Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
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ker, raſch aufſteigender Springquell zur Ruhe im Schatten ein. Die Schüler lagerten ſich unter den Bäumen an kleinen Abhängen umher und ſtimmten vierſtimmige Waldlieder von Uhland u. a. an, die der Geſang der Vögel in den Wipfeln und das träumeriſche Plätſchern des Quells begleiteten. Wir ſchritten dann durch einen Theil der Schattengänge aufwärts, hindurch nach der Südſeite, wo in der ſogenannten Buckoweiner Telle(Bokſche⸗ oder Buckotelzje) durch eben ausgeſchlagene Waldbäume und Büſche zwiſchen Felſen ein Bach herabrauſcht. An einem Waſſer⸗ falle regte ſich das Verlangen nach neuer Lagerung mit Geſang. Seine bedeutſamen Weiſen mitten in der gedrängten und doch ſo lebendigen Frühlingsſcene lockten die Muſen herbei. Ich hatte auf dem Gange durch den Park voll Bewunderung eine junge Fichte(an den Jüngling Fichte und ſeinen Pflegevater Ernſt Haubold v. Miltitz erinnernd) mit ihren neuen lichtgrünen Sproſſen im Sonnenglanz erblickt und mir im Herzen entſprang ein Lied, das ich nach der Rückkehr auf⸗ ſchrieb und herſetzen will, wenn auch der Zauberſtab der Phantaſie die Staffage der Scene ver⸗ wandelt hat, und zwar ſo, wie ſie der Weſtſeite des Parkes etwa gemäß wäre:

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Frühling im Haine.)

Nach langem Wintertraume Und wie's die Engel machen, Schmückt ſich der Hain, am Saume Daß bunte Siebenſachen

Des Hügels, wie es ſchallt 4 Noch unterm Lichtbaum ſtehn, Von Sängern, frohen, flinken, So hat's der Mai bereitet Rothkehlchen, Droſſeln, Finken Und ringsum ausgebreitet

Laut jubilirt der Wald. Geblüm, wo Lämmer gehn.

Er jauchzt mir in die Ohren: Das Jägerlein, das kecke,

Der Lenz iſt neu geboren Dort an der Felſenecke

Aus hartem Winterweh; Bläſ't in das Horn ein Lied; Die Weihnacht glänzt im Eiſe, Der Feder gleich, der ſchwanken, Doch heute geht die Reiſe Des Huts iſt ſein Gedanken, Durch Grün und Blütenſchnee! Der ihn zur Hirtin zieht.

Da ſteht die junge Fichte O Wonne, daß nun wieder

Vor mir in gold'nem Lichte Durch Frühling, Lieb' und Lieder Ein Chriſtbaum, freudenhell: Wir reich geworden ſind!

All' ihre jungen Spitzen Ich kann genug nicht laben

Wie frohe Lichter blitzen Mich an den ſchönen Gaben Auf dunk'lem Zweiggeſtell. So wie ein Weihnachtskind.

Die jetzigen Schattengänge des Parks, zum Theil an einer großen, im Anfange gartenartig bepflanzten, im Fortgange tieferen, waldigen Schlucht hingezogen, und unterbrochen von Lichtun⸗ gen und ſchönen Ausſichten auf Schloß, Elbthal und Meißen, beſtanden in den 90ger Jahren des vorigen Jahrhunderts nur noch in kunſtloſern Wegen und wilden Spaziergängen. Um dieſe Zeit wandelte hier zuweilen der phantaſievolle, mit Recht vielgefeierte Dichter Novalis(Friedrich von Hardenberg), deſſen Vater der ſchon oft erwähnte biedere Heinrich Ulrich Erasmus von Harden⸗ berg, der Vormund Dietrich's v. Miltitz, war. Der Dichter beſuchte den ſpäteren General zu⸗ weilen in Siebeneichen und wohnte dann gewöhnlich, manchmal auf Wochen, auf dem Miltitz'ſchen

*) Natur und Cottheit. Preisgeſänge von Adolf Peters. Zweite vermehrte Auflage, Leipzig 1863 S. 11.