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Mars und Jupiter ſeien,„wobei wir allerdings ganz im Unklaren bleiben, durch welche Verhältniſſe oder Vorgänge dieſer Planet zertrümmert und in einzelne Stücke aufgelöſt worden ſei.“
Es kann hier nur Aufgabe ſein, zu zeigen, wie auf verſchiedenen Wegen die entgegengeſetzteſten Ziele erreicht werden. Jeder wird nach genauerem Studium der Quellen ſich ſeine Anſicht für und gegen ſelbſtändig bilden können; zu welchem Reſultat er dabei kommt iſt einerlei bei der Erwägung der weiteren Frage, ob dieſe Körper nach und nach ganz zertrümmert wurden, oder ob noch Reſte davon vor⸗ handen ſind.
Vorerſt läßt ſich darauf gar keine Antwort geben, ſicher nur iſt, daß eine unendliche Zahl ſolcher Trümmer in unſerem Sonnenſyſtem mitkreiſen, ohne daß wir ſie wahrnehmen können. Sie ſind zu klein, um wie die Planeten Sonnenlicht zur Erde zu reflectiren, auch zu klein, um auf die Bahnen größerer planetariſcher Maſſen ſtörend einzuwirken. Dagegen müſſen größere Planeten die Bahnen der Trümmer weſentlich beeinfluſſen.
Nachdem dieſe, wer weiß wie lang, ihren Weg durch den Himmelsraum innerhalb unſeres Sonnen⸗ ſyſtems zurückgelegt, ſchneidet ſich dieſer einmal mit der Erdbahn, ſie treten mit planetariſcher Geſchwin⸗ digkeit in die Erdatmoſphäre ein und bilden nun eine Feuerkugel. Diejenige vom 30. Jan. 1868, welche den erwähnten Steinregen von Pultusk veranlaßte, wurde nach Berechnungen von Galle in einer Höhe von 24 Meilen über der Erde zuerſt beobachtet und zerplatzte in einer Höhe von 5,6 Meilen. Sie legte dabei einen Weg von 25 Meilen in 6,7 Secunden zurück, ſie hatte alſo eine Geſchwindigkeit von 3,7 Meilen. Wird aber die gleichzeitige Bewegung der Erde mit berückſichtigt, ſo ergiebt ſich eine abſolute Geſchwindigkeit von 7,57 g. M. in 1 Secunde. Aehnliche Ergebniſſe erhielt man bei zahlreichen anderen Feuerkugeln, bei welchen genügend zahlreiche und genaue Beobachtungen von verſchiedenen Orten vorlagen, um zuverläſſige Berechnungen darauf gründen zu können.
Bei dieſem raſchen Flug durch die Atmoſphäre wird dieſelbe vor der feſten Maſſe aufs ſtärkſte verdichtet, während hinter derſelben ein luftleerer Raum entſtehen muß, in welche die Luft von der Seite wieder hineinſtürzt. Die Bewegung muß durch den Widerſtand immer mehr verlangſamt, ſie muß in Wärme und Licht umgeſetzt werden. Zugleich entſtehen die Schallerſcheinungen, die längere Zeit bedürfen, um bis zur Erde zu gelangen. Die außerordentliche Verdünnung der Atmoſphäre in der Höhe der Feuerkugeln kann kein Bedenken erregen; denn nach den Berechnungen von Reinh. v. Reichenbach, Schiaparelli u. A. muß ſchon bei einem Minimum von Luftdruck, von dem wir uns kaum eine Vor⸗ ſtellung machen können, die kosmiſche Bewegung ſehr bedeutend gehemmt und eine außerordentlich ſtarke Wärme entwickelt werden. Zuletzt haben„dieſe Körper bei ihrem Durchgang durch die Atmoſphäre gleich⸗ ſam alle ihre kosmiſche Geſchwindigkeit verloren; diejenige mit welcher ſie niederfallen, rührt hauptſächlich von der Einwirkung der Schwere her, welche gerade dann erſt anfängt ſich bemerklich zu machen, wenn die kosmiſche Geſchwindigkeit faſt zerſtört iſt; dies kann in wenigen Secunden geſchehen ³¹).“
Während der Bahn in der Feuerkugel bildet ſich die Schmelzrinde und der Schweif. Die eigen⸗ thümlichen Vertiefungen auf der Oberfläche der Meteoriten, beſonders der Eiſenmaſſen, die oft mit Fingereindrücken verglichen wurden, kommen nach Unterſuchungen von Daubree ebenfalls von dem koloſ⸗ ſalen Luftdruck auf die Oberfläche her und haben die größte Aehnlichkeit mit Vertiefungen an metallenen Geſchoſſen und Stahlplatten, welche den Verbrennungsgaſen von Schießpulver und Dynamit ausgeſetzt waren.
Nur in ſehr ſeltenen Fällen iſt eine große Feuerkugel teleſkopiſch beobachtet worden. Schmidt in Athen hat am 18. Oct. 1863 dieſes ſeltene Glück gehabt und dabei conſtatirt, daß ſie aus zahlreichen
³¹) Schiaparelli, Aſtronom. Theorie d. Sternſchn. S. 21.


