Aufsatz 
Nachricht von der Lehr- und Bildungsanstalt für Söhne jüdischer Familien / von M. H. Bock
Entstehung
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Schulen, wie ſie ſind, nicht gewaͤhren; allein ſie boten ihnen nicht zugleich die Deßtledigung eines, jedem braven Hausvater unſerer Gemeinde ſehr nahe liegen⸗ Den Beduͤrfniſſes dar, naͤmlich den gehoͤrigen Unter⸗ richt in der Religion unſrer Vaͤter, in der mit derſelben genau verbundenen Moral, in der Geſchichte unſrer Religion und den aus derſelben entſpringenden Neſul⸗ taten; kurz in ſo manchem, was vorzuͤglich der Ju⸗ gend unſrer Nazion zu wiſſen nothwendig iſt; daher der ſo natuͤrliche als gerechte Wunſch, einer eignen füdiſchen verbeſſerten, den Beduͤrfniſſen der Zeit ange⸗ meſſenen Lehr⸗ und Erziehungsanſtaltl.. Ich hatte das Gluͤck, daß meine Liebe fuͤr das Lehr⸗ und Erziehungsfach nicht unbemerkt blieb, und einige, fuͤr das Beſte ihrer Kinder ſorgende Hausvaͤter mir das guͤtige Zutranen ſchenkten, ſowohl die mora⸗ Aiſche als wiſſenſchaftliche Bilbung ihrer Söhne mir auzuvertrauen. Ich theilte dieſen Antrag einigen der eſchaͤzteſten hieſigen Paͤdagogen und Gelehrten, vor⸗ .zuͤglich dem Herrn Direktor D. Bellermann, Herrn David Friedlaͤnder, Heren Prof. Heinſius, Herr Pred. Lettow, und mehrern einſichtsvollen Hausvaͤtern der juͤdiſchen Gemeinde mit. Auch ſie zerkannten die dringende Nothwendigkeit einer⸗Verbeſſe⸗ xung des Unterrichts und der Erziehung der Jugend unſrer Nazion, und ermunterten mich, die mir er⸗ worbenen paͤdagogiſchen Kenntniſſe derſelben zu wid⸗

anen, durch Errichtung einer Lehr⸗ und Bilbungsanſtalt

den kuͤhmlichen Wuͤnſchen braver Maͤnner unſrer Nazion entgegen zu kommen, und den erſten Schritt zur

Erreichung eines edlen Zweckes zu thunu. So wagte ich es denn, beſtimmt durch das Zu⸗

rrauen verehrungswerther einſichtsvoller Maͤnner-

beſtimmt duͤrch die Aufforderungen ſchaͤtzenswerther Eltern, meine Kraͤfte zu verſuchen. Mit drelen Schuͤlern begann meine Anſtalt, in einem fuͤr jedes Anternehmen ſehr unguͤnſtigen Zeitpunkte. Ich ließß mich dadurch nicht abſchrecken: vertrauend, daß die Vorſehung jedes gute Werk gedeihen laſſe, hoffend auf eine lichtere, hellere, Zukunft, arbeitete und wirkte