Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

Napoleon. Viſſenſchaftliche in Gemeinſchaft betriebene Arbeiten liehen hierzu den ſo nöthigen Deckmantel.

Was nun die in dieſem Sinne durchgeführte Wirkſamkeit nach außen betrifft, ſo können wir zwar hier nicht ſpeziell auf die der ſpäteren Zeit angehörigen mannigfachen und ſchwierigen mili⸗ tairiſch⸗diplomatiſchen Stellungen und Verhandlungen eingehn, deren mitwirkende Triebfeder der kühne Mann war, wollen aber den Faden der äußern Thatſachen abwickeln.

Bereits 1806 war Miltitz vom Meißner Kreiſe zum Etappen⸗Commiſſar ernannt und als ſolcher bis 1809 an den Punkten thätig, die von den fremden Truppen berührt wurden. Doch erſt mit dem Einrücken der öſtreichiſchen Soldaten unter dem General Am Ende und des Herzogs Wilhelm von Braunſchweig⸗Oels im Juni 1809 begann ſeine bedeutendere Thätigkeit. Beauftragt vom Grafen Detlev v. Einſiedel, der Kreishauptmann und Vorſitzender der Meißner Kreisdeputation war, auch von der höhern Behörde in Dresden dazu ermächtigt, ſchloß er ſich dem Corps Am Endes an und begleitete es auf ſeinem Marſche durch Sachſen bis Teplitz ſo wie den Herzog von Braunſchweig bis Leipzig. Seine Aufgabe war die einer Mittels⸗ perſon zwiſchen der feindlichen Armee und der von den Durchmärſchen betroffenen ſächſiſchen Be⸗ völkerung. Er löſ'te ſie zur Zufriedenheit beider Theile und leiſtete Sachſen dadurch weſentliche Dienſte. Einen Beleg dazu liefert folgende Scene mit dem feurig patriotiſchen Herzog von Braunſchweig, der ſpäter(16. Juni 1815) bei Quatrebras fiel. Man erinn're ſich, daß es die Schill'ſche Zeit war: die Morgenröthe Deutſchlands ſpiegelte ſich in den blitzenden Augen ein⸗ zelner Helden. Der Herzog hatte, den Oeſtreichern angeſchloſſen, eben einen Sieg gegen die den Franzoſen verbündeten ſächſiſchen Truppen unter Thielemann bei Wilsdruf erfochten, 12. Juni 1809, und war gegen die Sachſen aufgebracht, weil er ſie vergebens zu einem allgemeinen Auf⸗ ſtande gegen die Franzoſen zu bringen geſucht. In dieſer Stimmung legte er der Stadt Meißen eine ſtarke Contribution auf und kam darüber mit Miltitz, der neben ihm auf dem Schlachtfelde ritt, in heftigen Wortwechſel. Der Herzog ſprach ſich dabei ſo hart verletzend gegen die Sachſen aus, daß M. in höchſter Entrüſtung gegen den Herzog den Degen zog. Aber dieſer, unähnlich Davouſt, der den Verwegnen hätte ſofort erſchießen laſſen, kannte M. als deutſchen Patrioten, reichte und ſchüttelte ihm die Hand, beruhigte ihn und ermäßigte die Contribution auf die Hälfte.

Anfang des Jahres 1813, als die Vorhut der befreienden Preußen und Ruſſen ſich Dresden näherte, ſprach ſich Miltitz laut für die gute Sache aus und widmete ihr alle ſeine Kräfte. Daß es ſich dabei um ſein perſönliches Sein oder Nichtſein handelte, wußte er. Aber ohne Zaudern ſetzte er ſein Eigenthum, ſein glückliches Daſein, ſeinen Namen Freiheit, Leben und Familie auf's Spiel. Er wollte zu ganz Deutſchlands Befreiung redlich mitwirken, aber ebenſo redlich und möglichſt bedeutend Sachſen nützen. Zunächſt wurde er zum ſelbſtändigen Commiſſar behuf Sprengung der Dresdener und Abbrennung der Meißner Elbbrücke ernannt. Dabei ver⸗ mittelte er den ſtörungsloſen Abzug der ſächſiſchen Truppen aus Neuſtadt⸗Dresden und denlfried⸗ lichen Einmarſch der Ruſſen am 2. März. An demſelben Tage reiſ'te er in's Hauptquartier des Generals von Winzingerode nach Bautzen und wurde am 29. März von der Immediat⸗ Commiſſion in Dresden dem Corps dieſes Generals zur Begleitung durch die ſächſiſchen Lande als Commiſſar beigegeben. Als ſolcher wohnte er der Schlacht bei Lützen(2. Mai 1813), am 20. Mai der von Bautzen bei, begab ſich aber zu ſeiner Familie nach Teplitz, als die Ruſſen