Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
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und Gneiſenau, nicht minder auch Stein und Hardenberg zeichneten den ſeltenen Charakter aus und mancherlei Briefe aus jener Zeit ſind noch jetzt ſprechende Beweiſe ſeiner Tugenden. Einen dieſer Briefe anzuführen kann ich mir nicht verſagen, beſonders da dieſer Preis von Stein, dem ſtrengen Charakter, herrührt und auch für ihn bezeichnend iſt. Stein war ſehr befreundet mit dem Gräflich Reden'ſchen Hauſe und hielt ſich auf ſeiner denkwürdigen Flucht längere Zeit bei dieſer Familie verborgen. An die Gräfin Reden nun(deren mittheilende Briefe aus Buch⸗ wald vom 21. Januar und 7. Oct. 1817 vorliegen) ſchreibt Stein am 7. Januar 1817, nach der ausdrücklichen Bemerkung der Gräfin, wörtlich:Ich freue mich ſehr, daß O.(briſt) Miltitz Ihre Bekanntſchaft gemacht hat. Er beſitzt den edelſten Charakter, den er in dem verhängniß⸗ vollen Jahre 1813 bewährte, wo er im März und in den unmittelbar folgenden trüben Tagen Gut und Blut freudig für die gute Sache einſetzte, und 1814 ſehr wohlthätig durch Einfluß und Beiſpiel auf ſein Vaterland einwirkte, und er gehört zu denen ſehr wenigen, die ſich ohnverändert tüchtig, rein und edel bewährten. Verſichern Sie ihn, meine vortreffliche Freundin, ich bitte Sie, meiner höchſten Achtung und Freundſchaft. Im April dieſes Jahres wurde Miltitz General und Stein fügt im Herbſt d. J. in einem zweiten Briefe an dieſelbe Freundin noch die bekräftigende Aeußerung hinzu:General Miltitz iſt einer der edelſten, vortrefflichſten Männer, die ich in meinem ziemlich erfahrungsreichen Leben kennen lernte.

So hoch wurde Dietrich v. Miltitz von dieſem unvergleichlichen Manne geſtellt, dem größten Charakter unter den Rettern des Vaterlandes, dem größten unter den Vorhelden ſeiner Siege.

Wir wenden uns nun zu der Geſchichtserzählung zurück. Miltitz verließ jetzt Preußen, die Bruſt mit ruſſiſchen und preußiſchen Orden geziert, um fortan ſich und ſeiner Familie auf den ſächſiſchen Gütern zu leben. Seiner älteſten Tochter Henriette, die 1817 geſtorben war, folgte ſchon 1819 die innig geliebte Gattin Sara. Nach zwei Trauerjahren entſchloß ſich der Ver⸗ wittwete zu einer zweiten Ehe. Charlotte von Lehſten⸗Dingelſtedt war die Erwählte und gebar ihm noch 3 Söhne und 3 Töchter: Dietrich, Helene, Bernhard, Clara, Maximilian und Eliſabeth, die jüngſt, im Frühjahr 1863, mit Rudolph von Kiau ver⸗ mählte; von denen jedoch Max im 26ſten Jahre ſeines Alters an einer Bruſtkrankheit ſtarb.

Der Heimgekehrte, öffentlich thätig als Mitglied der erſten ſächſiſchen Kammer, behielt Muße zu ſeinen Lieblingsbeſchäftigungen, dem gründlichen Studium der Theologie und Geſ chichte. Aber auch an allen übrigen geiſtigen Dingen nahm er lebhaften Antheil und hatte Einſicht und Fähigkeit in vielen Zweigen menſchlichen Wiſſens und Könnens. Wohl kein Winkel der Wiſſen⸗ ſchaft und Kunſt iſt ihm ganz fremd geblieben, er glich einem Polyhiſtor der alten Zeit und ſchrieb nicht nur deutſche Gedichte, auch lateiniſche Briefe und Verſe. Sogar Zeichner und Bau⸗ meiſter war er, ganze Stöße von Riſſen, Plänen und Landſchaften ſind noch von ihm vorhanden. Seiner ſcharfen Denkkraft ſtand ein unglaubliches Gedächtniß zur Seite. Noch kurz vor ſeinem Tde legte er ſich nicht ſchlafen, ohne eine Anzahl griechiſcher Vocabeln auswendig gelernt zu

aben.

Faßt man die beiden Hauptrichtungen dieſes Lebens in Einem Blicke, ſo zeigt ſich ein ächter Januskopf, nach der einen Seite in die Zukunft ſchauend und in ihr mit Thaten ſeinen Pfad zeichnend, nach der andern Seite das Reich des Vergangenen und des Ewigen erſpähend und in ihm ſein inn'res Weſen zu immer höherer Geſtalt entwickelnd. Beide Richtungen aber, die geiſtige Eigenthümlichkeit umſchreibend, ruhen auf einem tiefen ſittlichen Gehalte, einer Friſche des