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Die vorſtehend kurz erwähnten und zahlreiche andere verbürgte Thatſachen ließen vermuthen, daß außer dem einen bei Hungen gefundenen Stein nach den Beobachtungen des Zeugen Scharmann noch mehr gefallen ſein müßten und es galt, womöglich einen oder einige derſelben noch nachträglich zu finden. So begaben wir uns am 17. October 1877, alſo gerade 5 Monate nach dem Ereigniß, an Ort und Stelle; es waren drei Lehrer und elf Schüler der I. Claſſe der Realſchule. Da das Meteor offenbar in der Richtung von NW.— SO. geflogen war, ſo war zu vermuthen, daß auf einer elliptiſchen Strecke in dieſer Richtung der Steinregen ſtattgefunden haben müſſe, und dieſe Strecke mußte abge⸗ trieben werden. Als Vorbereitung dazu zeigte ich einen der vorher erwähnten Steine von Pultusk, der dieſelbe ſchwarze Schmelzrinde und dieſelbe graue Silikatmaſſe im Inneren zeigt, wie der Stein von Hungen. Da bückte ſich Julius Leidolf an der Stelle, wo wir ſtanden, nieder, hob ein Steinchen auf und fragte:„Iſt das vielleicht einer?“ Und wirllich hatte er einen faſt rings umrindeten kleinen Meteorſtein von 26 g gefunden, der nicht von dem Hauptſtein abgebrochen ſein kann, aber nur etwa 8 m. von deſſen Fallſtelle entfernt lag. Er befindet ſich jetzt in der Wiener Sammlung.
Sehr ermuthigt durch dieſes glückliche Ereigniß gleich beim Beginn wurde nun 2 ½ Stunde lang der Wald auf eine größere Strecke abgetrieben, aber weder im Fichtenwald, noch in dem daran ſtoßenden Buchenwald weitere Meteorſteine gefunden. Infolge der Frühfröſte war das Laub ſchon ſtark gefallen und mag das wohl das Haupthinderniß geweſen ſein. Zufällig ſind durch den ganzen Wald maſſen⸗ haft größere und kleinere Klumpen von Kugelbaſalt zerſtreut; viele derſelben wurden mit guter Hoffnung aufgehoben, bald aber wieder weggeworfen. An einer Stelle fanden wir aus einem Fichtenaſt auf der Unterſeite ein ſtarkes Stück wie herausgeſchoſſen, ſo daß der Aſt an der ſtehen gebliebenen Stelle lahm herabhing. Offenbar hatten wir hier die Wirkung eines Meteoriten, aber alles Suchen nach demſelben in der Umgebung war vergebens.
Nur noch ein einziger Fall iſt mir bekannt, wo bei einem abſichtlichen und ſyſtematiſchen Suchen nach Meteoriten ſolche gefunden wurden. Nachdem am Abend des 25. Nov. 1833 eine große, durch einen Theil von Mähren ſichtbare Feuerkugel unter heftiger Detonation in der Nähe von Blansko, Brünner Kreis, zerplatzt war, gelang es dem bekannten Baron v. Reichenbach, der da⸗ mals altgräfl. Salmſcher Hüttendirector in Blansko war, einen Mann ausfindig zu machen, der das Meteor geſehen, das Sauſen der Steine durch die Luft gehört und am folgenden Morgen ein ihm auf⸗ fallendes Steinchen an demſelben Platz aufgehoben hatte. Es war ein wirklicher Meteorit von 4 Loth Gewicht. Nun, nachdem der Wald feſtgeſtellt war, in welchem der Steinregen ſtattgefunden hatte, galt es weiter nachzuſuchen. v. Reichenbach hielt das erſte Treiben 12 Tage nach dem Fall mit 25 Mann in je drei Schritten Entfernung den ganzen Tag lang und am Abend erſt wurden 2 kleine Steine gefunden.
Am 2. Tag mit 46 Arbeitern, nichts gefunden.
Am 3. Tag 67 Mann, zwiſchen je 5 einen Beamten: ein Stein von 5 Loth gefunden; er iſt jetzt in der Wiener Sammlung.
Am 4. Tag mit 74 Mann den ganzen Tag vergeblich geſucht.
Am 5. Tag 86 Mann im Glied; 2 kleine Steinchen von 1 und 1 ½ Loth gefunden.
Am 6. Tag mit 120 Mann den ganzen Tag vergeblich geſucht.
Am 7. Tag mit 82 Mann ein ganz kleines Steinchen gefunden.
Am 8. Tag wieder mit 120 Mann ausgezogen, aber um Mittag wurde die Jagd abgebrochen, weil ſtarker Schnee fiel und alles zudeckte.
Wir ſehen, die Ereigniſſe von Blansko und Hungen haben bis auf die an erſterem Ort be⸗ obachtete Feuerkugel große Aehnlichkeit mit einander; es kann uns nun auch nicht mehr wundern, daß wir bei der Jagd am 17. Oct. 1877 nicht glücklicher waren. Die Kette war viel zu klein, die Suche⸗


