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Wenn wir zusammenfassen, was unsere Quellen über die Lage und den Umfang des damaligen Judenquartiers aussagen— es ist erheblich mehr, als für den ersten Zeitabschnitt— so kommen wir zu folgendem Ergebnis:
Wie früher, waren auch jetzt die Juden gesetzlich nicht auf einen bestimmten Teil der Stadt beschränkt; sie durften überall wohnen, wenn sie auch aus leicht begreiflichen Gründen gern nahe bei einander saßen und die Gegend am Main bevorzugten. Bis in die achtziger Jahre des XIV. Jahrhunderts saßen die Juden besonders in der östlichen Saalgasse, ferner um den Lower(Löher)hof, später in ihm selbst und unweit des Komp(Färber)hauses, sodann im südöstlichen Teil der Fahrgasse. So lag das Haus„gegenüber Neu-Falkenstein“, das ebenfalls ausdrücklich als Judenhaus auf- gezählt wird, Ecke Fahr- und Predigergasse; ferner wohnten Juden gegenüber dem Hause Stolzenbergi¹), dann im Roseneck und im Rosenbusch, also in Häusern, die ihre alten Namen bis heute be- wahrt haben. Aber in den beiden letzten Jahrzehnten des Jahr- hunderts rücken sie immer weiter nach Osten; sie beziehen, wie ich bereits früher erwähnte, den dem Domkapitel gehörenden Fronhof und den Arnsburger Hof. Beide Höfe waren wohl deshalb von den Juden gesucht, weil sie gewissermaßen kleine Festungen in der Stadt bildeten; durch Tore von ihr abgesperrt, boten sie in stür- mischen Zeiten besseren Schutz. Auffallend viele Juden siedeln sich im Beginn der neunziger Jahre im Fischerfeld an, 1391 nicht weniger als sieben, von denen aber nur zwei den Hauszins entrichten ¹).
Einige Juden wohnten aber ganz entlegen. So erfahren wir von einem Seligmann, der in der Neustadt²), und von einem Mose, der in der Niederstadt*) am Goldnen Turm saß. 8
Etwas näher zu seinen übrigen Glaubensgenossen wohnte Simon von Seligenstadt. Das Insatzbuch des Jahres 1361 4) bemerkt von ihm, daß er zu Steinen-Wonnenberg gesessen sei, also in der Schnurgasse 43(Ecke Kruggasse)*). Auch Lersnere) und Battonn geben einige Angaben über Judenhäuser, die ich der Vollständig-
¹) Bedebuch 1391, fol. 65 b bis 66a; Bedebuch 1392, fol. 60 b und 61 a. Leider sind die Listen für 1396— 1399 unvollständig geführt, die für die Oberstadt 1400 fehlt ganz(siehe Urkundenbuch S. 296ff.).
²) Die Altstadt(antiquum oppidum)— also die Stadt bis zur zweiten Stadterweite- rung 1333— zerfiel in den oberen und den unteren Teil. Der Straßenzug von der Lieb- frauenkirche über dem Römer bis zum Fahrtor bildete die Scheidungslinie. Auch die Neustadt zerfiel in 2 Teile, die durch die Straßen von der Eschersheimer bis zur Kathri- nenpforte von einander getrennt waren. Battonn I, S. 130.
³) Bedebuch Niederstadt 1392, fol. 12 b(Urkundenbuch S. 297). Der genannte Turm findet sich auf dem Belagerungsplan von 1552 hinter der Weißadlergasse, zwischen dem großen und dem kleinen Hirschgraben(Battonn I, S. 86).
⁴¹) Urkundenbuch Nr. 183, S. 75..
⁵) Siehe Battonn III, S. 40.
⁴) Chronik II, 3, 8, 28.
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