Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
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die böhmiſche Grenze überſchritten hatten und er vom Fürſten Wolkonski und General v. Winzingerode verabſchiedet worden war(25. Mai 1813).

Der Auguſt deſſelben Jahres rief ihn von Neuem zu ähnlicher Thätigkeit. Er trat als Commiſſar in der gleichen Eigenſchaft bei den Oeſtreichern unter Schwarzenberg ein und wurde zunächſt dem Oberſt von Langenau beigegeben. Mit dem Hauptquartier des Fürſten Schwarzenberg kehrte er nach Sachſen zurück, wohnte der Schlacht bei Dresden an, wurde im September dem Corps des Generals Gr. Klenau zugetheilt, traf mit dem Hauptquartier am 15. October in Rötha ein und war nun, ohne jedoch thätiger Theilnehmer zu ſein, Augenzeuge der großen Tage bei Leipzig. Erſt am 20. Oct., nachdem er ſich vom Kaiſer Alexander, in deſſen Gefolge er jetzt war, verabſchiedet hatte, bat er um Anſtellung im eigentlichen Kriegsdienſte und wurde nach einigen Tagen zum Oberſten der ſächſiſchen Armee ernannt, kam aber nicht ſofort zu militairiſcher Thätigkeit, weil Stein ihn zum Gouvernementsrath an der Seite Repnin's erleſen hatte und dort durchaus nicht miſſen wollte. Er mußte bis zum Februar 1814 in dieſer Stellung ausharren und bekam erſt 2 Monate vorher, auf ſein immer heftigeres Drängen, die Erlaubniß, zugleich militairiſch thätig zu ſein. Den von ihm fortbezogenen Gehalt als Gouvernementsrath trat er der Kaſſe zur Unterſtützung der Wittwen und Waiſen gefallener Krieger ab, übernahm die Organiſation des Banners ſächſiſcher Freiwilligen und rückte mit dieſem ins Feld.

In aller dieſer Wirkſamkeit ſuchte er die Drangſale des Krieges, ſo viel er vermochte, von Sachſen abzuwenden oder ſie zu mildern, wirkte aber auch offen für deſſen Befreiung vom fran⸗ zöſiſchen Joche. Mitten in den Zwieſpalt zweier großen menſchlichen Pflichten geſtellt, fühlte er ſich durch Geſinnung und ihm heilige Ueberzeugung getrieben, der Pflicht für das große Vaterland den Vorrang zu geben vor der Obliegenheit für das kleinere und ſchuf deshalb ſeine ſächſiſche Bwiſchenſtellung mehr und mehr zu einer deutſchen Sonderſtellung um, während König und Heer noch in franzöſiſchen Reihen fochten: ohne dabei ſeinen eignen Vortheil und ſeine Sicherheit im Geringſten zu Rathe zu ziehn. Denn daß ſeine Handlungsweiſe ſchlimme Verwicklungen für ihn herbeigeführt hätte, wenn Napoleon Sieger blieb, daß es um ihn ſelbſt, die Seinigen und ſeinen Beſitz geſchehen ſein und der eigne König ihn verurtheilt haben würde, daß er ſchon jetzt vor den Augen der noch zahlreichen franzöſiſchen Partei in Sachſen ein Greuel war, alles dies iſt nicht zu bezweifeln und um ſo mehr macht ſeine Geſammtthat für das deutſche Vaterland ihn zu einem der ruhmvollſten Söhne ſeines Geſchlechtes.

Die Errichtung des Banners der freiwilligen Sachſen war ſchon in einem Patent des ruſſiſch⸗ ſächſiſchen Gouvernements vom 31. Oct. 1813 anbefohlen.*) Er bildete ſich erſt im December, wurde in 7 Wochen und theils noch auf dem Marſche einexercirt und Carlowitz zum General deſſelben ernannt. Doch war dieſer nach dem Zeugniſſe eines noch lebenden Marſchgenoſſen, des als Glasmaler berühmten Meißner Malervorſtehers Scheinert, zuweilen kränklich und ging nur ab und zu; weshalb Miltitz, der eigentlich an der Spitze der Reiterei ſtand, häufig den ganzen Banner führte. Der letztere gehörte zum 5. Armeecorps und beſtand aus 1 Bataillon Bajonett⸗ ſchützen, 2 Comp. Scharfſchützen, 1 Cp. Sappeurs, 2 Escadrons Huſaren, 2 Esc. reitenden Jägern, 1 Esc. National⸗Dragonern und einer fliegenden Batterie von 6 achtpfündigen Kanonen und 2

*) Eine Denkſchrift über den ſächſ. Banner findet ſich in Zſchokke's Ueberlieferungen 1817 St. 22 S. 583.