Maſſen als das Produkt eines rieſigen Meteoreiſenfalles angeſehen und zur Erklärung des Vor kommens in dem trappartigen Geſtein angenommen, es habe das Niederfallen ſtattgefunden, als die baſalt⸗ artige Maſſe feuerflüſſig aus der Erde drang, ſo daß dieſe das Eiſen aufnehmen und umſchließen mußte. Es hat ſich über dieſes Eiſen und über die Frage, ob es meteoriſchen Urſprungs, oder ob es mit der ſchmelzflüſſigen Maſſe aus dem Erdrinnen emporgedrungen ſei, eine ſehr ausgedehnte Literatur entwickelt ²8).
Schon Nordenſkiöld hatte gefunden, daß beim Glühen dieſes Eiſens eine beträchtliche Menge Gas austritt; Wöhler beſtätigte, daß dabei mehr als das 100 fache des Eiſenvolums an Kohlenoxyd und wenig Kohlenſäure entweicht. Seine Analyſe des Ovifakeiſens ergab:
Fe Ni Co P S C 0
80,64 1,19 0,474 0,15 2,82 3,69 11,09 mit Spuren von Cu und Cr. Wöhler nahm an, daß der Sauerſtoff an Eiſen gebunden als Magnet⸗ eiſen in der Maſſe enthalten ſei.
Wenn auch der wiſſenſchaftliche Streit über die Natur des Ovifakeiſens noch nicht endgültig ent⸗ ſchieden iſt, ſo wenden ſich doch die meiſten Forſcher immer mehr der Annahme zu, daß es nicht meteo⸗ riſchen, ſondern terreſtriſchen Urſprungs ſei. Warum auch ſollen Erſcheinungen, die wir bei dem Mutter⸗ körper der Meteoriten als möglich und wahrſcheinlich annehmen, nicht auch in ähnlicher Weiſe bei der Erde vorkommen können? Müſſen wir nicht auch bei dieſer ein weit höheres ſpec. Gewicht der feuer⸗ flüſſigen Innenmaſſe annehmen, alſo Metalle, und unter dieſen als häufigſtes das Eiſen? Muß nicht auch dieſe Maſſe Gaſe gelöſt enthalten und muß das Eiſen nicht auch mit geſchmolzenen Silikaten, mit lavaartigen Maſſen emporgepreßt werden können? Auch dieſes terreſtriſche Eiſen wird bei langſamem Erſtarren ſich kryſtalliniſch anlagern und Aetzfiguren zeigen müſſen, wenn ſeine chemiſche Zuſammen⸗ ſetzung, ſein Gehalt an Nickel nnd Phosphor ihre Bildung ermöglicht. Wir haben alſo nicht nöthig, zu Annahmen zu greifen, vor denen Humboldt mit Recht warnt, wenn wir Erſcheinungen an dieſen Eiſenmaſſen erklären wollen, die an unſerem Kunſteiſen nicht wahrnehmbar ſind. Auch die mächtigen Eiſenmaſſen von St. Caterina ²³) in Braſilien zeigen Erſcheinungen, die wahrſcheinlich machen, daß es terreſtriſches und nicht meteoriſches Eiſen iſt, und es iſt ſehr fraglich, ob wir jemals, auch wenn unſere Kenntniſſe über die Natur und Zuſammenſetzung dieſer Maſſen durch zahlreiche neue Funde weſentlich erweitert ſind, ſicher ausreichende Unterſcheidungsmerkmale der irdiſchen und kosmiſchen Mine⸗ ralien kennen lernen werden.
Doch wir können der Zukunft nicht vorgreifen und bleiben bei dem von der Vergangenheit und Gegenwart Erforſchten.
Nichts kann einfacher und einleuchtender ſein, als die vorentwickelte Theorie der Entſtehung der Meteoriten. Betrachtet man den Stein von Hungen oder auch nur einen Dünnſchliff deſſelben, betrach⸗ tet man irgend einen Meteoriten, gleichviel welcher Gruppe, ſo hat man die lebendige Illuſtration zu dem theoretiſch Entwickelten. Und doch kommt Mohr ³0) dabei zu einer diametral entgegenſtehenden An⸗ ſicht. Aus dem geringen Waſſergehalt mancher Meteoriten, aus dem Kohlegehalt und dem feſten Kohlen⸗ waſſerſtoff in anderen, aus den Kryſtalliſationserſcheinungen des Meteoreiſens und anderen Gründen ſchließt er, daß ſich die meteoriſchen Maſſen auf naſſem Wege aus Waſſer gebildet haben. Auch er nimmt an, daß ſie wie die kleinen Planeten und Aſteroiden Bruchſtücke eines größeren Planeten zwiſchen
*⁵) ſ. u. a. Wöhler, Gött. Nachr. 1872, Nr. 11. Flight, Geol. Magaz. 1875, S. 115. Steenſtrup, Ztſchr. dtſch. geol. Geſ. 1876, B. 28, S. 225. Daubrée, Bull. Soc. géol. de France 1877, S. 110.
²⁹) Compt. rend. T. 83, S. 917; T. 84, S. 478, 482, 1507.
³⁰) Annalen d. Chemie B. 179, S. 257.


