Aufsatz 
Deutsche Altertümer im Hêliand als Einkleidung der evangelischen Geschichte : Beiträge zur erklärung des altsächsischen Hêliand und zur innern geschichte der einführung des Christentums in Deutschland / von A. F. C. Vilmar
Entstehung
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die feldfrüchte geartorhte gife genannt, gaben welche in der sonnenhellen zeit des jahres empfangen werden; die mondphasen aber werden Héèl. 1117 darch lidi bezeichnet, wie tidi überhaupt am liebsten von bestimten feierlichen zeiten gebraucht wird. alles diess zusammen führt zu der dringenden vermutung, dass torht lécan, torohta tid und behrte giscapu dasselbe oder ganz nahe verwandtes ausdrücken mögen: es sind helle himmlische zeichen, vor allem der mondwechsel, neumond und vollmond(vgl. Grimm Myth. 671 folg.), sodann der sonnenlauf(sommersonnenwende), sonnenblicke, regenbogen, blitze, durch welche sich die götter den im heiligen hain, an der opferstätte wartenden offenbarten, und wodurch die zukunft bestimt, ein beschluss vermittelt wurde; in worte gefasst, sind diese göttlichen offenbarungen orakelsprüche, von dem zeichendeuter oder priester etwa mit der formel eingeleitet: huat ik iu torhtes gitellien(gitogien) mag. dieser einfache naturcultus der heidnischen zeit wird nun in aller unbefangenheit auf die geschichte der offenbarung übertragen: die glänzenden erscheinungen der engel mit ihren botschaften von Gottes gnadeureichen ratschlüssen sind die berhtun giscapu, welche ehedem als helle sonnenblicke durch das dunkel des heiligen hains geleuchtet und die herzen des wartenden volkes zu froher erwartung und freudigem mute erhoben hatten; die von Gott geordneten zeiten des lehramts und des opfertodes des erlösers sind die torohton tidi, vollmond und sommersonnenwende, in welchen die grossen volksversammlungen, die beratungen, die gerichte statt gefunden hatten und noch fortwährend statt fanden, denen sich niemand entziehen durfte und durch welche die grossen, völkerbewegenden ereignisse, die heeres- züge, schlachten und siege vermittelt wurden. ist doch in eine solche torohta tid, in die sommersonnenwende, der tag Johannis des täufers, in die andere, die wintersonnen- wende, das geburtsfest Christi verlegt worden; fallen doch in die sonnenwende und später in die den maitagen und der sommersonnenwende gleich nahe liegenden pfingsten die grossen hofhaltungen der heldensage wie der thiersage, dieselben, die sich noch heute in den himmelfart- und pfingstenauszügen der landleute wiederholen; sind doch die oster- und johannisfeuer gewissermassen solche torhtu técan, ja ist doch der ganze noch heute bestehende mondaberglaube(dass man bei neumond dieses, bei vollmond jenes geschäft unternehmen müsse) nichts anders als das abwarten der torohteon tidio. so werden denn auch Christi lehren als ausdeutungen himmlischer zeichen, göttlicher thatsachen und manifestationen behandelt, und in diesem sinne torht genannt; hiermit aber befinden wir uns bereits, wenn schon ausgegangen von heidnischen theophanieen, mitten in den eigensten christlichen vorstellungen: so wie jener priester nur das ausdeutete, was alle sahen, so ist des heilands lchre nur der abdruck und abglanz seines wesens.

Dass wir jenes torht(ahd. zoraht) als ein eigentliches cultuswort, eine formula solennis, anzusehen haben, lehrt ausser den angeführten stellen des Héliand sehr bestimmt auch der angelsächsische Caedmon: die gefallenen engel werden 4²³ ihrer orhlra lire