Aufsatz 
Aus der inneren Geschichte der Juden Frankfurts im XIV. Jahrhundert : (Judengasse, Handel und sonstige Berufe) / vom Oberlehrer I. Kracauer
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voller Spekulationsartikel. Gar mancher Frankfurter war durch den Gewinn, den der Handel mit Wein abwarf, zu einem reichen Manne geworden¹). Besonders zu Meßzeiten war bei günstiger Marktlage ein großer Gewinn damit zu erzielen. Also auch hier das Bestreben, sich vom Trödel zum Handelsgeschäft aufzuschwingen.

Ob sich damals noch die Frankfurter Juden am Export des heimischen und vorzüglich des elsässischen Weines, der zu Schiff von Straßburg nach Frankfurt kam), beteiligten aus Hoffmanns öfters zitiertem Werke wissen wir, wie stark die Juden im früheren Mittelalter noch bis ins XIII. Jahrhundert hinein am Weinexport interessiert waren lasse ich bei dem Fehlen von Nachrichten darüber dahingestellt).

Außer den bereits erwähnten Handelszweigen kommt auch der Tuchhandel der Frankfurter Juden in Betracht. Frankfurter Tuche waren am Ende des Mittelalters stark verlangte Ware, die tief nach Polen, Ungarn, Italien ausgeführt wurde4). Tuche waren nach Aus- weis der Gerichtsbücher die Hauptpfandobjektes). Man sehe nur, was Richard von Winden seinen Gläubigern alles als Pfand gibt! Dem Mose von Miltenberg 2 Mechelnsche Tuche für ein Darlehen von 60 Gulden, dem Vater des Mose Löwensche und Diemsche Tuche für ein Darlehen von 120 Gulden. Dem Liebermann von Linnich hat derselbe Richard von Winden 10 Mechelnsche Tuche, jedes im Werte von 20 Gulden, dem Süßkind von Weinheim gar 20 Tuche zur Sicherheit gegeben*). Hier und auch sonst) handelt es sich um große Tuchposten.

Die Frankfurter Juden nahmen Tuche äußerst gern als Pfän- der, denn wenn sie auch in gewöhnlichen Zeiten nicht viel Gelegen- heit hatten, sie vorteilhaft zu veräußern, so doch zur Zeit der beiden Messen,in der messe fryheit, so allermenniglichen erlaubt ist zu kauffen und zu verkauffen. Noch besaßen sie im XIV. Jahrhundert das Recht, wie sie auch in einer Eingabe aus viel späterer Zeit an den Rat hervorhebens), das Gewand während der Messe mit der Elle zu messen und zu verkaufen. In späterer Zeit durften sie das Tuch

¹) Dietz(Frankfurter Handel, S. 165) nennt an erster Stelle Bruno von Braunfels, den Erbauer des Braunfels,eines Wahrzeichens vergangener Handelsherrlichkeit. Auch in unserem Urkundenbuch wird er öfters erwähnt.

2) Dietz, l. c.

a) Doch siehe hierüber Berliner, Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittel- alter, S. 75 ff. u. S. 133.

4) Über den Frankfurter Tuchhandel siehe Dietz, Frankfurter Handel, S. 155, 175/76, 179 und Dietz, I. c.

5) Siehe Urkundenbuch S. 186, 343, 355, 358, 365, 366, 367, 407, 427, 483, 494, 510, 531, 536, 541, 542, 544, 548, 602, 607, 729, 768, 773, 789, 750, 850 ff.

6) Siehe Urkundenbuch S. 186, Nr. 404.

7) So auf S. 367 des Urkundenbuches.

³) Siehe Bücher, I. c., S. 584 und Anm. 1.

Kracauer, Innere Geschiehte der Juden Frankfurts. 3