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Mehr noch iſt dies bei dem Monde der Fall, der kein Waſſer und keine Atmoſphäre beſitzt. Zwiſchen Mars und Jupiter bewegen ſich dann die kleinen Planeten und die Aſteroiden, deren Anzahl in den letzten Jahrzehnten ſo ungemein ſich vergrößert hat und auch in der Folge bei weiterer Verbeſſerung der Fernröhren noch weiter wachſen wird. Ob auch dieſe Kugelform haben, wiſſen wir nicht und können es bei ihrem geringen Durchmeſſer nicht ſehen. Aber ſchon Olbers ſprach die Vermuthung aus und Al. v. Humboldt ſtimmte ihm bei, daß die kleinen Planeten Veſta, Juno, Ceres, Pallas(die Aſteroiden waren damals noch nicht bekannt) Bruchſtücke eines zertrümmerten größeren Planeten ſeien. Mit Ent⸗ deckung der Aſteroiden erhielt dieſe Trümmertheorie eine neue ſehr weſentliche Stütze. Aber wenn durch irgend eine Urſache ein Planet zertrümmert wird, ſo müſſen dabei außer den großen Brocken, die ſoviel Oberfläche haben, daß ſie Sonnenlicht gegen die Erde hin reflectiren und ſo ſichtbar werden, auch kleine und ganz kleine Bröckchen entſtehen, die dann geradeſo und nach denſelben Geſetzen planetariſche Bahnen um die Sonne beſchreiben, wie die großen Trümmer und wie die Planeten ſelbſt. Aber gerade dieſe kleinen Bröckchen ſind es auch, die durch die Attraction eines anderen Planeten am leichteſten von ihrer Bahn abgelenkt werden und ſo auch bei uns als Fremdlinge aus dem Weltall ankommen können.
Wäre all das richtig, ſo müßten die großen und kleinen Trümmer eines ſolchen Planeten nahezu gleiche Bahnen haben. Die Feuerkugeln aber kommen aus den verſſchiedenſten Weltgegenden zur Erde und ſenden zu allen Zeiten des Jahres die Meteoriten auf dieſe herab. Sie können alſo nicht durch die plötzliche Zertrümmerung eines Himmelskörpers entſtanden ſein. Wir ſind alſo genöthigt, für die Meteoriten verſchiedene Mutterkörper anzunehmen.
Nach der Kant⸗Laplaceſchen Theorie iſt ſo gut wie für die Erde bei jedem Planeten in einer gewiſſen Periode ſeiner Exiſtenz vulkaniſche Thätigkeit vorauszuſetzen. Schon vor 200 Jahren hat Rob. Hooke die Trichtergeſtalt der Mondberge als Folge vulkaniſcher Eruptionen erkannt. Nirgends in unſe⸗ rem geſammten Sonnenſyſtem treten Gasexhalationen in großartigerem Maßſtabe auf, als bei der Sonne ſelbſt. Auch der oder die Mutterkörper der Meteoriten müſſen vulkaniſche Erſcheinungen gezeigt haben, zeigen ſie vielleicht noch. Und hier haben wir die Urſache der Trümmerbildung, wie neuerlich Tſcher⸗ mak ²⁸) geiſtreich entwickelte. Denn wie die Erde, ſo muß auch der Mutterplanet der Meteoriten einmal aus feuerflüſſiger Maſſe beſtanden haben. Dieſe aber hat die Eigenſchaft, unter dem hohen Druck, dem ſie ausgeſetzt iſt, eine große Menge von Gaſen und Dämpfen aufzulöſen, welche beim Abkühlen und Er⸗ ſtarren theilweiſe wieder entweichen. Dies gilt nicht von den lavaartigen Silikatmaſſen allein, ſondern auch von den geſchmolzenen Metallen. Doch ſind dieſe Gaseruptionen verſchieden heftig. Die ſtärkſten ſind im Stand, erſtarrte Maſſen ſo weit fortzutreiben, daß ſie bis jenſeits der an ſich ſchwachen Attrac⸗ tion des kleinen Planeten gelangen und dann ihre eigene planetariſche Bahn einſchlagen. Die ſchwäche⸗ ren Gaseruptionen bringen nur mancherlei Bewegungserſcheinungen auf dem Planeten ſelbſt hervor. Doch liegen zwiſchen dieſen Ausbrüchen der freiwerdenden Gasmaſſen auch wieder Perioden ruhiger Bildung, ungeſtörter Kryſtalliſation von Silikaten und Eiſen, dann wieder von Abſonderungen und Verſchiebungen durch Bewegung in der feſtgewordenen Maſſe, wodurch die auch bei Hungen ſo häufigen Rutſchflächen, Spiegel und Harniſche ſich bilden mußten; Zertrümmerungen und Wiedervereinigung der größeren Bruch⸗ ſtücke, ſowie der kleinen Splitterchen, oder der zu runden Kügelchen abgeriebenen Maſſen, ähnlich wie in unſeren vulkaniſchen Tuffen. So iſt auch die Entſtehung des breccienartigen Gefüges vieler Meteoriten zu erklären, auf welches v. Reichenbach zuerſt ausführlich aufmerkſam machte, und Tſchermak ²¹)
²³) Sitz. Ber. Acad. Wien II. Abth. B. 71, April 1875. I. Abth. B. 75, März 1877. ²⁶) Sitz. Ber. Acad. Wien I. Abth. B. 70, 1874, Nov. B. 71, II. Abth. 1875, April.


