Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
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treten in Maſſe auf, die Obern bedrücken die Unteren, Rohheit des Tons und Hang zur Unrein⸗ lichkeit herrſchen, ſie tumultuiren, ſie ſchreien ungeſtüm im Hofe, haben eine Sucht, Gebäude und Geräthſchaften zu zerſtören, rauchen Tabak, ſteigen nächtlich aus ꝛc. Mangel an hinlänglicher Aufſicht, herbeigeführt durch die zu geringe Zahl der Lehrer, begünſtigte all dies ſchimpfliche und ſchändliche, vergebens bekämpfte Treiben. Aber in hohem Grade erſchweren auch die äußern Zuſtände der Schule die Hebung der Sittlichkeit. Je 3 bis 5 Schüler wohnten in nicht heizbaren kleinen Stuben, Zellen genannt, und ſchliefen in Einer Kammer, die nahe gegenüber lag, bei⸗ ſammen. Im Winter waren daher ſämmtliche Schüler der Schule in einem einzigen großen Naume, dem jetzigen Feſtſaale, zum Studiren vereinigt. An Räumen zum Waſchen fehlte es ganz. Alle Schüler mußten in allen Jahreszeiten ſich Morgens nach dem Aufſtehn, alſo in den Wintermonaten noch im Finſtern, aus einem einzigen, im Hofe unbedeckt ſtehenden Waſſertroge waſchen. Kleider und Stiefel hatten ſie ſich ſelbſt zu reinigen, d. h. die Unteren mußten es für ſich ſelbſt und für die Oberen thun.

So der alte Zuſtand, aus dem ſeit 1812 der neue, allmählich immer beſſere, hervorging. Mittelſt eines Umbaues, der gegen 6000 Thlr. koſtete, wurden 8 heizbare Studirſtuben, jede für 15 Schüler, mit Vorkammern zum Waſchen und Aufbewahren der Kleider, 2 große Schlafſäle, jeder für 60 Schüler, für die zuſammen ein eigner Nachtwächter angeſtellt wurde, auch 2 neue Auditorien hergerichtet. Dabei war durch einen von Grund aus neuen Treppenbau das neue mit dem alten Gebäude verbunden worden. Man vermehrte das Lehrer⸗ und Erziehungs⸗ perſonal durch einen 6ten Profeſſor, beſonders für die Religion, und durch 4 Collaboratoren, von denen jeder zwiſchen 2 Schüler⸗Studirſtuben wohnte, die er von ſeinem Zimmer aus überſehn konnte. Sie hatten vorzugsweiſe das Betragen zu beaufſichtigen, waren alſo zu Sittlichkeits⸗ wächtern beſtellt, hatten aber auch Lehrſtunden zu geben. So beſtand die Einrichtung ſchon in Schulpforta. Was die Doctrin betrifft, ſo wurden die verbundenen Claſſen faſt durchgängig getrennt, die Lehrſtunden anſehnlich vermehrt, der faule Theil der Ferien, beſonders die vielen halben Tage, weggeſchnitten, dafür aber jedem Hauptlehrgegenſtand, namentlich auch der Mathe⸗ matik, 1 Stunde Privatarbeitszeit zugewieſen, in Prima die griech. Tragiker, Ariſtophanes und Platon eingeführt und die vernachläſſigten deutſchen Klaſſiker in den bisher zu zahlreichen Abend⸗ freiſtunden zu leſen empfohlen, auch ſonſt noch paſſende Aenderungen in den Lehrgegenſtänden vorgenommen. Die Belehrung und Beaufſichtigung der untern Schüler durch die obern wird beibehalten, die Ernennung oberer Schüler zu beſonderen Stuben⸗ und Hausinſpectoren betont, doch Beides in dem Sinne, daß Alles, was zur Befeſtigung des Pennalismus führen könnte, ſtreng vermieden werde. Mit der Reinigung der Kleider und Stiefel wurden Diener beauftragt.

So war denn die völlige Umgeſtaltung der Schule in's Werk geſetzt. Hr. Prof. Dr. Oertel. der ſelbſt als Schüler Augenzeuge davon war, ſagt in der Einleitung zu ſeiner am 12. Decbr. 1862 am Geburtstage Sr. Majeſtät des Königs Johann I. gehaltenen Rede:Am 17ten Novbr. vor 50 Jahren erfolgte hier in dieſem Saale in Gegenwart eines außerordentlichen königlichen Commiſſars, des Cabinetsminiſters Grafen von Einſiedel, die ſolenne Einweihung der neuen Ein⸗ richtung unſerer Schule, eines Werkes von drei um unſre Landesſchule hochverdienten Männern, dem Oberhofprediger Dr. Reinhard, dem adlichen Schulinſpector Dietrich v. Miltitz und dem Rector adjunctus M. König.

Hiermit war die Grundlage faſt aller noch heute beſtehenden ſegensreichen Einrichtungen,

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