Aufsatz 
Über Meteoriten / von Otto Buchner
Entstehung
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ohne die Geſtaltung der lebloſen Materie durch Zuſammenſchießen, Kryſtalliſiren oder ſonſtiges Anlagern zu Hülfe nehmen zu müſſen. Doch hat er damit den Urſprung des organiſchen Lebens nur von der Erde weg auf einen anderen Himmelskörper verlegt und da iſt er ſo weit wie vorher.

Die ſchwarze graphitartig glänzende Maſſe im Stein von Hungen, welche die größte Aehnlich⸗ keit mit Rutſchflächen hat und von Tſchermak Harniſch genannt wird, iſt ganz anderer Natur. Sie tritt nur in ganz dünnen Gängen auf, enthält keine organiſche Subſtanz und iſt ſehr wahrſcheinlich durch Verwerfungsſpalten entſtanden, deren Rutſchflächen durch die gewaltſame Reibung polirt und gekritzt erſcheinen, während die angrenzende graue Maſſe durch die erzeugte Hitze geſchwärzt wurde 1¹6).

Nach der mineralogiſchen und chemiſchen Natur der Hauptmaſſe der Meteoriten ſind dieſe von den verſchiedenſten Forſchern in beſtimmte Syſteme gebracht worden. Ueber das von G. Roſe ¹7) ſchrieb mir im Juni 1864 Baron v. Reichenbach, einer der vorzüglichſten Meteoritenſammler und Kenner:Was ſagen Sie zu Roſe's Caaſſification der Meteoriten? Meines Erachtens enthält ſie viel mehr Theorie, als ſich bis jetzt auf das vorhandene Material bei ſeiner unzureichenden Menge und ungenügenden Er⸗ forſchung anwenden läßt. Dadurch wird ſie prämatur und unpraktiſch. Was eine Claſſification leiſten ſoll, Anordnung des Stoffs zu wiſſenſchaftlicher Ueberſicht, leiſtet ſie damit auf keine Weiſe. Vorderſamſt können wir auf die Meteoriten noch lange keine andere als triviale Anordnung nach äußeren Merkmalen anwenden, eines philoſophiſchen Princips entbehren wir noch gänzlich. Dazu können uns nur erſt die kommenden Jahrhunderte und mit ihnen ein paar tauſend Meteoriten behilflich werden, aus denen wir des Inhalts der Geſammt⸗ und Einzelerſcheinungen uns erſt verſichern können. So wenigſtens iſt es meine Anſicht, ich weiß nicht, ob ſie logiſch correct oder irrig iſt.

Gewiß hat v. Reichenbach mit ſeinen Einwänden gegen Roſe's Syſtem recht, aber ſie treffen nicht dieſes allein, mehr noch ſein eigenes ¹8), das von Shepard ¹³), Daubrée ²0) und alle übrigen.

Ob wir aber die unmittelbar in die Augen ſpringenden Eigenſchaften, oder eins der verſchiedenen Syſteme zu Hülfe nehmen, es iſt nicht ſchwer, den Stein von Hungen zu claſſificiren; er iſt kein Meteoreiſen, auch nicht vorwiegend Eiſen mit untergeordneten Silikateinſchlüſſen, ſondern vorwie⸗ gend Silikatmaſſe, alſo ein Meteorſtein mit Einſchlüſſen von metalliſchem Eiſen(Sporadoſideren von Daubr'ee) und kleinen Silikatkügelchen(Chondrite von G. Roſe). Der Stein von Hungen gehört daher zu den häufigſt vorkommenden Meteorſteinen. Die Eiſenkörnchen ſind auch ohne Lupe deutlich zu erkennen, dagegen laſſen ſich die Kügelchen auf der rohen Bruchfläche nur ſchwer wahrnehmen; ſie ſind feſt in die Grundmaſſe eingebettet und laſſen ſich nicht, wie bei manchen anderen Chondriten,(Alexi⸗ naz und A.) mit Hinterlaſſung einer halbkugeligen Vertiefung herauslöſen. Sehr deutlich aber treten ſie auf einer polirten Schnittfläche oder auf einem Dünnſchliff hervor. Alsdann bemerkt man auch, daß das Eiſen in viel größerer Menge vorhanden iſt, denn es nimmt dabei einen hohen Glanz und eine faſt ſilberweiße Farbe an. Vergebens bemühte ich mich, auf dieſen kleinen Partikelchen von Eiſen die früher erwähnten Widmannſtätten'ſchen Figuren hervorzubringen. Aber die Eiſentheilchen ſind ſo dünn, daß ſie raſcher ganz weggeätzt ſind, als eine Aetzfigur entſteht.

¹6) ſ. auch Met. v. Aumidres, Chateau Renard u. A. Meunier, la Nature 1871, S. 403. Tſchermak, Sitz. Ber. Acad. Wien, I A. B. 70, Nov. 1874. Flight, Geolog. Magaz. 1875, S. 401.

¹1) Sitz. Ber. Acad. Berlin 1862, Aug. 7, 14. 1863 Jan. 15. G. Roſe Beſchreib. u. Eintheilung d. Met. Berl. 1864.

¹8) Pogg. Ann. B. 107, S. 166.

¹9) Sillim. Amer. Journ. 2. Ser. B. 2, S. 377.

¹0) Compt. rend. Vol. 65, 1867, Nr. 2, S. 63.