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1776 geboren. Er ſtudirte Medicin und lebte dann in Jena ohne Amt, zuweilen von Herzog Ernſt von Gotha unterſtützt. Faſt alles, was er war, wurde er durch gewaltige eigne Anſtren⸗ gung, vergaß aber bei ſeiner Vertiefung in die Wiſſenſchaft der Bedingungen des irdiſchen Daſeins zu ſehr und arbeitete ſich trotz aller Unterſtützungen und zeitweiſen harten Entbehrungen doch immer wieder in lähmende Geldverlegenheiten hinein. Wie hier Novalis, ſo richtet 1801 wieder deſſen jüngerer Bruder Carl, bald nach des Dichters Tode, ein Bittſchreiben für ihn an Dietrich v. Miltitz, das ſich ebenfalls erhalten hat. Während dieſer Zeiten gab R. mehrere ſeiner natur⸗ wiſſenſchaftlichen Arbeiten heraus. Seine letzte Schrift: Fragmente aus dem Nachlaſſe eines jungen Phyſikers(2. Bdchen, Heidelb. 1810) iſt noch immer allgemein leſenswerth, beſonders ſoll⸗ ten Phyſiker vom Fach ihr anregendes Studium nicht verſäumen. Vergleicht man ſie mit Novalis'„Fragmenten“, ſo tritt Ritter's bedeutende Einwirkung auf dieſen Feuergeiſt deutlich hervor. Ritter ſelbſt ſchildert Novalis' erſtes Zuſammentreffen mit ihm(Fragmente 1. Bd. S. XVII ff., XXX, f.):„Ritter“(er redet von ſich ſelbſt in der dritten Perſon)„lebte damals,(um 1799)„in der größten Zurückgezogenheit in einer abgelegenen Gaſſe“(Jena's),„in einem küm⸗ merlich ausgeſtatteten Zimmer, welches er oft vier Wochen lang nicht verließ. In ſolcher Ein⸗ ſamkeit war es, daß einſt ein Mann in ſein Zimmer trat, der äußerlich äußerſt unbedeutend aus⸗ ſehen konnte, aber kaum noch zu ſprechen anfangen durfte, um jedem gleich wie ein uralter Be⸗ kannter, der Alles um einen wüßte und mit dem man im Geringſten nicht Umſtände nöthig habe, zu erſcheinen. Novalis und unſer Freund verſtanden ſich den Augenblick, letzterem war ſchlech⸗ terdings nur eben, als wenn er einmal laut mit ſich ſelber ſprechen könnte. Solches aber war von jeher das Zeichen völliger Gleichgeſinntheit und einer Freundſchaft von Aechtheit und Dauer.“
„Novalis, der unſern Freund nun öfters beſuchte, ſah bald, in welcher auch äußerlich ver⸗ laſſenen Lage er ſich damals befand, und bot ihm Unterſtützung nicht an, ſondern drang ſie ihm auf; es war die erſte Hülfe, die er nicht ſuchte, ſondern fand. Novalis aber war ſchonend genug, ihn jener Verlegenheit nicht eher auszuſetzen, als bis von einer Zurückgabe im Ernſte die Rede entſtand.“(Hierauf weiſ't der Anfang des 4ten Briefes an Dietrich v. Miltitz hin.)
„So wurde Novalis von allen Seiten Stütze und Beſtätigung unſres Freundes— und ohne einiges Geräuſch.— R. hing gewiß auf's Zärtlichſte an ihm; wer indeß nicht wirklicher Herzenskündiger war, würde dies nie geſchloſſen haben, wenn er Beide zuſammen ſah. So pflegt man auch dem Höchſten ergeben zu ſein, ohne daß es äußerlich merkbar würde; blos an dem Segen, der ſich über das Leben und das Angeſicht ergießt, erkennt der Eingeweihte, wohin das Herz des Sterblichen gerichtet ſei.“
„Aber Novalis ſtarb“(25. März 1801).„R. wurde ruhiger, als ihm aus deſſen hinterlaſſenen Papieren ein Brief zugeſtellt wurde, den dieſer noch wenige Tage vor ſeinem Tode an ihn angefangen, aber nicht mehr hatte vollenden können. Er enthielt Ermunterungen an ihn, ſeinem bisherigen Streben treu zu bleiben, und mehrere Ausſichten, die dann ihm ganz nothwen⸗ dig in Erfüllung gehen müßten. Ueber beide war hier ein Wort von außerordentlicher Bedeutung geſagt, und wie ein Heiligthum hat unſer Freund daſſelbe verwahrt und gepflegt.“
In einem ſpäter folgenden Gedichte(Fragmente S. LV.) klagt R. in Beziehung auf Novalis:
„Freunde ſchien der Himmel mir zu geben, Einen gab er endlich wirklich mir, Aber kaum, daß er ihn mir gegeben,


