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erwachsenden Messen, boten den Juden Gelegenheit zu reichlichem Verdienst¹).
Wie sich auf dem unweit des Domes befindlichen Markt, der damals die Krämergasse hieß(vicus institorum), das kaufmännische Leben konzentrierte, so spielte sich auch das politische Leben der Stadt im Judenquartier ab. Hier befanden sich ja das Rathaus, die Münze, das Komphaus(Haus der Färber) und dicht an der Synagoge der Loher(Lower) Hof, der den Lohgerbern gehörte und wohl ihr Versammlungsort war. Hier besaß der Erzbischof Mathias von Mainz einen Hof, dessen Einkünfte er dem Ritter von Cronberg verkaufte.
Der Ausdruck„Judengasse“ in unseren Quellen(strata judeo- rum, vicus judeorum) für diese ältesten Wohnsitze der Juden ist also nicht im Sinne einer Zwangswohnstätte aufzufassen, die aus- schließlich ihnen reserviert war. Es war durchaus freier Wille der Juden, daß sie sich gerade hier niederließen; es stand ihnen frei, sich auf andere Stadtteile auszudehnen. So besaßen die Frankfurter Juden eine viel größere Bewegungsfreiheit als die Juden anderer Reichsstädte, wie z. B. Cölns. Dort saßen sie in einem be- sonderen Viertel, das damals schon gegen die Stadt abgesperrt war. Die Schlüssel zu den Toren der Gasse waren in den Händen des Stadtboten, der sie bei Sonnenuntergang zu schließen und bei Sonnenaufgang, bei der frühen Prime, wieder zu öffnen hatte, wofür ihm die Juden jährlich 20 Mark bezahlen mußten).
Ebenso wohnten die Juden von Regensburg in einem besonderen, durch drei große und drei kleine Tore gegen die übrige Stadt ab- gesperrten Viertel, das, wenigstens im XV. Jahrhundert, jeden Abend verschlossen und jeden Morgen geöffnet wurdes).
In Frankfurt aber, wo die Juden, wie wir wissen, im Zentrum des städtischen Verkehrs gesessen waren, wohnten Christen aller Stände mitten unter ihnen, ohne daß es als etwas Besonderes, Außergewöhnliches angesehen wurde. Nicht nur Handwerker treffen wir hier, verschiedene Schuhmacher, wie Johann und Hanemann, desgleichen Kürschner usw., sondern auch die angesehensten Bürger der Stadt haben hier Häuser, so Johann von Holzhausen der Alteste, Jakob Clobelauch, Dudeman, genannt Rosenbusch, der Stadtschreiber usw. Ja es war nichts Seltenes, daß Juden als Mieter bei Christen wohnten, wie uns dies vom Judenarzt Jakob
¹) Siehe auch Kriegk, Geschichte und Lage der Frankfurter Juden im Mittelalter in Frankfurter Bürgerzwiste usw., S. 441. Er macht auch noch auf einen anderen Grund aufmerksam, der die Juden die Nähe des Mains als Aufenthalt wählen ließ, da sie für ihre religiös vorgeschriebenen Bäder des Flußwassers bedurften, I. c., S. 442 und Anm. 2.
¹) Nach Stobbe, Die Juden in Deutschland während des Mittelsalters, S. 14; Gengler, Die Stadtrechtsaltertümer, S. 99ff.
²) Stobbe, I. c., S. 80.


