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Damit iſt aber nicht geſagt, daß dem Steinfall von Hungen überhaupt keine Feuerkugel voraus⸗ gegangen ſei, ſondern nur, daß dieſe der ungünſtigen Umſtände, des klaren Himmels und der Helligkeit wegen nicht beobachtet wurde. Denn nach allem muß angenommen werden, daß ſich nie ein Meteoritenfall er⸗ eignet, ohne daß eine Feuerkugel vorausgeht. Die Steine ſelbſt ſind die ſicherſten Beweiſe dafür, denn ſie ſind mit einer Schmelzrinde umgeben, welche nicht urſprünglich vorhanden war, ehe ſie in die Erd⸗ atmoſphäre gelangten, ſondern ſich erſt darin bildete, indem durch die ſtarke Hitzeentwicklung in der Feuerkugel die Oberfläche der Meteormaſſe abſchmolz. Nur ſo viel der Schmelzmaſſe blieb zurück, als durch die Adhäſion feſtgehalten wurde. Alles andere wurde beim raſchen Fluge durch die Atmoſphäre ab⸗ geriſſen; dieſes und eigentliche Verbrennungs⸗ und Verdampfungsprodukte, die dabei gebildet wurden, ſind das Material, aus welchem der Schweif beſteht, den wir ſchwach leuchtend ſo häufig auch noch nach dem Verlöſchen der Lichtmeteore am Himmel ſehen und welche unter Umſtänden eine auffallend lange Dauer haben, ſich langſam in ihrer Geſtalt verändern und nach und nach verſchwinden. Ohne Zweifel ſenken ſich auch dieſe Verbrennungsprodukte langſam zur Erde, doch nur in ſehr ſeltenen Fällen hat man dieſelben unterwegs ertappt und aufgefangen. Nur ein Beiſpiel ſei erwähnt. Das nordamerikaniſche Schiff Joſhua Bates ſegelte am 14. Nov. 1856 etwa 60 g. Meil. SO. von Java(S. B. 10⁰38„ O. L. 117⁰⁴49,) und empfing dabei einen Regen von feinen ſchwarzen Staubkügelchen, die der Capitän Mac Callum ſammeln ließ und nach Waſhington zur Unterſuchung übergab. Eine Probe kam an Ehrenberg in Berlin, und dieſer erkannte ſie bei 200 facher Vergrößerung als glatte, glänzende, ſehr harte, hohle mag⸗ netiſche Kügelchen, welche die allergrößte Aehnlichkeit mit denen hatten, die ſich beim Verbrennen einer Uhrfeder in Sauerſtoff bilden. Ehrenberg nahm an, dieſelben ſeien durch den Ausbruch eines Schlammvulkanes mit Feuererſcheinung etwa an der Nordküſte von Java gebildet und von dem Winde fortgetragen worden. v. Reichen bach dagegen wies auf das Unwahrſcheinliche, ja Unglaubliche einer ſolchen Annahme hin und ſtellte dagegen die Behauptung auf, daß die Mac Callum'ſchen Kügelchen Verbrennungsprodukte eines Eiſenmeteoriten ſein müſſen, welche ſich in der Atmoſphäre der Erde gebildet und aus dem Schweif auf dieſe niedergeſenkt haben. Dieſe Annahme hat ſo viel Wahrſcheinlichkeitsgründe für ſich, daß derſelben von keiner Seite widerſprochen wurde.
Wenn auch die dünne tief ſchwarze Rinde, welche der Stein von Hungen zeigt, mit der der meiſten anderen Meteoriten ziemlich genau übereinſtimmt, ſo ſind doch auch in dieſem Punkt Abweichungen oft beobachtet. Während unſer Stein eine durchweg feinkörnig⸗matte Rinde hat, iſt ſie bei anderen rings⸗ um oder ſtellenweiſe pechartig glänzend. Die merkwürdigſte Rinde hat der Stein von Biſhopoille, S. Carolina, der am 25. März 1843 fiel und 6,5 K. wog. Seine Rinde iſt ſtellenweiſe ſchwarz, auch weiß, bläulichgrau und nicht unähnlich manchen verſchieden gefärbten Marmorarten; die ſchwarzen Partien ſind obſidianartig, die grauen und weißen meiſt matt, obgleich die weißen auch manchmal wie Glaſur auf Porzellan glänzen; wieder an anderen Stellen iſt die Rinde durchſichtig und farblos wie Glas. Frreilich iſt ſeine mineralogiſche Zuſammenſetzung auch eine ganz andere als die des Steins von Hungen und der allermeiſten anderen Meteoriten.
Auf eine andere Beſonderheit der Schmelzrinde vieler Meteoriten hat Haidinger*²) zuerſt auf⸗ merkſam gemacht. Sie hängt weſentlich mit der charakteriſtiſchen Geſtalt zuſammen, welche bei manchen, aber durchaus nicht bei allen Meteorſteinen wahrgenommen wird. Dadurch nämlich, daß der Stein bei ſeinem Flug durch die Atmoſphäre, den Schwerpunkt voran und um eine Axe in der Flugrichtung rotirend, auf der Vorderſeite ſtärker abſchmilzt, muß die dabei entſtandene Schmelzmaſſe, ſoweit ſie nicht
2²) Wien. Acad. Ber. 1860, S. 40; 1862, S. 55, 791.


