Aufsatz 
Aus der inneren Geschichte der Juden Frankfurts im XIV. Jahrhundert : (Judengasse, Handel und sonstige Berufe) / vom Oberlehrer I. Kracauer
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Jahre 1376 jüdische Arztewegen der vielen Dienste, die sie den Bürgern täglich durch ihre ärztliche Kunst erweisen, von jeder Steuer und Abgabe, sowie vom Tragen des Judenzeichens¹). Papst Bonifazius X. nimmt sogar den verdienstvollen Judenarzt Angelus 1392 unter die päpstlichen Arzte und Hausgenossen auf:).

Und wie in Rom, in ganz Italien und in anderen Ländern, so haben auch in Deutschland die höchsten weltlichen und geist- lichen Behörden sich mit Vorliebe jüdischer Arzte bedient und ihnen ihr volles Vertrauen zugewandt. Der Rat der Stadt Frankfurt hat, wie wir gleich erfahren werden, darin keine Ausnahme gemacht.

Wann zuerst sich ein jüdischer Arzt in Frankfurt niedergelassen hat, können wir nicht mehr ermitteln, jedenfalls erst sehr spät, nicht vor dem XIV. Jahrhundert. Um die Mitte des XIII. Jahrhunderts, also zu einer Zeit, wo die Gemeinde über 200 Seelen zühlte, befand sich kein jüdischer Arzt in ihrer Mitte, denn das Martyrologium des Jahres 1241, das uns die in der ersten Judenschlacht Hin- gemordeten genau mit Namen und Beruf angibt, erwähnt unter ihnen keinen Arzt.

Als solcher wird zuerst in unseren Quellen Isaac(Ysaak) ge- nannt. Im Gerichtsbuch 1345²) heißt er medicus judeorum, in dem des Jahres 1347) nur arzit. Der zweiten Judenschlacht im Jahre 1349 ist auch er zum Opfer gefallen.

Vierzehn Jahre später⁰), nachdem den Juden der Aufenthalt in Frankfurt wieder gestattet worden war, also im Jahre 1363, zieht dorthin Meister Jakob, gewöhnlich mit dem Beinamen Judenarzt). Seinen Beruf übte er auch unter Christen aus, und zwar auch außer- halb Frankfurts. Er muß einen gewissen Ruf genossen haben, denn als der Herr von Falkenstein erkrankte, erbat er ihn sich vom Rate, und dieser schickte ihn unter städtischem Geleite auf die Burg').

¹) Siehe Moritz Stern, Urkundliche Beiträge über die Stellung der Päpste zu den Juden, Heft 1, S. 14:... judei cirurgici in eorum arte peritissimi, qui cotidie Romanis civibus fecerunt et faciunt multa servitia et sunt in Urbe utilissimi usw.

2)... te in nostrum.. medicum et familiarem recipimus et aliorum medicorum et familiarium nostrorum.. numero aggregamus; J. c. S. 17. Siehe auch Carmoly, Histoire des médecins juifs anciens et modernes Tome premier; Vogelstein und Rieger, Geschichte der Juden in Rom.

³) Siehe Urkundenbuch S. 410.

4) L. c., S. 429.

) Die Vermutung Kriegks(Deutsches Bürgertum, S. 34), daß der Arzt Jakob von Basel, den das Bedebuch 1358 erwähnt, ein Jude gewesen sei, ist schon deshalb hinfällig, weil um diese Zeit noch keine Juden in Frankfurt weilten. Horovitz, Jüdische Arzte in Frankfurt a. M., S. 5, Anm. 1, pflichtet ihm bei und bemerkt noch, daß er,wie viele jüdische Arzte und Arztinnen nach ihm, außerhalb der Judengasse wohnte. Dies trifft aber für die jüdischen Arzte in Frankfurt nicht zu; unsere Quellen erwähnen nichts hierüber, wohl aber, daß Gesuche der jüdischen Arzte, außerhalb der Judengasse wohnen zu dürfen, vom Rat abschlägig beschieden wurden.

) Siehe die Rechenbücher von 1363 ab.

7⁷) Rechenbuch 1376 vom 12. Januar, siehe Urkundenbuch S. 246.