Aufsatz 
Über Meteoriten / von Otto Buchner
Entstehung
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nicht angreifen konnte. Die zweite Maſſe wurde erſt viel ſpäter gefunden und war kalt. Bei den Steinmeteoriten, deren Hauptmaſſe alſo vorwiegend aus Silikaten beſteht, hat man nur in ſeltenen Fällen eine höhere Temperatur wahrgenommen, auch wenn ſie gleich nach dem Fall aufgehoben wurden. Schein⸗ bar höchſt auffallend iſt aber die ſicher feſtgeſtellte Thatſache, daß die Steine, welche bei Dhurmſala ¹) im Punjab(14. Juli 1860) fielen, unmittelbar darauf ſo kalt waren, daß ſie die Finder nicht in den Händen halten konnten. Bedenkt man, daß ſie mit der Kälte des Weltraumes(nach Pouillet 140⁰) in der Erdatmoſphäre ankamen, ſo kann bei der geringen Wärmeleitungsfähigkeit der Silikatmaſſe das Innere noch dieſe Kälte behalten und letztere ſich in den wenigen Sekunden bis zum Aufheben vom Boden mit der äußerlichen Hitze derart ausgeglichen haben, daß noch ein guter Theil von Kälteüberſchuß übrig bleibt. Die wenigen durch das Aufſchlagen des Hungener Steins von Rinde entblößten Stellen zeigen unter derſelben eine aſchgraue, ſtellenweiſe auch ſchwarze, graphitartig glänzende Steinmaſſe. Ein Stück⸗ chen mit Rinde ergab das ſpec. Gew.= 3,64; dieſes iſt alſo weſentlich höher als das ſpec. Gew. unſerer irdiſchen Silikate, kommt aber mit dem vieler anderer Steinmeteoriten überein. Es rührt das hohe ſpec. Gew. von bei genauerer Beobachtung deutlich ſichtbaren Körnchen von metalliſchem Eiſen her, die reichlich in der Silikatmaſſe enthalten ſind und auch in der Schmelzrinde gefunden werden. Es ſind nur wenige Meteoriten bekannt, in welchen durch das Auge oder durch den Magnet kein metalliſches Eiſen wahrnehmbar iſt. Dieſe zeigen faſt alle den gemeinſamen Charakter der ſchwarzen Farbe auch an der Innenmaſſe, welche von amorpher Kohle und von einer wachs⸗ oder asphaltartigen Maſſe herrührt. Wo ſolche organiſche Subſtanzen auf der Erde vorkommen, ſind ſie Zerſetzungsprodukte von Thier⸗ und Pflanzenſtoffen, und es iſt daraus der Schluß gezogen worden, daß auch auf dem Himmels⸗ körper, von welchem die Meteoriten ſtammen, ähnliche organiſche Gebilde zur Entſtehung dieſer erdwachs⸗ oder ozokeritartigen Maſſe beigetragen haben müſſen. Schon Berzelius, der bei der Analyſe des Steins von Alais(15. März 1806) dieſe Subſtanz bemerkte, ſchloß die Bemerkung daran:Enthält dieſer erdige Stein wohl Humus oder Spuren von anderen organiſchen Verbindungen? Gibt dies möglicherweiſe einen Wink über die Gegenwart organiſcher Gebilde auf anderen Weltkörpern? Auch im Meteoriten von Cold⸗Bokkeveld, Capland(13. Oct. 1838), wies Wöhler dieſe kohlenſtoffhaltige Subſtanz nach, die nur organiſchen Urſprungs ſein kann. Lawr. Smith in Louisville hat dieſelbe genauer unter⸗ ſucht und gezeigt, daß ſie nicht bloß in den ſchwarzen Meteorſteinen, ſondern auch in den graphitartigen Knollen mancher Meteoreiſenmaſſen(Cranbourne, De Kalb County, Sevier County) gleichzeitig mit amorpher Kohle enthalten iſt, die im phyſikaliſchen und chemiſchen Verhalten dem Graphit ähnlich, aber kryſtallographiſch ganz verſchieden iſt. Es wird dadurch bis jetzt das Räthſel der Entſtehung in keiner Weiſe gelöſt. Von niemand iſt bis jetzt bei mikroſkopiſcher Unterſuchung darin irgend etwas gefunden worden, was auch nur annähernd an Zellenbau und dergleichen erinnern könnte. Da übrigens Closz ¹⁵) in manganhaltigem weißem Gußeiſen Kohlenwaſſerſtoffe nachgewieſen hat, welche mit den von Pelouze und Cahours im Petroleum nachgewieſenen übereinſtimmen, ſo haben wir dadurch den Beweis, daß dieſelben entſtehen können, auch ohne daß hierzu die Zerſetzung organiſcher Subſtanzen die Veranlaſſung iſt. Geradezu komiſch macht es ſich aber, wenn Sir W. Thomſon ¹⁶⁸) die Beſamung der Erde mit Lebwelten dieſen Meteoriten zuſchieben will. Er glaubt ſich damit aus der Verlegenheit retten zu können, wie auf der Erde die Entſtehung von Lebenskeimen, organiſchen Zellen oder Protoplasma zu erklären ſei,

¹4) Jackſon, Proceed. Boston Soc. Nat. Hist. T. 8, S. 233. Haidinger, Sitz. Ber. Acad. Wien, B. 42, S. 305; B. 44, S. 285.

¹8) Compt rend. T. 85, S. 1003. S. auch Rammelsberg, Chem. Metallurgie 2 A. S. 96.

¹6) 41. Meeting Brit. Assoc. Edinb. 1871, Aug. 2.