Aufsatz 
Aus der inneren Geschichte der Juden Frankfurts im XIV. Jahrhundert : (Judengasse, Handel und sonstige Berufe) / vom Oberlehrer I. Kracauer
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erhaltenen Friedhofmauer. Er fand auf dem heutigen Weckmarkt Substruktionen verschiedener, zweifellos mittelalterlicher Gebäude. Uns interessieren in erster Reihe diejenigen, die im Ubersichts- plan mit m und n bezeichnet sind. Sie sind Reste des ältesten, am weitesten nach Norden vorgeschobenen Teils des Judenquartiers, die gefundenen Fundierungen... mit den sie überliegenden Schich- tungen von Abbruch- und Aufbaumaterial sprechen nach Thomas deutlich dafür. Demnach war die Südfront der nördlichen Häuser- reihe etwas weniger als 10 m vom Leinwandhaus entfernt; im Westen stieß sie auf das in unsern Urkunden öfters erwähnte Haus zum kleinen Affen, das die Affengasse im Süden abschloß(siehe Ubersichtsplan) ¹). Im Osten erstreckte sie sich bis zur heute noch erhaltenen Mehlwage, also bis zur Fahrgasse. Die Breite der äl- testen Judengasse läßt sich nicht mehr sicher feststellen, da die Anlage des neuen Kanals, der Wasserleitungs- und Gasröhren usw. die Bodenverhältnisse völlig verändert haben. Jedenfalls war die Gasse sehr schmal, wohl wenig über 2 m breit. Die jetzige Front des Leinwandhauses durchschneidet die Hausreste der südlichen Seite.

Bemerkenswert ist, daß die Häuser oder vielmehr Häuschen nicht in einer Bauflucht lagen und nicht aneinanderstießen, sondern daß zwischen den einzelnen Gebäuden ein allerdings sehr schmaler Zwischenraum war. Die einzelnen Bauplätze waren unregelmäßig hofartig verbaut. In unmittelbarer Nachbarschaft dieser Häuser, auf deren Fundamente Thomas gestoßen war, dicht beim Main oder am Flusse selbst,in der besten Gegend der Stadt, wie Johann Latomus bemerkt²), waren die weiteren Wohnsitze der Juden. Hier herrschte der regste Verkehr, ein fortwährendes Gehen und Kommen. Uber die Fahrgasse strömten die von Norden und Süden kommenden Scharen; der breite Fluß, belebt durch Last- schiffe aller Art, wirkte mächtig fördernd auf den Handel zu einer Zeit, wo es an Fahrstraßen mangelte oder diese wegen der auf ihnen herrschenden Unsicherheit möglichst gemieden wurden. An Sonn- und Festtagen aber wallten die Frommen nach dem nur wenige Schritte vom Judenquartier entfernten Dom in die Kirch- messen zu Ehren des heiligen Bartholomäus. Die in diesen Fest- zeiten unweit der Kirche errichteten Kaufbuden, später die daraus

¹) Diese Gasse existierte am Ende des XVI. Jahrhunderts nicht mehr, näheres bei Battonn III, S. 323.

2)... tunc ljudei] optimam partem civitatis inhabitabant. Frankfurter Chroniken und annalistische Aufzeichnungen des Mittelalters von Froning, S. 25, und Anonymus, L. c. S. 146, intelligentes, Judeos in optimo loci situ habitantes. Dies empfanden auch nach Latomus die Geißlerscharen, als sie 1349 in die Stadt eindrangen, alseine Verachtung des Herrn und metzelten deshalb, um ihn zu rächen, die Juden nieder(Kracauer, Politische Geschichte der Juden, S. 40).