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Ueber die Herkunft der Meteoriten wiſſen wir mit abſoluter Sicherheit gar nichts. Lange Zeit wurde die kühne Behauptung Chladni's von 1794, die Meteoriten ſeien Trümmer von Himmelskörpern, „welche Zertheilung vielleicht durch einen Stoß von außen, oder durch eine Exploſion von innen könnte bewirkt ſein“, vielfach angefochten und ihr eine ganze Reihe von anderen Hypotheſen entgegengeſetzt, die ſchon im Voraus von Chladni widerlegt worden waren. Jetzt wiſſen wir, daß die Meteoriten nicht in der Erdatmoſphäre zuſammengeronnen ſein können aus metalliſchen und anderen mineraliſchen Dünſten, wie noch Goethe ²⁴) annahm, daß ſie auch weder von irdiſchen, noch von Mondvulkanen ausgeworfen wurden, ſondern daß ſie als beſondere ſehr kleine Himmelskörper einzeln oder in kleineren oder größeren Schwärmen um die Sonne kreiſten, bis ſie in das Anziehungsbereich der Erde gelangten, in der Erd⸗ atmoſphäre glühend wurden und dann niederſtürzten. Die Feuerkugeln, als welche uns die Metoriten zuerſt erſcheinen, wurden und werden vielfach noch jetzt für eine den Sternſchnuppen gleichartige Natur⸗ erſcheinung gehalten, die ſich nur durch ihre größere Lichtmaſſe von dieſen unterſcheidet. Und doch muß zwiſchen beiden eine weſentliche Verſchiedenheit ſein. Die Periodicität der Sternſchnuppenerſcheinungen iſt unzweifelhaft und ſchon lang, beſonders aber in neuerer Zeit durch zahlreiche ſorgfältige Unterſuchun⸗ gen feſtgeſtellt. Bekanntlich ſind als beſonders ſternſchnuppenreich die Nächte des 12./14. Nov. und 10./12. Aug. berühmt, anderer weniger glänzender Perioden nicht zu gedenken. Durch die epochemachen⸗ den Unterſuchungen Schiaparelli's wiſſen wir, daß die Sternſchnuppen durch Kometenſchweife veranlaßt werden, durch welche ſich die Erde hindurch bewegt und daß wir uns einen ſolchen Kometenſchweif vorſtellen müſſen als gebildet aus einer großen Menge feſter Maſſe, die in mehr oder weniger lockerer Anhäufung als Ring oder Stück eines Rings die Sonne umkreiſt. Die Auguſtſternſchnuppen werden durch den Kometen III 1862, die Novemberſternſchnuppen durch den Kometen I 1866 erzeugt, und der großartige Sternſchnuppenfall vom 27. Nov. 1872 entſtand durch den Biela'ſchen Kometen. Für die meiſten beobachteten weniger bedeutenden Sternſchnuppenperioden hat man auch den dazu gehörigen und ſie veranlaſſenden Kometen aufgefunden. Wären nun die Feuerkugeln und die aus denſelben herab⸗ ſtürzenden Meteoriten in ihrer Erſcheinung auch an dieſe Perioden gebunden, ſo ergäbe ſich daraus die gleichartige Natur und Entſtehung derſelben. Man hat ſich vielfach bemüht dies nachzuweiſen. Wolf, Greg, Boguslawski, Quetelet u. v. A. haben ſorgfältige Zuſammenſtellungen der Meteoriten⸗ fälle nach Zeit und Ort vorgenommen, es wurden dann auch die detonirenden Feuerkugeln mit zuge⸗ zogen, bei welchen gefallene Meteoriten nicht gefunden worden waren; aber es läßt ſich bei allem guten Willen keine Periodicität herausrechnen, die mit der der Sternſchnuppen übereinſtimmt. Kein Land, keine Zeit des Jahres wird durch Meteoritenfälle bevorzugt. Es müſſen alſo Sternſchnuppen und Feuer⸗ kugeln als verſchiedene Naturerſcheinungen angeſehen werden, und letztere, ſowie die aus denſelben nieder⸗ fallenden Meteoriten haben nichts mit Kometen und deren Schweifen zu ſchaffen.
So bleibt uns nichts übrig, als nach einem anderen Mutterkörper der Meteoriten zu ſuchen, denn dieſe ſind ja nur Theile, Bruchſtücke größerer Maſſen, nicht kleine Planetchen für ſich.
Die Kant⸗Laplace'ſche Theorie der Bildung unſeres Sonnenſyſtems kann hier nur angedeutet, nicht ausführlicher entwickelt werden. Von dem rotirenden chaotiſchen Urgasball riß ſich Ring um Ring ab und jeder bildete durch Zuſammenfließen einen Planeten. Zuerſt trennte ſich Neptun ab, zuletzt Mer⸗ kur, welcher der Sonne zunächſt iſt. Die Entwicklungsſtadien der verſchiedenen Planeten müſſen alſo auch ſehr verſchieden ſein, aber jeder muß Kugelgeſtalt beſitzen. Merkur und Venus haben eine ſehr bedeutende und dichte Atmoſphäre, weniger Erde und Mars; bei ihnen iſt die Abkühlung weiter fortgeſchritten.
24) Sprüche in Reimen. Werke, ed. Hempel II, 316.


