Aufsatz 
Ueber Begriff, Bedeutung und Methode der geographischen Unterrichts / Friedrich Carl Reinhard Ritter
Entstehung
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hältnisse auf, wodurch der Mensch in seinem Entwickelungsgange ist bedingt und bestimmt worden, andererseits aber sucht sie zu erkennen, wie weit es der Mensch, als freies Wesen, in der Beherrschung seiner Naturverhältnisse, in der Herrschaft über die Erde gebracht hat. Hierdurch vollendet sie die Naturbetrach- tung, indem sie sich zu einer Gesammtanschauung des Erdenle- bens zu erheben strebt.

Diesem ihrem Begriffe zufolge handelt also die Geographie zuerst von den äusseren Verhältnissen, in denen sie die Erde fin- det unter ihren Geschwistern im Sonnensystem; überlässt aber die Erforschung der Lebens- und Bewegungsgesetze, die in die- ser Familie walten, der Astronomie und Mechanik des Himmels, und wendet sie nur bei der Lehre von der Licht- und Wärme- vertheilung auf der Erde an. Sie betrachtet ferner die Erde für sich allein als mathematischen, vorerst als ruhenden mathemati- schen Körper, beschreibt ihn nach Gestalt und Grösse, und kann bei diesem morphologischen Geschäfte nicht umhin, zugleich von der Physiognomie der Erde und der Länder, oder von der Be grenzung des Landes durch das Wasser und von der Erhebung und Senkung des Bodens zu reden. Indem sie aber zu der künstli- chen mathematischen Eintheilung der Erdoberfläche gehen vill, wird sie genöthigt, die Erde sich erst in Bewegung um sich selbst

und die Sonne zu denken, und daraus jene Eintheilung abzulei- 2