Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
Einzelbild herunterladen

37

Nahm er wieder ihn hinweg von mir Seinem Geiſt allein war ich verbunden, In der Kunſt hab' ich ihn wiederfunden.

1803 konnte ſich R. verheirathen und wurde Vater von 4 Kindern. Später zog er nach München, da ihn 1805 die dortige Akademie der Wiſſenſchaften zu ihrem(beſoldeten) Mitgliede ernannt hatte. Dort ſtarb er leider ſchon 1810. Sein Freund G. H. v. Schubert nahm ſein verwaiſ'tes kaum 2jähriges Töchterchen Adeline als Pflegekind in ſeine Familie aufzu einem bleibenden Segen für unſer Haus und unſer Herz, wie er hinzufügt(Selbſtbiographie Bd. 2 S. 391). Sie ſoll ein Mädchen von wunderbarer ſeeliſcher Schönheit geworden ſein.

4.

Der Abbé des 4ten Briefs, den Dietr. v. M. bei ſich aufgenommen hatte, hieß Blanchard und mußte Frankreich meiden, weil er non sermenté war, d. h. die relig. Satzungen der republikan. Verfaſſung nicht hatte beſchwören wollen. Er ſuchte ſich nützlich zu machen und gab z. B. den Kindern den erſten Unterricht im Franzöſiſchen. Georg v. Miltitz erinnert ſich ſeiner noch, wie er in ſchwarzen ſeidnen Strümpfen und bei feierlichen Gelegenheiten in der Schalaune(dem Mäntelchen) erſchien. So ſchließen wir unſere Erzählung mit einer wohlthätigen Handlung Dietrich's v. Miltitz an einem Manne, der vor den Folgen derſelben Grundſätze geflohn war, die jener einſt in jugendlicher Leidenſchaft mit dem Schwerte in der Hand ſchirmen wollte.

Nachrichl über 6 dieſer Schrift ſich anſchließende Photographien.

Hat die halbe Welt jetzt eine oft unbeſtimmte Sehnſucht nach Photographien, ſo ſind die Gründe für eine beſtimmte Empfindung dieſer Art deſto einleuchtender. Mich verlangte nach dem Beſitze guter Bildniſſe von einigen Hauptperſonen der obigen Biographie, weil treue Abbilder be⸗ deutender Menſchen oft in einem einzigen Blicke gewähren, was bezeichnende Mittheilungen aus ihrem Leben kaum in Stunden oder Tagen leiſten: das Geſammtgefühl ihres Weſens, die An⸗ ſchauung ihres Geiſtes, Gemüthes und Charakters. Vereinigen ſich mehrere ſolcher zuſammen⸗ gehörigen Bildniſſe, die aus einer und derſelben Zeit ſtammen, ſo ſind ſie gewiſſermaßen ein leben⸗ diges Abbild jener Zeit ſelbſt und gewinnen erhöhtes culturhiſtoriſches Intereſſe. Die letztere Betrachtung ſchloß ſich alsbald an die erſtere und ſteigerte mein Verlangen.

Die Mittel zu ſeiner Befriedigung waren vorhanden. Faſt ſämmtliche Vorbilder zu den gewünſchten Bildniſſen, meiſtens ſchöne lebensgroße Oelgemälde aus den 70ger und 90ger Jahren des vorigen Jahrhunderts, ſchmücken das Schloß Siebeneichen. Herr Kammerherr von Miltiitz geſtattete nicht nur die Entfernung der Gemälde auf einige Zeit zum Zwecke ihrer photographiſchen Abnahme, ſondern erleichterte auch das Vorhaben durch gütige Theilnahme daran. Freilich aber war ein ſo geſchickter Photograph und Retoucheur nöthig, wie Hr. Ernſt Schröter von hier, um die Schwierigkeiten zu überwinden, die ſich dem glücklichen Photographiren unmittelbar nach älteren, gedunkelten und riſſigen Oelgemälden entgegenſtellen. Sie wurden, ſelbſt nach dem Urtheile Der⸗ jenigen, die täglich von den Urbildern umgeben ſind, vollſtändig beſiegt: man hat die genauen