Aufsatz 
Über Meteoriten / von Otto Buchner
Entstehung
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als netzartig⸗aderige ſchwarze Maſſe durch Adhäſion feſtgehalten wird, theils abgeriſſen, theils auf die weniger abſchmelzende Rückſeite hingeblaſen werden und ſo der Stein eine glattere Vorderſeite(Bruſtſeite) und eine rauhere, mit ſtärkeren Rindenwülſten bedeckte Rückſeite zeigen. Damit hängt bei vielen eine auf⸗ fallende und charakteriſtiſche Pyramiden⸗ und Kegelform zuſammen, die beſonders wahrnehmbar iſt bei manchen Steinen von Stannern ³) in Mähren(22. Mai 1808), den Meteoriten von Slobodka ¹) in Rußland(10. Aug. 1818), von Groß⸗Divinas) in Ungarn(24. Juli 1837), von Karokols) in der Kirgiſenſteppe(9. Mai 1840), von Uden*) in Nordbrabant(8. Juli 1843), von Kaba 8)(15. Apr. 1857) und Kakova)(19. Mai 1858), beide in Ungarn, von Goalpara ¹0) in Aſſam(gefunden 1868), von Or gueil 1¹1) in Frankreich(14. Mai 1864), von Krähenberg ¹) in der Pfalz(5. Mai 1869). Es könnte die Zahl derjenigen Meteoriten, an welchen die erwähnte charakteriſtiſche Geſtalt auftritt, weſentlich vermehrt werden. Der kleine daumendicke plattenförmige Stein von Hungen, den Scharmann aufhob, zeigt nichts der Art, wenn auch nicht die Rinde überall gleich dick iſt. Dagegen hat der kleinere Stein, den Leidolf fand, eine ſtark gewölbte Bruſtſeite und eine flachere Rückenſeite ¹³). In der nahezu fünfſeitigen Form und der ſchwach angedeuteten Orientirung gleicht er manchen Steinen von Pultusk.Die Rückenſeite iſt an der glatteren Rinde und an dem blaſigen Schmelz, welcher ſich dem Rande zu anhäuft, zu erkennen. An einer kleinen Stelle der Vorderſeite erſcheint als Unter⸗ brechung eine rauhe Fläche, die von einer blaſigen Rinde überzogen iſt, während die Vorderſeite im übrigen von einer homogenen matten Rinde ohne Unebenheiten gebildet wird. Jene Stelle verdankt ihre Rauhheit ohne Zweifel dem Abſpringen eines Splitters. Am Rande iſt außerdem eine Stelle zu be⸗ merken, die gleichfalls auf ein ſolches Abſpringen zurückzuführen iſt. Sie erſcheint aber nicht ganz mit Rindenſchmelz überzogen, ſondern der letztere greift nur an den Umriſſen der entblößten Stelle hinein. Auf der Rückenſeite erſcheint die Form des Steines gleichfalls in der Weiſe zerſtört, daß die Abtrennung eines kleinen Stückes angenommen werden muß. Dieſe Stelle iſt mit einer ziemlich glatten, gerieften, metalliſch glänzenden Fläche bedeckt. Die Trennungsfläche war alſo ſchon durch das Gefüge des Meteoriten gegeben. Da der Harniſch nur an den Umriſſen einen übergreifenden Schmelzanflug zeigt, ſo dürfte die Abtrennung des Stückes erſt ſpät, alſo kurz vor dem Niederfallen geſchehen ſein. Derartige Harniſche ſind auch bei dem größeren Stein von Hungen und hänufig bei denen von Pultusk zu bemerken.

Es könnte auffallen, daß Scharmann den Stein von Hungen, obgleich faſt unmittelbar nach dem Fall, doch kalt aufgehoben hat. Bedenkt man aber, daß ein Meteorit mit der Kälte des Weltraumes in die Erdatmoſphäre eintritt, ſo wird die gewaltige Schmelzhitze der Außenſeite, durch welche die Rinde gebildet wird, nur dann tiefer in die Maſſe des Meteoriten ſich fortpflanzen, wenn derſelbe aus einem guten Wärmeleiter, alſo ganz aus Metall beſteht. Daher war auch die eine der beiden Eiſenmaſſen von Braunau in Böhmen(14. Juli 1847) 6 Stunden nach dem Fallen noch ſo heiß, daß man ſie

³) Haidinger, Sitz. Ber. Acad. Wien B. 40, S. 525.

⁴¹) Göbel, Mélanges phys. du Bull. Ac. S. Pétersbourg. VII, 316.

) Haidinger a. a. O.

) Göbel a. a. O.

*) v. Baumhauer, Versl. en Meded. K. Acad. van Wetenschappen Afd. Natuurk. D. 14. S. 1. ) Haidinger, Sitz. Ber. Acad. Wien B. 31, S. 347.. ²) Haidinger Sitz. Ber. Acad. Wien B. 34, S. 11.

¹1⁰) Derſ. daſ.(2) B. 59, S. 665..

¹¹) Daubrée, Nouv. Archives du Muséum T. 3, B. 1. 1867.

¹*) Neumayer, Sitz. Ber. Acad. Wien(2) B. 60, S. 229.

¹3) Tſchermak, Min. Mitth. 1877, H. 4, S. 315.