Aufsatz 
Über Meteoriten / von Otto Buchner
Entstehung
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Ueber den Meteorſtein von Hungen

und über Meteoriten im Allgemeinen. Von Dr. Otto Buchner.

De hoc multi multa, omnes aliquid, nemo satis.

So häufig ſich auch Meteoritenfälle ereignen und ſo zahlreich in größeren Sammlungen Meteoriten der verſchiedenſten Fallorte vereinigt ſind, ſo waren doch ſeither nur drei Meteoritenlocalitäten aus dem Großherzogthum Heſſen bekannt; keine der wenigen öffentlichen Sammlungen unſeres Landes ent⸗ hielt einen heſſiſchen Meteoriten, wohl aber fanden ſich die drei Localitäten vertreten in der berühmten Meteoritenſammlung des k. k. mineralogiſchen Hofcabinets in der k. k. Hofburg zu Wien, zugleich Re⸗ präſentanten der zwei Hauptgruppen der Meteoriten, nämlich zwei Meteorſteine von Darmſtadt und Mainz und ein Meteoreiſen von Nauheim. Von keinem derſelben wiſſen wir etwas über die Zeit des Niederfallens und die Erſcheinungen dabei. Der Stein von Darmſtadt ſoll 1804 gefunden worden ſein, aber auch das iſt nicht verbürgt. Er kam der Hauptſache nach in die Heidelberger academiſche Mineralienſammlung. Der Mainzer Meteorit dagegen wurde beſtimmt 1852 zwiſchen dem Münſter⸗ und Gauthor auf der Anhöhe außerhalb der Stadt in der Nähe der Pariſer Chauſſee beim Umpflügen eines Ackers in kalkhaltigem Boden gefunden. Sein Niederfallen wurde auch nicht beobachtet, und wie lange er in der Erde gelegen, iſt unbekannt. Er wurde dem Dr. Gergens gebracht und wog da noch etwa 1,20 K., hatte das Anſehen eines eiſenhaltigen, ſtark verwitterten Dolerits, hier und da mit neu entſtandener Kruſte kalkhaltigen Brauneiſenſteins überzogen. Das Nauheimer Eiſen wird im Wiener Verzeichniß als zweifelhaft meteoriſch aufgeführt. Während nämlich ſchon durch das Ausſehen, das mineralogiſche Gefüge und die Beſtandtheile ein Meteorſtein als ſolcher erkannt werden kann, auch wenn ſein Nieder⸗ fallen nicht beobachtet wurde, ſo iſt dies mit den Eiſenmeteoriten nicht ſo einfach.

In ſeiner Beſchreibung der Wetterau, 1828, erwähnt Wille, daß im Februar oder März 1826 beim Ausheben eines Grabens bei Nauheim in 5 Fuß Tiefe zwiſchen geſchloſſenem lettigem Grus ein Körper gefunden worden ſei, der durch ſeine Schwere auffiel. Die Arbeiter zerſchlugen ihn und nun fand ſich, daß es metalliſches Eiſen ſei. Nur drei kleine Stücke von zuſammen 26 Loth kamen an Herrn Wille, die übrigen aber wurden unbeachtet wieder in den ausgeworfenen Schutt verſtürzt, ſodaß es bei Unterſuchung an Ort und Stelle unmöglich war, über die urſprüngliche Größe und äußere Beſchaffenheit

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