Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
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Gute Batsdorf, eine halbe Stunde ſüdlich von Siebeneichen, bei dem dortigen Pachter Agner. Dieſer war ein feurig patriotiſcher Mann von redlicher Geſinnung und liebreichem Gemüthe und ſtand dem Gutsbeſitzer freundſchaftlich nahe. Er opferte viel für die deutſche Sache und als er in hohem Alter Batsdorf verließ, um in Meißen den Reſt ſeiner Tage zu verleben, hatte er noch vom eignen Vermögen zugeſetzt. Die Zeilen, die er dem General beim Abſchiede(8. Jul. 1829) ſchrieb, athmen innige Dankbarkeit und verſichern ihn ſeines ewigen Andenkens, wie er deſſen umgekehrt gewiß ſei. Sie ehren ebenſo ſehr den Abſender wie den Empfänger. Von dem erwähnten nähern perſönlichen Verkehr zwiſchen Novalis und Dietrich von M. in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts zeugen die folgenden, bisher ungedruckten 4 Briefe des Dichters, die unter andern Schätzen das Siebeneichener Familien⸗Archiv in der Urſchrift aufbewahrt. Sie ſind auf dem damaligen naiven Briefpapier, d. h. gewöhnlichem Conceptpapier, geſchrieben, füllen etwa 10 Quartſeiten und wurden mir vom Kammerherrn G. v. Miltitz auf meine Bitte anver⸗ traut, mit deſſen Erlaubniß ich ſie hier unverändert, doch in der Orthographie der übrigen Novalis'ſchen Briefe im 3. Bande der Schriften(1846), veröffentliche und mit den nöthigſten Erläuterungen, ſo weit ſie zu erlangen waren, verſehe.

Novalis an Dietrich von Millit. Irſter Brief.

(Siehe das beigegebene Faeſimile eines Theils desſelben.)

Weißenfels: den 7ten April 1797.

Die unerwartetſten Vorfälle haben meine Antwort auf Deinen freundſchaftlichen Brief bisher verzögert. Es thut mir ſehr weh, daß ich Deinem theilnehmenden Herzen durch ihre Erwähnung einige trübe Stunden machen ſoll. Aber Du erfährſt es ohnedem und wirſt es doch als einen Beweis meines Zutrauens zu Dir anſehn, wenn ich es Dir ſelbſt ſchreibe.

Seit dem 19. März iſt das Mädchen, an dem ich mit ganzer Seele hing, ſeit dem 19. März iſt meine Sofie todt. Nicht leicht lebte jemand ſicherer der frohſten Zukunft entgegen. Sie war die Seele meines Lebens. Nicht leicht ſieht jemand jetzt eine ödere Ausſicht vor ſich. Meine Wünſche und Bedürfniſſe waren, wie die ihrigen, ſo beſchränkt und auch dieſe Schranken fand das Schickſal noch zu groß und verbannte mich und ſie auf den Raum, den ein Grab einnimmt.

Mein Vater liebte ſie innigſt er weinte ſeit mehreren Jahren die erſten Thränen, wie er ihren Tod erfuhr.

Meinetwegen könntz ich jetzt ſtill ſein die bitterſte Reſignation ſollte Platz in mir finden aber kann ich aufhören zu klagen, wenn wir jetzt täglich die Auflöſung unſers Erasmus erwarten müſſen? Denke Dir meine guten Eltern, denen ſo ein Verluſt ſo neu, ſo herb iſt, die kaum ſich vom Schrecken über mein trauriges Schickſal erholt haben meine Geſchwiſter der arme Junge leidet unbeſchreiblich viel. Wahrſcheinlich iſt ſeine Lunge attaquirt wenn gleich der Hauptſitz der Krankheit urſprünglich in dem Unterleibe ſein mag. Seit 3 Wochen iſt er hier. Hier hat ſich ſeine Krankheit erſt ſo gefährlich angelaſſen.