298) erwähnt einen Salman als Judenarzt.
7) Rechenbuch vom 11. Januar 1399(Urkundenbuch, S. 283). Offenbar ist dieser Isaak derselbe, den Lersner in seiner Chronik(Buch II, Kap. XVI) unter medici ordinarii mit„Isaak Friedrich, der Jud“ bezeichnet; doch setzt er ihn fälschlich ins Jahr 1388. Stricker in seiner Geschichte der Heilkunde in Frankfurt a. M., S. 68, ist Lersner gefolgt. wie schon früher Schudt, II, S. 400, und Kirchner, I, 459.


