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kommt durch deren Studium zum Schluß,„daß dieſe Maſſen urſprünglich nicht die gegenwärtige Be⸗ ſchaffenheit hatten, ſondern daß ſie durch Zertrümmerung feſter Geſteine und nachherige Zuſammenfügung derſelben mittels eines halbglaſigen Magma in ihren gegenwärtigen Zuſtand gelangt ſeien“; ſowie,„daß auf jenen Geſtirnen, von denen ſie kommen, die Ruhe viel ſeltener geweſen ſei, als die vulkaniſche Be⸗ wegung“, daß die Kügelchen„Produkte der vulkaniſchen Zerreibung ſind und ihre Form einer continuir⸗ lichen exploſiven Thätigkeit eines vulkaniſchen Schlotes verdanken, durch welche ältere Geſteine zerſplit⸗ tert und deren zähere Theile durch beſtändiges Zuſammenſtoßen abgerundet wurden.“
So müſſen auf der langdurchlaufenen Bahn des Himmelskörpers, von dem die Meteoriten ſtammen, nach und nach ſehr verſchiedene Maſſen abgeſchleudert werden, zuerſt Silikate, die mit den Produkten unſerer irdiſchen Vulkane Aehnlichkeit haben, dann verſchiedene Gemiſche von Silikaten und Eiſen und zuletzt Eiſenmaſſen. Waſſer im flüſſigen Zuſtande konnte ſich auf einem ſo kleinen Weltkörper nicht oder nur in höͤchſt geringer Menge verdichten, daher ſind die Silikate waſſerfrei, und nur in den Kohlehalti⸗ gen findet ſich ein ganz kleiner Waſſergehalt. Geſteine, welche unſeren neptuniſchen Schichten entſprechen, konnten ſich dort nicht bilden.
Eine weſentliche Stütze dieſer Theorie iſt die merkwürdige Entdeckung Graham's, daß Meteor⸗ eiſen ſehr beträchtliche Mengen von Waſſerſtoff enthält. Erſt bei heftigem Glühen entweicht derſelbe nebſt etwas Kohlenoxyd und Stickſtoff. Mallet beſtätigte die Thatſache und nach Wright'’s Unter⸗ ſuchungen enthalten auch die Meteorſteine beträchtliche Mengen von Waſſerſtoff, viel Kohlenſäure, etwas Kohlenoxyd und Stickſtoff, die erſt bei voller Rothglut ausgetrieben werden.
A. v. Humboldtwarnt in ſeinem Kosmos(I, 137) davor,„auch in der Region des blos Muth⸗ maßlichen eine ungeregelte, auf alle Induction verzichtende Willkür der Meinungen herrſchen zu laſſen“ Die vorſtehend entwickelte Theorie über die Entſtehung und die Herkunft der Meteoriten bewegt ſich allerdings auch in dem Gebiete des nur Muthmaßlichen, hält ſich aber von aller Willkür der Meinungen fern. Kein Theil widerſtreitet den bekannten und als richtig anerkannten Naturgeſetzen, wir nehmen nichts dabei als möglich oder wahrſcheinlich an, was nicht in ähnlicher Weiſe auch auf der Erde ſtatt⸗ findet oder ſtattfinden könnte. Gerade in dieſer Beziehung iſt eine Entdeckung von Nordenj kiöld aus dem Jahr 1870 von beſonderem Intereſſe.
Bei der Nordenſkiöld'ſchen Expedition nach Grönland 1870 war dieſer ausgezeichnete Naturforſcher ſo glücklich, NW von Godhavn auf der Siüdſeite der Inſel Disco an einer Stelle, die Ovifak²¹⁷) genannt wird, unmittelbar am Strande und theilweiſe ſelbſt im Meere liegend, eine beträchtliche Menge großer und kleiner Blöcke gediegenen Eiſens zu finden. Auf einer Grundfläche von höchſtens 50 Quadrat⸗ meter lagen 15 Klumpen Eiſens von 25000 bis 3 K., die größten dicht am Strande zwiſchen Ebbe und Fluth unter abgerundeten Granit⸗ und Gneißblöcken am Fuß eines hohen Baſaltrückens, der ſich nur wenige Meter von der Küſte als Blaa Fjeld bis zu 500 M. Höhe ſteil erhebt. Durch ein beſonderes von der ſchwediſchen Regierung abgeſendetes Schiff wurden dieſe Maſſen im Geſammtgewicht von weit über 40000 K. abgeholt und nach Stockholm gebracht. Zum Theil ſind ſie mit einem dunkeln trappähnlichen Geſtein verwachſen. Aber auch einer der beiden Baſaltgänge des Blaa Field enthält ganz ähnliches Eiſen in kleineren und größeren Maſſen und es liegt die Annahme nahe, es ſeien die loſen Blöcke und Brocken Eiſens früher auch von Baſalt umſchloſſen geweſen, herausgewittert und an dem ſteilen Abhang bis zum Meere herabgerollt. Da dieſes Eiſen Nickel, Kobalt und Phosphor enthält, auch beim Aetzen einer polirten Fläche die Widmannſtätten'ſchen Figuren zeigt, ſo wurden dieſe
27) Oefversigt af K. Vetensk. Acad. Förh. Stockh. 1870, Nr. 10, S. 1058 u. ff. m. Karten und Abb.


