Aufsatz 
Über Meteoriten / von Otto Buchner
Entstehung
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Die chemiſche Analyſe mit ihren Feinheiten iſt ganz neuen Urſprungs und noch fortwährend in der Weiterbildung begriffen. Es kann uns daher nicht wundern, daß die erſte Analyſe eines Meteorſteins keinerlei Ergebniß lieferte. Als am 13. Sept. 1768, alſo in der Zeit des tiefſten Unglaubens an die Möglichkeit eines Meteoritenfalls, zu Lucè im Dep. de la Sarthe ein Stein niederfiel, betraute die Aca⸗ demie in Paris eine Commiſſion: Fougeroux, Cadet und den 25 jährigen Lavoiſier, mit der chemiſchen Unterſuchung, und dieſe kam zum Schluß, daß ein Blitz eine Art Eiſenkies getroffen, ober⸗ flächlich geſchmolzen und unter dem Raſen hervorgewühlt habe. Als einzige Beſonderheit wurde Schwe⸗ felwaſſerſtoffgeruch beim Löſen in Salzſäure wahrgenommen. Jetzt wiſſen wir, daß derſelbe von Einfach⸗ ſchwefeleiſen, Troilit, herrührt, der in irdiſchen Mineralien nicht gefunden wird. Howard dagegen war der Erſie, der mit wirklicher Sachkenntniß zu Beginn unſeres Jahrhunderts eine größere Anzahl von Meteoriten chemiſch analyſirte und als gemeinſamen Beſtandtheil derſelben zuerſt Nickeleiſen nachwies. Ihm folgten die vorzüglichſten Chemiker aller Kulturländer, Vauquelin, Laugier, Klaproth, Berzelius, Rammelsberg, Wöhler u. v. A. und das Ergebniß war, daß alle Meteoriten, und deren ſind ſchon hunderte unterſucht, nur aus chemiſchen Elementen gebildet ſind, die auch auf der Erde ſelbſt vorkommen. Die Silikate und mehrere chemiſche Verbindungen ſtimmen meiſt auch mit irdiſchen Verbindungen aufs genaueſte überein, nicht in der Zuſammenſetzung allein, ſondern auch in der Kryſtall⸗ form, dem optiſchen Verhalten ꝛc. und erkennen wir daraus die allgemeine Gültigkeit der Naturgeſetze für unſer geſammtes Sonnenſyſtem und wohl für das große weite Weltall.

Ohne Zweifel iſt bei der Berechnung der chemiſchen Analyſen vieler Meteoriten manche Will⸗ kürlichkeit mit untergelaufen und es wurden Beſtandtheile herausgerechnet, die in Wirklichkeit nicht vor⸗ handen waren. Rammelsberg n) gab in einer vorzüglichen Arbeit über die Analyſe der Meteoriten Beiſpiele hierfür aus ſeiner eigenen Erfahrung; wie mag da erſt von weniger geſchickten und erfahrenen Chemikern geſündigt worden ſein. Aber von vielen anderen Meteoriten beſitzen wir überhaupt noch keine chemiſche Analyſe, ſo auch nicht von dem Stein von Hungen, weil keine Sammlung das dazu erforder⸗ liche Material von dem wenigen Vorhandenen dafür opfern wollte. Vielleicht gelingt es aber, aus vor⸗ handenen zuverläſſigen Angaben doch Anhaltspunkte auch für die chemiſche Zuſammenſetzung auch des Steins von Hungen zu finden.

Rammelsberg hat in der erwähnten Abhandlung ſeine Analyſen von vier Meteoriten(Pultusk, Richmond, Jowa, Kleinwenden) genau entwickelt, die wie der Stein von Hungen zu den Chondriten gehören. Er hat nachgewieſen, daß dieſelben außer Nickeleiſen, Einfachſchwefeleiſen und Chromeiſen nur zwei Silikate enthalten, Olivin und Broncit.

Daubree ſieht den Olivin, allerdings nicht vollſtändig mit den bekannten Thatſachen übereinſtim⸗ mend, alseine Art univerſeller Schlacke an, die erſt durch eruptive Proceſſe ſowohl auf der Erde, als in den Meteoriten auftritt und zu Tage gefördert wird. Jedenfalls iſt der Olivin eines der verbreitet⸗ ſten Silikate in den Meteoriten und in der bei weitem größeren Zahl dieſer irdiſchen Fremdlinge ent⸗ halten, nicht in den Steinen allein, auch bei einer größeren Anzahl von Meteore iſen bildet der Oli⸗ vin einen weſentlichen und ſehr merkwürdigen Gemengtheil. Die wunderbare Maſſe des Pallaseiſens, die 1749 bei Krasnojarsk in Sibirien gefunden und 1772 von Pallas für die Wiſſenſchaft entdeckt wurde und jetzt dem größeren Theil nach in der Sammlung der Academie zu Petersburg ſich befindet, beſteht aus einem ſchwammartigen Netz von Eiſen, deſſen Hohlräume mit Olivin ausgefüllt ſind. G. Roſe, ſpäter v. Kokſcharow haben gezeigt, daß die Kryſtalle gerade dieſes Pallasolivins die größte

) Monatsber. Acad. Berlin 1870, S. 440.