eine tiefe empfindung, ein entschiedener wille und ein mit sich selbst einiges bewusstsein spricht sich überall in unserem gedichte auf ungesuchte, man kann sagen unwillkürliehe weise aus. wenn überhaupt, wie die geschichte und erfahrung lehrt, eine solche einfache entschiedenheit, wenn ein heldencharakter am geeignetsten ist, das evangelium aufzu- nehmen und sich demselben ganz und ungetheilt hinzugeben, während die feigheit, die schwäche, die unentschiedenheit und doppelseitigkeit, die berechnende vorsicht und die schlauheit niemals innerlich und niemals ganz zu dem evangelium gelangen, so liefert unser gedicht einen nicht unerheblichen beleg für diese dem deutschen sinne varzugsweise zuzusprechende befähigung für die aufnahme, bewahrung und verbreitung des evangeliums: die volleste entschiedenheit der gesiunung, die vollste stärke der neigung lässt unser dichter dem evangelium zu gute kommen, die volleste stärke des hasses, wie sie im deutschen herzen liegen konnte, wendet er gegen die feinde Christi und seines evange- liums. zeugnis für den tief innerlichen kräftigen charakter des volkes und für die fähigkeit, tief und stark zu empfinden, geben schon die oft wiederkehrenden und häuſig durch stehende alliteration als volksmässige und altepische gekennzeichneten ausdrücke wie briostgithaht, briosthugi, mödgithaht, mödsebo, mödiwillio u. a., in welchen allen noch zu- gleich das leibliche element der innern bewegung sichtbar ist, namentlich muss bei mod in anschlag gebracht werden, dass dieses wort, dem SX/i Homers vergleichbar, die zugleich geistige und leibliche aufregung, die aufwallung bezeichnet, so dass mödag auch von den empörten wellen gesagt Wird, und, wie ags., vom menschen gebraucht, ungefähr das bezeichnet, was wir durch zornig ausdrücken. eben dahin gehören die zahlreichen und schönen ausdrücke für den auch als leibesschmerz erscheinenden seelenschmerz Zz. b. môdkara, herlcara, mödthraca, Karon endi kumien, wöpan, hiofan, tregan, griolan, gornon, mornian; hrewan, iamarmöd, iamarhugi, sérag, sodann ausser blödaga trahnon und héte trahnon(von welchen wir den ersten ausdruck noch jetzt als phrase brauchen, aber in der zeit der starken, freilich auch ungebändigten und wilden empfindung, die leib und seele in gleicher weise ergriff, war er sicherlich mehr als phrase) auch torna trahnon 165³4.. nächstdem müssen besonders hervorgehoben werden ausdrücke wie hugi- derbi, starkmöd(das umgekehrte compositum mödstark bedeutet: in seiner aufregung verharrend, pertinax) u. a., vor allem aber das adjectivum feraht, welches ein staetes beiwort für hugi(mens) ist, und, von ferah, mhd. verch(vita) abgeleitet, bedeutet: dem innersten, leiblich- geistigen leben angehörig und gemäss, gesund-verständig, weise, klug, fromm (welches gesunde naturleben, welche einfache wahrhaftigkeit setzt die existenz und der gebrauch dieses einen wortes voraus!); sodann die redensarten herta herdian 3111(vgl. hard mod 72 ¹11 von der bereitung zum kampfe, harda hugiskefti 751, welches keineswegs in unserm heutigen sinne abstract tropisch zu fassen ist: es ist das dem kampfe gegen- überstehende, das feindliche, widerstand leistende herz), herta sterkean 214; 1545(vgl.
Aufsatz
Deutsche Altertümer im Hêliand als Einkleidung der evangelischen Geschichte : Beiträge zur erklärung des altsächsischen Hêliand und zur innern geschichte der einführung des Christentums in Deutschland / von A. F. C. Vilmar
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