Aufsatz 
Aus der inneren Geschichte der Juden Frankfurts im XIV. Jahrhundert : (Judengasse, Handel und sonstige Berufe) / vom Oberlehrer I. Kracauer
Einzelbild herunterladen

17

gezogen war, um ein Beträchtliches kleiner geworden. Nur ein Teil der Hofstätten war wieder bebaut, hier wohnten jetzt der Bierbrauer Heinz, der Handschuhmacher Heinz, der hochangesehene Bürger Johann von Holzhausen, der anscheinend mehrere Häuser daselbst hatte bauen lassen, ferner Gerhard Rosenbusch, Johann Gertner, Johann Hochhus und andere¹). Auf einer Hofstätte hatte die Stadt die öffentliche Wage errichtet.

Dazwischen gab es noch manchen wüsten Fleck, von dem der Schutt nicht weggeräumt war, da der Rat wohl erst den Ausgang des damals noch nicht zum Abschluß gekommenen Prozesses ab- warten wollte. So stieß man beim Passieren des Judenquartiers Schritt und Tritt auf Hindernisse; erst im folgenden Jahr wurde es für den Verkehr wegsam gemacht:).

Nur eine recht bescheidene Anzahl von Juden wagte sich an- fangs in die Stadt, im ganzen acht. Die Hoffnung des Rates auf baldigen stärkeren Zuzug erfüllte sich einstweilen nicht, im Gegenteil, das nächste Jahr zogen drei Juden wieder ab, wofür nur Jakob von Miltenberg eintrat. Es war augenscheinlich, den Juden erschien Frankfurt trotz seiner Bedeutung als Meßplatz nicht begehrenswert zu dauerndem Aufenthalt. Erst mit Beginn der siebziger Jahre nimmt nach Ausweis der Rechen- bücher die Zahl der Haushaltungen zu*). Aber nirgends findet sich darin die Buchführung entspricht allerdings nicht den Anforderungen moderner Genauigkeit, ein Vermerk, daß neu zugezogene Juden sich vom Rat Hofstätten erworben hätten. Offenbar gebot ihnen die Vorsicht, sich nicht durch den Bau eigener Häuser zu sehr an die Stadt zu fesseln. Denn noch hielten sie mit Recht die Zustände für zu unsicher. Ihr Aufenthalt in Frankfurt war nur auf Widerruf des Kaisers gestattet; auch währte der Zwist zwischen dem Rate und den Zünften noch immer, und deren den Juden wenig geneigte Gesinnung war bekannt. Sie zogen es deshalb vor, als Mieter zu wohnen. Ausdrücklich bemerkt das Bedebuch des Jahres 1362), daß der reiche Simon von Miltenberg in dem Hause des Johann von Wetzlar im Fürstenberg wohne und den

¹) Diese Besitzer ergeben sich aus den Rechenbüchern und der Vergleichsurkunde zwischen dem Rat und dem Domkapitel. Während bis 1361 der Verkauf der Judenplätze nur spärlich erfolgte, nahm er in diesem Jahre einen reißenden Fortgang. Nach dem Rechenbuch 1361, fol. 11 a(Urkundenbuch S. 220 ff.) und fol. 17 b erhielt die Stadt für 2Judenfleckin von Johann Hochhus 324%, von den Schuhmachern 160 x%, von Johann v. Holzhausen 90 Mark, von Wernher Vechir 6 Mark. Der Gesamterlös betrug 1361 von judenflecken und andern gefelle 608 ½ 2(Rechenbuch fol. 56 b und 59 b).

¹) Siehe Bawbuch de anno 1361; eine Reihe von Posten finden sich hier unter der Rubrikden weg zu machene undern juden. Die Kosten für die völlige Herstellung der Gasse beliefen sich auf 375 ½ 2756. Frankfurter Stadtarchiv E 17, Nr. 2.

³) Siehe Bücher S. 549, Tabelle XXXV. Judensteuer 1360 1500.

4⁴) Bedebuch Oberstadt II, 22(Urkundenbuch S. 291). UÜber das Haus Fürstenberg (Fürsteneck) siehe Battonn II, 65, und III, 215 ff.

Kracauer, Innere Geschichte der Juden Frankfurts. 2