Aufsatz 
Über Meteoriten / von Otto Buchner
Entstehung
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19 kleineren Feuerkugeln, die größeren voran, zuſammengeſetzt war. Hier traten alſo viele kleinere feſte Maſſen zu einem Schwarm vereinigt gleichzeitig in die Atmoſphäre, und ſo wird es immer ſein, wenn, wie in früher angeführten Fällen, mächtige Meteoritenſchauer niederpraſſeln. Doch kann es auch vor⸗ kommen, daß wenn eine Maſſe für ſich allein die Feuerkugel erzeugt, auch hier ein Zerplatzen dieſer Maſſe erfolgt, theils durch ungleiche Erhitzung, theils durch Gasbildung und durch den ungeheuren Druck der Atmoſphäre. Nach Reinh. v. Reichenbach's ³²) Berechnung wirkt auf jeden Quadratzoll eines Meteoriten, der mit 5 Meilen Geſchwindigkeit eine Luftſchicht von etwa 0,1 Atm. Druck durch⸗ fliegt, ein Gegendruck von 77 Ctr.

Doch ſind die Schallerſcheinungen bei Meteoritenfällen nur theilweiſe auf das Zerplatzen der kos⸗ miſchen Maſſen in der Feuerkugel znrückzuführen; gewiß wird die bei weitem ſtärkere und immer auf⸗ tretende Schallerregung bewirkt durch das Einſtürzen der äußeren Luft in den luftleeren Raum hinter dem fliegenden Meteoriten, hat alſo mit einer Exploſion gar nichts gemein. Auch haben wir dabei nicht nöthig anzunehmen, wie Haidinger that, daß erſt am Ende der kosmiſchen und bei dem Beginn der terreſtriſchen Bahn dies ſtattfinde. 3

Zerplatzt die kosmiſche Maſſe in der Feuerkugel, ſo werden die niederfallenden und aufgefundenen Bruchſtücke ſich zuſammenpaſſen laſſen, auch wenn ſich die Bruchflächen vielleicht noch theilweiſe über⸗ rindet haben. Während des terreſtriſchen Falls nach Beendigung der kosmiſchen Bahn iſt aber die Be⸗ wegung zu langſam, um da noch ein Schmelzen und Ueberrinden des Steins hervorzubringen. Doch findet in dieſer Zeit der Ausgleich der äußeren ſehr hohen und der inneren ſehr niederen Tempera⸗ tur ſtatt.

Nur bei lockerem Boden bohren ſich die Steine beim Fall mehr oder weniger tief ein. Aus der Richtung des Lochs läßt ſich dann oft auf die letzte Richtung des Wegs ein Schluß ziehen.

Es iſt in keiner Weiſe nachweisbar, daß einzelne Gegenden oder Länder beſonders von Meteoriten⸗ fällen begünſtigt werden. Wo eine einſichtsvolle Bevölkerung auf derartige Erſcheinungen achtet, wird man ſie häufiger wahrnehmen, als in anderen. Werden Meteorſteine nicht gleich gefunden, ſo iſt nur wenige Hoffnung, daß man ſie nach längerem Liegen in der feuchten Erde noch auffinde, denn durch ihren Gehalt an metalliſchem Eiſen, Schwefeleiſen und einfachen Silikaten verwittern ſie leicht. Anders iſts mit den meteoriſchen Eiſenmaſſen, die ſich zwar oberflächlich mit einer ſtets dicker werdenden Roſt⸗ ſchicht bedecken, aber der Kern, die Hauptmaſſe bleibt faſt unbegrenzte Zeit unverändert. Wenn in den Vereinigten Staaten Nordamerikas neuerlich eine größere Menge von Eiſenmeteoriten gefunden wurde, als anderwärts, ſo iſt dies gewiß nur dem Umſtand zuzuſchreiben, daß jeder Farmer weiß, ein Fundeiſen werde von einigen bekannten reichen Sammlern angekauft und gut bezahlt. Alſo achtet man mehr darauf und bringt ein ſolches Eiſen vor die rechte Schmiede, in der ein Gelehrter arbeitet. Das berühmte Meteoreiſen von Rittersgrün in Sachſen dagegen, das 1847 ausgepflügt wurde, wanderte von Schmiede zu Schmiede und Hammerwerk, um als altes Eiſen verwerthet zu werden, bis es 1861 von Brei thaupt als meteoriſch erkannt und gerettet wurde. Manchesalte Eiſen iſt wirklich auf dieſe Weiſe verſchmie⸗ det worden und war für die Wiſſenſchaft verloren.

Faſſen wir alles Vorgeſagte zuſammen, ſo finden wir, daß nichts wahrer iſt als der lakoniſche Ausſpruch der alten lateiniſchen Inſchrift in der Kirche zu Enſisheim, welche als Motto vorgeſetzt wurde:

Ueber Meteoriten wiſſen viele gar mancherlei, jeder weiß etwas darüber, aber keiner Genügendes.

³²) Pogg. Annal. B. 119, S. 275.