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der ganzen Maſſe ſelbſt Betrachtungen anzuſtellen. Nach mündlicher Mittheilung der Arbeiter ſoll die Eiſenmaſſe einige Pfund ſchwer geweſen ſein und einen unbeſtimmt geformten Klumpen mit zackenähn⸗ lichen abgerundeten Erhöhungen gebildet haben. Die kleinen Bruchſtücke, die erhalten blieben, zeigen keine Spur einer früheren künſtlichen Bearbeitung.
Iſt dieſes Eiſen trotz ſeiner eigenthümlichen Fundſtelle irdiſches Eiſen und Kunſtprodukt einer ur⸗ alten Hütte, oder iſt es meteoriſchen Urſprungs?
Die meiſten Meteoreiſen zeigen beim Aetzen einer polirten Fläche mit Saure oder beſſer nach Waldner's Methode auf galvaniſchem Weg eigenthümliche geradlinige Figuren, nach ihrem Entdecker Widmannſtätten'ſche Figuren genannt. Sie rühren her von dem verſchiedenen Verhalten des Eiſens, Nickeleiſens und Phosphornickeleiſens, die mit und neben einander kryſtalliſirt ſind. Das Nauheimer Eiſen zeigt dieſe Aetzfiguren nicht und doch kann es meteoriſch ſein. Hier entſcheidet nur die chemiſche Analyſe und die iſt mit der kleinen Probe, die in Wien iſt, noch nicht angeſtellt worden. Herr Oberhütteninſpector Wille in Schwarzenfels beſaß noch zwei weitere Stück⸗ chen, 12 Loth ſchwer. Wo ſie nach ſeinem Tode hinge⸗ kommen ſind weiß ich nicht, doch wäre ſehr wünſchens⸗ werth es zu erfahren, weil dadurch das Material für eine chemiſche Analyſe vermehrt werden könnte.
Zu den genannten kommt nun der vierte heſſiſche Meteorit von Hungen in der Großh. Provinz Ober⸗ heſſen, nur wenige Stunden entfernt von der Landes⸗ univerſität Gießen.
Auch dieſer wäre, wie gewiß ſo viele andere, un⸗ beachtet geblieben, wenn nicht ein Zufall uns das himmliſche Geſchoß erhalten hätte. Kann auch das Ereigniß ſelbſt nicht weſentliche Verſchiedenheit von an⸗ deren Meteoritenfällen aufweiſen, ſo ſei doch hier kurz der einzelnen Beobachtungen dabei gedacht.
Aetzfiguren des Eiſens von Wisconſin, von der Platte Dienſtag den 17. Mai 1877 ging Schreiner Hein⸗ felbſt gedruckt. rich Scharmann von Steinheim bei Hungen in der Wetterau nach 6 Uhr morgens zur Arbeit nach dem benachbarten Borsdorf. Unterwegs etwa gegen 7 Uhr und kurz vor dem Walde hörte er ein donnerartiges Getöſe über ſich, konnte aber am klaren Himmel kein Wölkchen wahrnehmen. Nachdem er eine kurze Strecke in den Wald gegangen war, hatte ſich das Getöſe in ein Sauſen, Ziſchen und Brauſen verwan⸗ delt, als wenn viele Steine durch die Aeſte flögen. Plötzlich fuhr ein Stein in etwa 5 m Höhe gegen eine Fichte, ſchlug einen fingerdicken Aſt ab und fiel dann neben dem Beobachter in den Graben links vom Weg. Sehr erſchrocken wagte er anfangs nicht denſelben aufzuheben, und erſt nachdem er den unheimlichen Fremdling eine zeitlang ſcheu betrachtet, ihn dann mit dem Stock mehrmals hin und her⸗ gewendet und ſich überzeugt hatte, daß es„naut Lewiges“ ſei, nahm er ihn vom Boden auf. Er war kalt. Vor Borsdorf im Felde fand er den Bauer Michel, der mit Scharmann über das ſonderbare Donnern ohne irgendwelches Gewölk ein Geſpräch begann, wobei dann Scharmann dieſem ſein Erlebniß erzählte und den Stein zeigte.


