Aufsatz 
Über Meteoriten / von Otto Buchner
Entstehung
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Gleichzeitig war der Bauer Conr. Phil. Schneider von Steinheim ziemlich nahe beim Dorf im Feld und hörte ebenfalls das donnerartige Getöſe etwa 1 Minute lang bei abſolut klarem Himmel gerade über ſich; das Sauſen und Ziſchen hörte er nicht, ſah auch nichts niederfallen.

Weitere Ohrenzeugen waren der Lehrer Bach in Langsdorf, der in ſeinem Hof, und der Bauer Martin Trapp daſelbſt, der auf dem Felde bei Langsdorf das donnerartige Getöſe hörte.

Es iſt kein Zweifel, daß wenn früher von ſachverſtändiger Seite Nachforſchungen und Zeugenver⸗ nehmungen ſtattgefunden hätten, das Gebiet weſentlich ſich vergrößert haben würde, auf welchem das donner⸗ artige Getöſe vor dem Meteoritenfall vernommen wurde. So aber gab das Ereigniß nur zu Wirthshausge⸗ ſprächen der Bauern Anlaß, bis dann auch der Oberſteiger Schiffmann vom Braunkohlenwerk Utphe bei Hungen davon hörte und den Stein erwarb. Erſt Ende Auguſt hörte ich ſelbſt davon, konnte aber wegen längerer Ferienabweſenheit erſt gegen Ende September ſelbſt an Ort und Stelle Nachforſchungen anſtellen. Die Ergebniſſe ſind vorſtehend erzählt.

Nach dieſen Angaben war zu erwarten, daß außer dem einen gefundenen Stein noch viele gefallen ſeien, wie das ja ſo oft ſchon beobachtet wurde. So fielen am 24. Juli 1790, alſo in einer Zeit, wo die Gelehrten überhaupt alle Steinregen für unmöglich und die zahlreichen Berichte über ſolche für Schwindel und Betrug hielten, bei Barbotan in Südfrankreich zahlreiche Steine; noch reicher war der berühmte Steinregen von l'Aigle in der Normandie am 26. April 1803, der nicht nur durch die tauſende von Steinen merkwürdig iſt, deren Niederfallen beobachtet wurde, ſondern auch hiſtoriſch be⸗ rühmt wurde, weil ſich gegen die ſorgfältigſt beobachtete Thatſache nun auch die verbiſſenſten und hart⸗ näckigſten franzöſiſchen Gelehrten nicht mehr abweiſend verhalten konnten. Von nun an wurde auch aus dieſen Kreiſen kein Einſpruch mehr dagegen erhoben, daß wirklich Steine vom Himmel auf die Erde fallen können.

Aus neuer Zeit ſei noch erwähnt der Steinregen von Heßle in Schweden am 1. Januar 1869, bei welchem etwa 400 Steine von 2,5 K. bis zu Erbſengröße gefunden wurden, noch großartiger aber und reicher war der Meteoritenfall von Pultusk in Polen(30. Jan. 1868), wo aus einer Feuerkugel, die auf mehr als 60 Meilen ſichtbar war, eine ſo große Menge von Meteorſteinen niederfiel, daß es einem einzigen Mineralienhändler, dem unterdeß verſtorbenen Dr. Kr antz in Bonn, gelingen konnte, über 2000 Steine im Geſammtgewicht von 123 K. zu ſammeln; und doch fielen auch viele in die Narew. Aber noch un⸗ verhältnißmäßig großartiger war der Steinregen von Knyahinya in Ungarn am 9. Juni 1866, wobei die Menge der herabgefallenen Steine auf 8 bis 10 Ctr. geſchätzt wurde. Sie hatten ſich auf eine ellip⸗ tiſche Fläche von 2 Ml. Länge und ¾ Ml. Breite vertheilt; einer der beim Auffallen zerbarſt, mag wohl 6 Ctr. gewogen haben; der großte Theil deſſelben iſt in der Wiener Sammlung und überhaupt der größte Meteorſtein, der aufbewahrt wird. Dabei ſei gleich bemerkt, daß der älte ſte aufbewahrte Meteorſtein der berühmte ſchwarze Stein in der Kaaba zu Mekka iſt; über ſein Niederfallen weiß man nichts, doch erzählt die Sage, der Erzengel Gabriel habe ihn durchſichtig vom Himmel gebracht, er ſei aber durch die Küſſe zahlreicher Sünder ſchwarz geworden. Der älteſte Stein, deſſen Niederfallen beobachtet wurde, von welchem noch beträchtliche Stücke in den Sammlungen vorhanden ſind, fiel am 7. Nov. 1492 bei Enſisheim im Elſaß nieder und wurde auf Befehl Kaiſer Maximilians in der Kirche daſelbſt aufgehängt. Er wog urſprünglich wohl 300 Pfund, doch wurden, bis er in der Kirche ſicher untergebracht war, beträchtliche Stücke abgeſchlagen. Während der franzöſiſchen Revolution, wo er nach Colmar kam, wurde er wieder bedeutend verkleinert, ſo daß jetzt nur noch etwa 36 K. in Enſis⸗ heim ſein ſollen).

¹) Bei meiner Anweſenheit in Enſisheim im Sommer 1871 war der Stein nicht zu ſehen. Er war wegen Bau⸗ fälligkeit der Kirche auf die Bürgermeiſterei gebracht worden und dieſe während meiner kurzen Anweſenheit unzugänglich. 1*